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02.03.2006

13:19 Uhr

Fußball Nationalmannschaft

Weltpresse fällt vernichtendes Urteil über DFB-Elf

Die Schreiberzunft ist sich in der Bewertung der DFB-Elf über alle Landesgrenzen hinweg einig. "Das sieht böse aus für Klinsmann", schrieb etwa die spanische Zeitung Marca nach der deutschen 1:4-Klatsche in Italien.

Eine großen Kübel Spott hat die internationale Presse über der deutschen Nationalmannschaft nach deren 1:4-Klatsche in Italien ausgegossen. "Eine phantastische Leistung der Azzurri, die die deutsche Nationalelf versenken. Deutschland spielt zu schlecht, um wahr zu sein", schrieb die italienische Zeitung Tuttosport und fügte hinzu: "Italien super, Deutschland kaputt. Italien darf träumen. Del Piero und Toni zerschlagen Deutschland."

Ähnlich scharf beschrieb auch La Repubblica die Lage des deutschen Fußballs: "Klinsmanns Team hat keine Abwehr. Es war bekannt, dass es im Fußball nicht gut um Deutschland steht. Aber dass es derart schlecht ist, wusste man nicht", befand das Blatt und sieht nun auch den Bundestrainer in Gefahr: "Es scheint nicht mehr sicher zu sein, dass Klinsmann bei der WM auf der Bank sitzt." Als "peinliche Deutsche" bezeichnete die Mailänder Tageszeitung Giornale das Nationalteam.

Auch in England, Spanien, Brasilien, Argentinien und im Land des WM-Vorrunden-Gegners Polen beschrieben die Zeitungen den Auftritt der deutschen Mannschaft als blamabel und stellten die Zukunft von Klinsmann in Frage. "Italien macht den WM-Gastgeber lächerlich. Die Pleite hätte noch höher ausfallen können. Das sieht böse aus für Klinsmann", meinte das spanische Blatt Marca. Die Gazeta Esportiva aus der brasilianischen Metropole Sao Paulo befand: "Italien erniedrigt Deutschland. Das Ergebnis in Florenz ist verhängnisvoll für die Germanen-Auswahl, die zusehen muss, wie mit jedem Tag das Vertrauen in Trainer Jürgen Klinsmann schwindet."

Die englische Times analysierte die Lage der Deutschen mit schönen Bildern: "Ausgelassene Italiener zerstören Klinsmanns Träume. Deutschland kam in die Renaissance-Stadt, um eine Wiedergeburt zu erleben, aber es endete in einer schmerzhaften Lehrstunde durch einen Fußball-Altmeister. Deutschlands Abwehrverhalten war statischer als viele der Büsten in dieser schönen Stadt." Die Folgerung des Blattes: "Deutschland kann von vorne anfangen. Italien hat sich für die WM empfohlen."

Zudem wird in der internationalen Presse immer wieder ein Bezug zu den nur noch wenigen deutschen Legionären in den europäischen Top-Ligen hergestellt. Während die Gazzetta dello Sport noch vorsichtig formulierte, "alle wollen Ballack, aber man sieht ihn nicht", wurde die spanische Onda Cero deutlicher: "Kein Wunder, dass sich die europäischen Topteams kaum für deutsche Spieler interessieren. Das war drittklassig."

Hoch eingeschätzt wird nach dem deutlichen Erfolg nun die italiensche Mannschaft von Nationaltrainer Marcello Lippi, der der "Squadra Azzurra" seit seiner Übernahme im Sommer 2004 eine offensive Spielkultur verliehen hat. "Italien schießt Deutschland ohne Mitleid mit 4:1 ab und siegt im Vorbeigehen. Das italienische Team war über 90 Minuten überlegen", lobte O Globo aus Rio de Janeiro.

Zuweilen wurde die Situation der deutschen Nationalmannschaft 100 Tage vor der WM im eigenen Land sogar mit Mitleid verfolgt. "Oje, oje. Die Deutschen können einem schon fast leid tun. Warum verbreitet Klinsmann immer noch so viele heiße Luft?", fragte die spanische Zeitung Cadena Ser. Und La Nacion aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires beschrieb sachlich: "Italien bringt Trainer Jürgen Klinsmann in größte Bedrängnis. Deutschland zeigt drei Monate vor der WM große Unsicherheiten und sieht sich immer mehr Problemen gegenüber."

Auch in Polen reagierten die Zeitungen mit spöttischen Schlagzeilen. "Eine Comedy der Fehler", schrieb die Gazeta Wyborcza Rzeczpospolita. "Die italienische Katze hat die deutsche Maus aufgefressen", hieß es in der Warschauer Lokalzeitung Zycie Warszawy. Deutschland tritt im zweiten WM-Vorrundenspiel der Gruppe A am 14. Juni in Dortmund auf Polen, das am Mittwoch in Kaiserlautern den USA 0:1 unterlag.

Überraschend gelassen reagierte man dagegen in den Niederlanden auf die deftige Schlappe des langjährigen Erzrivalen. "Deutschland erlebt beim 1:4 in Italien eine Blamage", vermeldete die Nachrichtenagentur ANP und ließ es damit bewenden, von einer "schweren Niederlage" zu sprechen.

© SID

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