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16.06.2011

13:52 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft

Löw beendet die Ära Ballack

Der Bundestrainer wirft den "Capitano" raus. Nach einer monatelangen Hängepartie verzichtet Joachim Löw endgültig auf Michael Ballack. Er soll noch sein 99. Länderspiel bestreiten dürfen - wenn er denn überhaupt will.

Frankfurt am MainDie Ära von Michael Ballack in der deutschen Nationalmannschaft geht zu Ende. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag mitteilte, plant Bundestrainer Joachim Löw nach einem Gespräch mit Ballack nicht mehr mit dem langjährigen Kapitän. Der 34-jährige Leverkusener soll laut DFB am 10. August gegen Brasilien aber noch sein 99. Länderspiel absolvieren. Der DFB hofft, dass Ballack auf das Angebot eingeht, doch nach Informationen des Sportinformationsdienstes (SID) wird Ballack darauf verzichten.

„In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat“, erklärte Löw auf der DFB-Homepage. „Im Interesse aller“ sei nun eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht. „Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass viele junge Spieler in den Blickpunkt gerückt sind und gute Perspektiven besitzen“, so der Bundestrainer.

Es folgten warme Worte für Ballack. Löw lobte ihn für seine Verdienste um den deutschen Fußball: „Er hat eine Ära geprägt und sich als Kapitän stets in den Dienst der Mannschaft gestellt, was ich bei der WM 2006 oder der Euro 2008 aus nächster Nähe erleben konnte.“

Die Länderspielkarriere des Michael Ballack

Das Debüt

Michael Ballack feiert sein Debüt in der Nationalmannschaft im Alter von 22 Jahren als Spieler des 1. FC Kaiserslautern. Beim 0:1 gegen Schottland wird der gebürtige Görlitzer am 28. April 1999 in Bremen von Teamchef Erich Ribbeck für Dietmar Hamann eingewechselt.

Der erste Sieg

Ballacks erster Sieg im sechsten Länderspiel: Beim 3:2-Heimsieg im EM-Testspiel gegen Tschechien wird er wieder für Hamann eingewechselt.

Der erste Tiefpunkt

Beim deutschen EM-Debakel in Belgien und den Niederlanden wird Ballack beim abschließenden 0:3 gegen Portugal ausgewechselt - sein neuntes Länderspiel.

Das erste Tor

14. Spiel: Beim 4:2-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Griechenland in Athen erzielt Ballack per Foulelfmeter sein erstes Länderspieltor. Insgesamt trifft er in der Nationalmannschaft zehnmal vom Punkt.

Der Matchwinner

21. Länderspiel: Mit seinem ersten „Doppelpack“ im Nationaltrikot führt Ballack die DFB-Elf im entscheidenden K.o.-Spiel gegen die Ukraine in Dortmund zum 4:1-Sieg und damit zur WM 2002 in Japan und Südkorea.

Der tragische Held

Ballack wird in seinem 28. Länderspiel zur tragischen WM-Figur. Im Halbfinale gegen Gastgeber Südkorea erzielt er 2002 das 1:0-Siegtor, sieht aber wegen eines taktischen Fouls die Gelbe Karte und ist im Finale gegen Brasilien (0:2) gesperrt.

Der Viererpack

39. Länderspiel - Ballack im Torrausch: Beim 7:0 im EM-Test gegen Malta erzielt er in Freiburg zum einzigen Mal vier Tore in einem Länderspiel.

Der Capitano

Jürgen Klinsmann befördert Ballack als Nachfolger von Oliver Kahn zum Kapitän. Der Einstand als Spielführer verläuft in seinem 45. Länderspiel mit einem 3:1-Erfolg in Wien gegen Österreich erfolgreich.

Der Nervenstarke

Elfmeter-Drama im WM-Viertelfinale gegen Argentinien: Die deutschen Schützen verwandeln nervenstark - auch Ballack in seinem 69. Länderspiel. Und Jens Lehmann hält in Berlin die Schüsse von Ayala und Cambiasso.

