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19.01.2007

16:08 Uhr

Fußball

Schalke inszeniert Gazprom-Deal

Es muss schon Außergewöhnliches passieren, wenn 61 428 Zuschauer zu einem Fußball-Testspiel kommen. Selbst beim zu Extremen neigenden Bundesligisten Schalke 04 ist ein ausverkauftes Stadion gegen das international kaum beachtete Zenit St. Petersburg bemerkenswert.

Neue Kleider dpa

S04-Manager Andreas Müller präsentiert im Oktober das neue Schalke-Trikot.

dpa GELSENKIRCHEN. Ganz Gelsenkirchen steht Kopf, wenn Schalke im Spiel gegen die Russen den seit Oktober feststehenden Einstieg des neuen Hauptsponsors Gazprom inszenieren wird. „Wir sind froh und stolz, so ein großes Unternehmen für uns gewonnen zu haben“, sagte Schalkes Finanzvorstand Josef Schnusenberg angesichts des Deals mit dem weltweit größten Energiekonzern.

Seit dem 1. Januar besteht der Vertrag, der den von langfristigen Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe geplagten „Knappen“ zunächst bis 30. Juni 2012 mindestens 65 Mill. Euro einbringt. Zum Teil ist sogar von bis zu 125 Mill. Euro die Rede. Die gäbe es nur, wenn Schalke in den nächsten fünfeinhalb Jahren „alles gewinnt, was es zu gewinnen gibt“ (Clubchef Gerd Rehberg). Doch auch der Minimalbetrag positioniert den Bundesliga-Zweiten wirtschaftlich an der nationalen Spitze. „Mit dieser Partnerschaft stoßen wir in neue Dimensionen vor“, sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Nur Bayern München liegt bei Sponsoren-Einnahmen noch vor „Königsblau“.

Doch auch der russische Konzern will nachhaltig profitieren. „Die Wertigkeit von Schalke ist nicht abhängig von Platz eins oder zwei“, sagte Claus Bergschneider, Geschäftsführer der „Gazprom-Germania Gmbh“. Bergschneider versucht derzeit vieles, um mögliche Vorbehalte unter Schalkes Anhänger gegen den auch in der Öffentlichkeit zum Teil scharf kritisierten Vertrag auszuräumen. „Der Club und seine Fans sind unvergleichlich“, schwärmte er. Die ausverkaufte Arena bei einem Spiel, an dem der Sponsor zu 75 Prozent beteiligt ist, sieht er als willkommene Gelegenheit, diesen Worten Nachdruck zu verleihen: „Das ist ein schöner Rahmen, um uns den Fans vorzustellen“.

In einer pompösen Zeremonie wird den Fans in der Nordkurve ein überdimensionales Trikot mit dem Gazprom-Schriftzug überreicht. Dazu verlost das Unternehmen Original-Trikots, Pullover und verschenkt Fanschals. Zudem bemühen sich Club und Unternehmen, kritische Stimmen auch außerhalb der Anhängerschaft zu beruhigen. Ein Einmischen in den sportlichen Bereich nach Chelsea-Vorbild werde es durch die Russen nicht geben. „Schalke ist ein eingetragener Verein. Da muss mir mal einer erklären, wie wir den übernehmen sollen“, sagte Bergschneider. Gleichwohl gab der Schalker Geschäftsführer Peter Peters zu, zunächst selbst Bedenken gehabt zu haben. Die habe er wegen des „angenehmen Klimas“ während der Verhandlungen aber schnell über Bord geworfen.

Mirko Slomka will die Partie gegen den Vierten der russischen Liga als Generalprobe für den Rückrunden-Auftakt in einer Woche gegen Eintracht Frankfurt nutzen. „Wir werden dieses Spiel sehr ernst nehmen“, betonte der Coach. Denn das Selbstbewusstsein soll weiter gestärkt werden. „Sicherlich ist Werder Bremen der Top-Favorit auf den Titel. Bayern muss man immer auf der Rechnung haben. Aber wenn wir die Leistung vom Ende der Vorrunde bringen und noch konstanter werden, sind wir ganz vorne dabei“, glaubt Manager Andreas Müller.

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