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12.01.2011

15:18 Uhr

Fußball National

Wettskandal: Cichon gerät immer mehr unter Druck

Ex-Zweitliga-Profi Marcel Schuon hat im Wettskandal Thomas Cichon schwer belastet. "Cichon war beteiligt", sagte der 25-Jährige über seinen früheren Mitspieler beim VfL Osnabrück.

Thomas Cichon wurde von Marcel Schuon schwer belastet. Foto: SID Images/Firo SID

Thomas Cichon wurde von Marcel Schuon schwer belastet. Foto: SID Images/Firo

Der ehemalige Bundesliga-Profi Thomas Cichon gerät im Fußball-Wettskandal immer mehr unter Druck. Sein früherer Teamkollege Marcel Schuon belastete den 34-Jährigen als Zeuge im Bochumer Prozess schwer, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) lud ihn zu einer weiteren Anhörung Ende Januar vor. "Cichon war beteiligt", sagte Schuon am 13. Verhandlungstag vor dem Bochumer Landgericht, als er sich zu Manipulationsabsprachen beim Zweitligisten VfL Osnabrück äußerte.

Cichon streitet bislang jegliche Beteiligung an Spielmanipulationen ab. Der ehemalige U21-Nationalspieler spielt derzeit für die Moroka Swallows in Südafrika. Während der geständige Schuon bereits vom Amtsgericht Bochum zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und vom DFB zu einer Sperre von 33 Monaten verurteilt wurde, ist Cichon bisher nur befragt worden.

Nun drückt vor allem der DFB aufs Tempo, denn im Bochumer Prozess wurde der ehemalige Kölner nicht nur vom Angeklagten Nürettin G., sondern auch von den als Haupttäter geltenden Ante S. und Marijo C., die als Zeugen aussagten, schwer belastet. Nach SID-Informationen hat Cichon eine Aussage vor dem Kontrollausschuss zugesagt, sollte er nicht erscheinen, könnte ihm eine Vorsperre drohen.

Schuon gibt sich als geläutertert Sünder

Schuon ist schon weiter. Als geläuterter Sünder präsentierte sich der 25-Jährige in Bochum und entschuldigte sich zunächst "für das, was ich getan habe. Ich weiß, dass ich den DFB in ein schlechtes Licht gerückt habe." Schuon gab zu, mit dem Angeklagten Nürettin G. Manipulationsabsprachen getroffen zu haben. Es sollten Elfmeter verschuldet, Rote Karten kassiert oder Eigentore erzielt werden, damit der VfL Osnabrück verlor. Selbst ein Spiel manipuliert haben will er allerdings nicht.

Weil beim 1:1 bei Carl Zeiss Jena am 2. Mai 2008 das gewünschte Ergebnis nicht eintrat, stand Schuon nach eigenen Angaben plötzlich bei den mutmaßlichen Wettbetrügern mit 25 000 Euro in der Kreide. Die Schulden seien ihm nach der nach der 0:3-Niederlage am 17. April 2009 beim FC Augsburg erlassen worden, obwohl er selbst "keine bewussten Fehler gemacht" habe.

Auch Cichon habe "eine Vergütung erhalten", sagte Schuon, der zugab, "zu dem Zeitpunkt sehr stark spielsüchtig" gewesen zu sein. Im Wettbüro von Nürettin G. habe er Wettschulden "zwischen 5 000 und 10 000 Euro" gehabt, deshalb sei er auf das Angebot der Spielmanipulation eingegangen. Cichon soll bei mindestens einem Treffen mit den Wettpaten dabei gewesen sein. Vor dem Augsburg-Spiel habe er "im Auftrag von Cichon die Vorfeldabsprachen gemacht", sagte Schuon.

Manipulationen beim SC Verl

Zuvor hatten ehemalige Spieler des SC Verl über Manipulationen beim Regionalligisten ausgesagt. Vor der Partie am 30. Mai 2009 bei Borussia Mönchengladbach sei beim Training darüber gesprochen worden, absichtlich zu verlieren. Eine Zusage bestritten die als Zeugen geladenen beiden Spieler, gegen die die Staatsanwaltschaft weiter ermittelt.

Ein weiterer Akteur, der lediglich als Zeuge gehört wurde, berichtete von 4 000 Euro, die die Spieler für eine Manipulation erhalten sollten. Weil er selbst nicht mitmachen wollte, simulierte er eine Verletzung. "Ich habe einen Muskelfaserriss vorgetäuscht", sagte Andreas Saur, der nicht beschuldigt wird.

Bei späteren, ebenfalls unter Manipulationsverdacht stehenden Spielen war er dann "leider wirklich verletzt" und nach einer Roten Karte gesperrt. Die Angeklagten Tuna A. und Stevan R. hatten zugegeben, Spielern des SC Verl in einem Fast-Food-Restaurant jeweils 500 Euro übergeben zu haben, damit sie Spiele manipulieren. Ein befragter Spieler gab zwar zu, bei dem Treffen gewesen zu sein, wollte aber kein Geld erhalten haben und auch nicht mehr wissen, wen er getroffen habe. Der DFB hat bislang lediglich gegen einen ehemaligen Verler Spieler eine sechsmonatige Sperre ausgesprochen, gegen weitere wird noch ermittelt.

© SID

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