Die größte Enttäuschung

70. Länderspiel: Das Sommermärchen endet in Tränen. Ohne den gesperrten Frings verlieren Ballack & Co. in Dortmund das Halbfinale gegen Italien durch zwei späte Tore in der Verlängerung mit 0:2. Beim 3:1 gegen Portugal im Trostspiel um Platz drei ist Ballack nur noch Zuschauer.

Der Löw-Retter

84. Länderspiel: Mit einem mächtigen Freistoß sorgt der Kapitän im Vorrundenfinale gegen Österreich in Wien für den 1:0-Sieg und sichert den Einzug ins Viertelfinale der EURO 2008. Bei einem Ausscheiden wäre Trainer Löw in arge Bedrängnis geraten.

Der letzte Tiefpunkt

86. Länderspiel: Das 0:1 im EM-Finale gegen Spanien. Wieder bleibt dem deutschen Leitwolf die Krönung mit einem internationalen Titel versagt.

Der vorerst letzte Einsatz

Beim 0:1 in München gegen Argentinien führt Ballack die DFB-Auswahl in seinem 98. Länderspiel zum 55. Mal als Kapitän an. Nach einem Foul von Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale verpasst er wegen einer schweren Fußverletzung danach allerdings die WM in Südafrika. Der Abschied auf Raten des Capitano hat begonnen.

Das Abschiedsspiel?

„Wir alle möchten, dass Michael Ballack in seinem 99. Länderspiel einen würdigen Abschied von der Nationalmannschaft am 10. August im Klassiker gegen Brasilien feiern und dort ein letztes Mal unser Team als Kapitän aufs Feld führen kann. Diese Überlegungen sind ihm seit längerem bekannt. Wir hoffen, dass er dieses Angebot annimmt“, erklärte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Ballack hatte die WM 2010 in Südafrika wegen einer Fußverletzung verpasst. Seitdem hat der Profi des Bundesligisten Bayer Leverkusen kein weiteres Länderspiel bestritten. Zuletzt hatte Löw im defensiven Mittelfeld Akteuren wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos den Vorzug gegeben.

Der bittere Abschied auf Raten begann im Mai 2010. Ein brutaler Tritt von Gegenspieler Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale beendete Ballacks Traum von einer dritten WM-Teilnahme. Mit finsterer Miene und tiefen Ringen unter den Augen stand der deutsche „Capitano“ damals im Münchner Marienhof vor der Praxis von DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Dieser hatte zuvor die niederschmetternde Diagnose gestellt; ein Innenband und ein Teil des vorderen Syndesmosebandes im Sprunggelenk des rechten Fußes waren zerstört.

„Ich bin sauer, ganz klar“, stammelte Ballack nach der für ihn „schlimmsten Diagnose“ der Karriere. Auf Krücken humpelte er davon - und ohne den für unersetzbar gehaltenen Anführer spielte sich die junge deutsche Nationalmannschaft angeführt von Ersatzkapitän Philipp Lahm beim WM-Turnier in Südafrika in die Herzen der Fußball-Fans.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.06.2011, 13:55 Uhr

Ein nicht unerwartetes und ehrenvolles karriere-ende nach bösen verletzungen voller persönlicher tragik als herauswerfen zu bezeichnen - das ist respektlos. Der verantwortliche redakteur sollte sich was schämen für seine geschmacklosigkeit!

Wolfgang

16.06.2011, 16:36 Uhr

Ballack war Kapitän (nicht Kapitano) der Nationalmanschaft und hat dort großes geleistet, aber die Zeit ist weiter gelaufen und Löw hat zu recht auf junge Spieler gesetzt.
Für jeden Sportler läuft die Zeit einmal ab, falsch verstandene Dankbarkeit ist da fehl am Platz.

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