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08.04.2006

14:11 Uhr

Fußball National

Richthofen spricht sich für Schulterschluss aus

DSB-Präsident Manfred von Richthofen hat beim DFB-Symposium "Fußball unterm Hakenkreuz" im Zuge der komplizierten Aufarbeitung der Nazivergangenheit im deutschen Sport einen Schulterschluss aller Verbände angeregt.

Im Zuge der komplizierten Aufarbeitung der Nazivergangenheit im deutschen Sport hat der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, einen Schulterschluss aller Verbände angeregt. "Wir müssen prüfen, ob die Sportverbände nicht gemeinsam die begonnene Aufarbeitung fortsetzen können. Eine Aufarbeitung ist nicht so einfach, wie es manchmal den Anschein hat, aber wir müssen weiter daran arbeiten, weil uns die Jugend einmal danach fragen wird", sagte von Richthofen im Anschluss an das zweitägige Symposium "Fußball unterm Hakenkreuz" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Bad Boll.

Ausgangspunkt für das Treffen von Prominenz aus den Bereichen Sport, Wirtschaft, Politik und Kirche am Freitag und Samstag in der evangelischen Akademie war die im September vergangenen Jahres im Auftrag des DFB-Präsidiums veröffentlichte Studie "Fußball unterm Hakenkreuz: Der DFB zwischen Sport, Kommerz und Politik". Auf mehr als 350 Seiten stellte der Mainzer Historiker Dr. Nils Havemann die Geschichte des Verbandes zwischen 1933 und 1945 erstmals auf einer breiten Quellenbasis dar. Auf dieser Grundlage ergaben sich an beiden Tagen fruchtbare Diskussionen, an denen sich auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble rege beteiligte.

Schäuble hofft auf "befreiende Wirkung"

"Es ist gut, dass sich der DFB seiner Vergangenheit stellt, das kann auch eine befreiende Wirkung haben", erklärte Schäuble, der aus aktuellem Anlass noch einmal auf die Vorbildfunktion des Fußballs hinwies: "Ich kenne kein Feld in unserer Gesellschaft, in dem soviel für die praktische Integration getan wird, wie im Fußball. Trotzdem möchte ich kritisch anmerken, dass in der heutigen Zeit der Fairplay-Gedanke wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden sollte."

Zufrieden bilanzierte auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger in seiner Funktion als Gastgeber das Symposium. "Wir wollten versuchen, uns an diesen zwei Tagen unserer Vergangenheit in dieser schlimmen Zeit weiter zu nähern. Das ist durch die vielen kontroversen und kritischen Gespräche durchaus gelungen. Ich möchte aber auch nachdrücklich darauf hinweisen, dass die Aufarbeitung der Geschichte des DFB in der Zeit des Nationalsozialismus ein Prozess ist, und diese Tagung stellt dabei weder einen Anfang noch einen Schlusspunkt dar", meinte Zwanziger.

Weitere Maßnahmen beschlossen

Im Zuge der Aufarbeitung der Nazivergangenheit hatte das DFB-Präsidium bereits im vergangenen Herbst weitere Maßnahmen beschlossen. Dazu gehört die Stiftung des Julius-Hirsch-Preises in Erinnerung an den gleichnamigen Nationalspieler jüdischen Glaubens, der im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Der mit 20 000 Euro dotierte Preis für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Diskriminierung wurde erstmals am 9. Dezember des vergangenen Jahres an den FC Bayern München verliehen.

© SID

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