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19.01.2011

15:30 Uhr

Fußball National

Wettskandal: Erstes Urteil in Sicht

Offenbar steht im Fußball-Wettskandal vor dem Bochumer Landgericht ein erstes Urteil bevor. Die Staatsanwaltschaft will das Verfahren der beiden Hauptangeklagten abtrennen.

Im Fußball-Wettskandal sollen bald die ersten Urteile fallen. Foto: SID Images/pixathlon SID

Im Fußball-Wettskandal sollen bald die ersten Urteile fallen. Foto: SID Images/pixathlon

Bevor die mutmaßlichen Haupttäter auf die Anklagebank kommen, könnte im Fußball-Wettskandal bereits das erste Gerichtsurteil gesprochen werden. Im ersten Prozess vor dem Bochumer Landgericht will die 13. Strafkammer das Verfahren gegen die geständigen Nürettin G. und Tuna A. abtrennen. "Dann könnten wir schnell zu einem Urteil kommen", sagte der Vorsitzende Richter Carsten Schwadrat am 15. Verhandlungstag am Mittwoch.

Noch im Februar könnte das Duo verurteilt werden, ehe die vermeintlichen Bosse vor Gericht kommen. Gegen Ante S. und Marijo C., für die Staatsanwaltschaft die "Köpfe der Wettmafia", war in der vergangenen Woche Anklage erhoben worden, der Prozess gegen sie und vier mutmaßliche Mittäter könnte im Februar oder März beginnen. Sie sollen mit insgesamt 550 000 Euro Spieler und Schiedsrichter bestochen und mit 3,5 Mill. Euro Einsatz 2,8 Mill. Euro Gewinn erzielt haben.

Geständnisse könnten zu einem schnellen und milden Urteil führen

Weil Nürettin G. und Tuna A. umfassende Geständnisse ablegten, dürfen sie mit einem schnellen und vergleichweise milden Urteil rechnen. "Am Anfang war von fünf bis acht Jahren die Rede, jetzt denke ich eher an drei Jahre", sagte Joachim Müller, Verteidiger von Tuna A., dem SID. Da sein Mandant schon 13 Monate in Untersuchungshaft saß, müsste er wohl nur noch für einige Monate hinter Gitter. Tuna A. und Nürettin G. müssen allerdings noch erklären, dass sie die Höhe der in der Anklageschrift genannten Wettbeträge nicht bestreiten. Dann bliebe dem Gericht eine weitere Beweisaufnahme, etwa durch Vorlage der Telefonmitschnitte, erspart.

Nürettin G. hatte unter anderem zugegeben, die Osnabrücker Spieler Thomas Cichon und Marcel Schuon bestochen zu haben. Während Schuon seine Verwicklung in den Skandal gestanden hat, streitet der ehemalige Bundesliga-Profi Cichon weiter jegliche Beteiligung an Manipulationen ab. Nürettin G. war "der erste, der die Hosen runtergelassen hat", wie der vernehmende Beamte am Mittwoch als Zeuge sagte: "Aufgrund seiner Aussagen sind in der Türkei 70 Festnahmen erfolgt."

Gegen die Mitangeklagten Stevan R. und Kristian S. wird gesondert weiter verhandelt

noch ohne Tuna A. gab zu, Spieler des Regionalligisten SC Verl bestochen zu haben. Zudem war er an dem Einstieg der Wettmafia beim belgischen Zweitligisten Union Royale Namur beteiligt. Gegen die Mitangeklagten Stevan R. und Kristian S., die bislang kein umfassendes Geständnis abgelegt haben, soll gesondert weiter verhandelt werden.

Stevan R. wurde am Mittwoch erneut belastet. Ein 18-Jähriger beschrieb, wie der Angeklagte über ihn Kontakt zu U19-Spielern von Arminia Bielefeld aufgenommen habe. Sie sollten A-Jugend-Spiele manipulieren. Aus Angst vor der Wettmafia war der Berufsschüler vor einer Woche nicht als Zeuge erschienen. "Ich hatte Angst, was Falsches zu sagen", erklärte der ehemalige Jugendspieler. Auf die Frage Schwadrats, ob er Angst vor der Wettmafia habe, antwortete er: "Ja."

Dafür, dass er Stevan R. mit U19-Spielern bekannt machte, will er 3 500 Euro erhalten und 500 Euro an einen ehemaligen Mitspieler weitergegeben haben. "Ich war jung, nicht zu Hause und habe zu der Zeit viel Mist gebaut. Da konnte ich 3 500 Euro gut gebrauchen", sagte er. Stevan R. hat seine Bestechungsversuche bislang nur teilweise eingeräumt. Er ist der einzige Angeklagte im ersten Bochumer Prozess, der noch in Untersuchungshaft sitzt.

© SID

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