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22.01.2007

09:44 Uhr

Fußball Nationalmannschaft

Nowotny hängt Schuhe an den Nagel

Nationalspieler Jens Nowotny hat seine Karriere nach einer erneuten Knieverletzung mit sofortiger Wirkung beendet. "Es hat nicht mehr gereicht", erklärte der 33 Jahre alte Defensiv-Spezialist.

Jens Nowotny macht Schluss: Der deutsche WM-Teilnehmer hat mit sofortiger Wirkung seine Laufbahn beendet. "Die neuerliche Verletzung gab den Ausschlag. Ich habe gesundheitlich sicher schon schlimmere Zeiten erlebt. Doch der Gedanke, jetzt noch mal eventuell zehn Monate pausieren zu müssen, wieder Reha, wieder Aufbautraining. Es hat nicht mehr gereicht", sagte der 33-Jährige, der vor kurzem erneut eine Knieverletzung erlitten und sich einer Operation unterziehen musste, dem kicker.

Vertrag in Zagreb aufgelöst

Nowotny, langjähriger Kapitän von Bayer Leverkusen, hatte sich in seiner Laufbahn vier Kreuzbandrisse, zweimal im linken beziehungsweise rechten Knie, zugezogen. Erst kürzlich hatte der ehemalige Karlsruher nach seiner neuerlichen Knieblessur seinen bis 2009 laufenden Vertrag bei Dinamo Zagreb aufgelöst und noch eine stattliche Abfindung ausgehandelt.

"Ich habe immer gesagt, wenn Schluss ist, ist Schluss. Ohne Wenn und Aber. Das gehört zur Karriere dazu. So, wie ich gekommen bin, höre ich jetzt eben auf", meinte "Jenne". Erst am Dienstag vergangener Woche hatte im 27-jährigen Deisler (Bayern München) ein anderes deutsches Fußball-Ass sein sofortiges Karriereende verkündet.

"Jugendroman im Fantasybereich"

Nun will sich Nowotny anderen Interessen widmen. "Der Fußball hat als Hauptrolle ausgedient. Ich habe bereits Gespräche über meine berufliche Zukunft geführt, weit weg vom Fußball", erklärte der Abwehrspieler und gab seine Vision preis: "Mein Traum ist es, einen Jugendroman zu schreiben, irgendetwas im Fantasybereich."

Nowotny hatte am Montagmorgen Bundestrainer Joachim Löw telefonisch von seinem Entschluss unterrichtet. "Es tut mir leid für ihn. Er hatte in den letzten Jahren viele Verletzungen, da musste man fast damit rechnen. Die Gesundheit ist eben wichtiger", meinte Löw auf sid-Anfrage. Er sei sich aber sicher, "dass Jens soviel Erfahrung gesammelt hat und soviel Stärke besitzt, dass er nun auch nach seiner Karriere etwas bewegen kann".

Nowotny bestritt 48 Länderspiele (1 Tor) und 334 Bundesliga-Begegnungen (11 Treffer). Letztmals für Deutschland spielte er im August vergangenen Jahres gegen Schweden (3:0). Als "absoluten Höhepunkt" bezeichnet er die WM-Teilnahme 2006 im eigenen Land, als er im Spiel um Platz drei gegen Portugal zum Einsatz kam. Die Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan hatte Nowotny auf Grund seines im Champions-League-Halbfinale gegen Manchester United erlittenen Kreuzbandrisses verpasst.

Abtritt ohne "echten" Titel

Er tritt allerdings titellos ab. "Zwei Titel habe ich ja: Die meisten Platzverweise in der Bundesliga und wohl auch die meisten Kreuzbandrisse", flachste er im Gespräch mit dem kicker, "es war immer knapp, wir hatten es mehrfach verdient, speziell mit Leverkusen. Das war schon enttäuschend." Noch zum Jahreswechsel hatte Nowotny seiner Hoffnung auf eine eventuelle EM-Teilnahme 2008 unter Bundestrainer Joachim Löw Ausdruck gegeben. Die erneute Knieverletzung setzte dann allen Ambitionen ein Ende.

Eng verknüpft mit Nowotny ist sein Image als Raffke. "Das interessiert mich nicht. Von denen, die sowas sagen, habe ich nie etwas gewollt", äußerte er. Bei Bayer gehörte der Defensivspezialist über Jahre zu den Spitzenverdienern, klagte gegen Bayer aber trotzdem auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und wegen der Versteuerung der 10,2 Mill. Euro Handgeld für die Vertragsverlängerung im Jahr 2002.

© SID

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