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10.04.2006

13:02 Uhr

Fußball National

"Flitzer" sollen tief in die Tasche greifen

Künftig müssen die so genannten "Flitzer" nach ihren Auftritten in Fußball-Stadien mit empfindlichen Strafen rechnen, wie eine mündliche Verhandlung des OLG Rostock ergab. Das endgültige Urteil folgt am 28. April.

Das Oberlandesgericht (OLG) Rostock ist nach einer mündlichen Verhandlung am Montag zu dem Ergebnis gekommen, die so genannten "Flitzer" nach ihren nackten Auftritten in Fußball-Stadien künftig zur Kasse zu bitten und die dem Verein zugefügten Schäden begleichen zu lassen. Das endgültige Urteil, das als Präzedensfall weitgreifende Wirkung haben dürfte, wird am 28. April (12.00 Uhr) gesprochen. Lediglich in der Schadenshöhe und bei der Aufteilung der Haftung blieben Fragen offen.

"Vorsatz schlägt die anderen Beteiligungsformen"

"Vorsatz schlägt die anderen Beteiligungsformen. Der Schädiger muss den Schaden ersetzen", sagte der Vorsitzende Richter Hans-Georg Eckert unmissverständlich und folgte damit einer Entscheidung des Rostocker Landgerichtes vom Novmber 2005. Darin hatte Zweitligist Hansa Rostock von drei "Flitzern" 20 000 Euro erstritten. Die Störenfriede waren im Herbst 2003 beim Bundesliga-Spiel gegen Hertha BSC Berlin auf den Platz gelaufen und hatten Hansa eine Strafe von 20 000 Euro wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) eingebrockt.

Genau diese Summe hatte Hansa im vergangenen Jahr in erster Instanz erstritten. Die Meinung des OLG dürfte auch das Organisationskomitee der Fußball-WM zufriedenstellen, da entsprechend hohe Strafmaße zu einer Abschreckung beitragen. Fraglich blieb, wie die Haftung letztendlich aufgeteilt wird. In der ersten Instanz wurden die zwei "Flitzer", die beide in der 55. Minute aufs Feld gelaufen waren, gesamtschuldnerisch zu 10 000 Euro bestraft. Hier fragte der Senat, ob die Summe nicht gesplittet werden könnte. "Einer ist ja zuerst auf das Feld gelaufen", sagte Eckert. Der Richter schlug vor, die Summe in 6 000 und 4 000 Euro aufzuteilen.

Unterschiedliche Meinungen gab es auch bei der Höhe der Schadenssumme. Hans-Werner Peine, Anwalt eines der "Flitzer", erklärte, dass sein Mandant nicht allein für die Höhe des Schadensersatzes verantwortlich sei. Schließlich sei die Summe nur deshalb angewachsen, weil Hansa Wiederholungstäter sei. Auch in diesem Punkt ließ sich der Senat Überlegungen bis zur endgültigen Urteilsfindung Ende des Monats offen.

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) verfolgte die Verhandlung mit großem Interesse. "Wir hatten in der gesamten Zeit Unterstützung aus Frankfurt", sagte Hansa Rostocks Anwalt Volker Beecken. Sollte das Urteil am 28. April den "Flitzern" eindeutig die Schuld geben, liegt erstmals eine obergerichtliche Grundsatzentscheidung vor, die in Zukunft im deutschen Fußball als Präzedenzfall gelten dürfte.

© SID

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