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30.04.2013

11:40 Uhr

Fußball-Skandal

Fifa-Ehrenpräsident Havelange gibt auf

Fifa-Ehrenpräsident João Havelange hat die Konsequenzen aus den Ermittlungen wegen Bestechlichkeit gegen sich gezogen. Bereits vor einer Woche trat der Brasilianer zurück. Damit ist die Sache für die Fifa schon erledigt.

FIFA-Ehrenpräsident Joao Havelange: Rücktritt, um Strafe zuvorzukommen. dpa

FIFA-Ehrenpräsident Joao Havelange: Rücktritt, um Strafe zuvorzukommen.

ZürichJoão Havelange ist als Ehrenpräsident der FIFA zurückgetreten. Der Brasilianer hatte den Fußball-Weltverband von 1974 bis 1998 geführt. Anschließend wurde Havelange zum Ehrenpräsidenten ernannt. Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Abschlussbericht der FIFA-Ethikkommission zur Bestechungsaffäre um die mittlerweile bankrotte Vermarktungsagentur ISL hervorgeht, gab Havelange den Titel zum 18. April ab. Der 96-Jährige kam damit einer drohenden Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft zuvor, über die die FIFA beim Kongress am 30./31. Mai auf Mauritius entscheiden sollte.

Sein Nachfolger Joseph Blatter hatte sich für eine Aberkennung des Titels ausgesprochen. Der aktuell höchste Fußball-Funktionär der Welt selbst wurde in dem Untersuchungsbericht freigesprochen. „Gemäß Einstellungsverfügung haben sich keine Hinweise ergeben, dass Präsident Blatter Provisionszahlungen von ISL, ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Weber oder von anderen erhalten hat“, hieß es. Kritisch hinterfragt werden müsse jedoch, ob Blatter in den Jahren vor dem Konkurs der ISL wusste oder hätte wissen müssen, dass die ISL an andere FIFA-Offizielle Zahlungen (Schmiergeld) getätigt hat. Abschließend hieß es: „Der Fall ISL ist für die Ethikkommission abgeschlossen.“

Der frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner hatte darüber hinaus noch vor wenigen Tagen angegeben, für die Unterstützung von Joseph Blatter bei der Wahl zum Weltverbandschef im Juni 1998 in Paris einen Millionenbetrag erhalten zu haben. Nach einem Deal mit dem damaligen FIFA-Boss Joao Havelange habe er sämtliche Stimmen des Kontinentalverbandes von Nord- und Mittelamerika (CONCACAF) für die Wahl Blatters zugesichert und dafür sechs Millionen Dollar von der FIFA erhalten. Dieses Geld sei als Geschenk zur Finanzierung eines Trainingszentrums in Trinidad und Tobago gedacht gewesen, erklärte Warner am Freitag.

Ohne die 30 CONCACAF-Stimmen würde Blatter „nie das Tageslicht als FIFA-Präsident gesehen haben“, erklärte der Ex-Funktionär weiter. Der Schweizer hatte sich bei der Wahl mit 111:80 Stimmen gegen den schwedischen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson durchgesetzt. Schon kurz nach der Wahl waren Bestechungsvorwürfe laut geworden.

Fifa: Acht Präsidenten in 111 Jahren

1904 -1906: Robert Guérin, Frankreich

Der Franzose war eine der treibenden Kräfte bei der Gründung der FIFA im Jahre 1904. Als eines von sieben Gründungsmitgliedern unterzeichnete er den ersten Vertrag und die Satzung der FIFA. Vor seiner zweijährigen Amtszeit war Guérin Journalist und Geschäftsführer eines französischen Sportverbandes. Während seiner Amtszeit taten die ersten acht Nationen der FIFA bei.

1906-1918: Daniel Burley Woolfall, England

Während seiner 12-jährigen Amtszeit leistete der Engländer Woolfall große und wichtige Schritte für den Aufstieg des Fussballverbandes. Unter ihm wurden international einheitliche Spielregeln eingeführt und das erste nennenswerte Turnier während der Olympischen Spiele 1908 durchgeführt. Südafrika, USA, Chile und Argentinien wurden die ersten nichteuropäischen Mitglieder des Verbandes.

1921-1954: Jules Rimet, Frankreich

Der Franzose stand über 30 Jahre lang an der Spitze der FIFA und beendete seine Amtszeit im Alter von 80 Jahren als Ehrenpräsident. Während seiner Amtszeit rief die FIFA ein Turnier ins Leben, dass sich zu einem weltweiten Ereignis entwickelte. Auch die Einführung des Weltpokals 1930 geht auf seine Initiative zurück. Als er 1954 den Posten abgab zählte die FIFA bereits 85 Mitglieder.

1954-1955: Rodolphe William Seeldrayers, Belgien

Vor seiner Amtszeit stand Seeldrayer bereits über 25 Jahre lang als Vize-Präsident der FIFA an der Seite von Vorgänger Rimet. Während seiner Amtszeit feierte die FIFA ihr 50-jähriges Bestehen. Seeldrayer starb bereits 1955 und stand somit nur ein Jahr an des Spitze des Fussballverbandes.

1955-1961: Arthur Drewry, England

Der Engländer Arthur Drewry übernahm nach Seeldrayers Tod das Amts des FIFA-Präsidenten. Drewry war außerdem Ligavorsitzender in England und Präsident des englischen Fussballverbandes. Während seiner Amtszeit bemühte er sich, Rimets Pläne zur Wiedereingliederung der britischen Verbände nach dem Ende des zweiten Weltkrieges fortzuführen.

1961-1974: Stanley Rous, England

Schon vor seiner Amtszeit als FIFA-Präsident war Rous im internationalen Fussball aktiv als Schiedsrichter und Geschäftsführer des englischen Fussballverbandes. Während seiner Regentschaft entwickelte sich der FIFA-Weltpokal zu einem internationalen Großereignis. Am Ende seiner 13-jährigen Amtszeit wurde auch Rous zum Ehrenpräsidenten der FIFA ernannt.

1974-1998: João Havelange, Brasilien

Der Brasilianer stand insgesamt 24 Jahre lang an der Spitze der FIFA. Während seiner Amtszeit gab es starke Umbrüche innerhalb des Fussballverbandes, die Zahl der am Worldcup teilnehmenden Mannschaften wurde auf 21 erhöht und Teams aus Asien und Afrika stärker beteiligt. Havelange war der Wegbereiter vieler Entwicklungsprojekte, die den Fussball zu einer universellen Sportart machen sollten. Auch Havelange ist Ehrenpräsident der FIFA.

Seit 1998: Joseph Blatter

Joseph Blatter ist der achte Präsident der Fifa und steht seit 1998 an der Spitze des Fußballverbandes. Seine Wiederwahl im Jahr 2015 ist extrem umstritten.

Warner war in der Vorwoche nach Betrugsvorwürfen gegen ihn als Minister für Nationale Sicherheit in Trinidad und Tobago zurückgetreten. Im Juni 2011 hatte er sich von allen Ämtern im internationalen Fußball zurückgezogen, zuvor war er wegen des Verdachts der Korruption von der Ethikkommission des Weltverbandes suspendiert worden.

Kommentare (1)

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Charbonnier

30.04.2013, 12:40 Uhr

Mit diesen Verbrechern sollten die Gerichte keinen deal machen, sondern sie sollten ihnen den Prozess machen!
Der deal unterstützt nur die Faulheit der Staatsanwälte.

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