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16.01.2007

19:05 Uhr

Fußball Spanien

Real-Boss Calderon zieht gegen Spieler vom Leder

Der Präsident von Real Madrid, Ramon Calderon, hat in einer Rede vor Studenten die Spieler des spanischen Rekordmeisters scharf kritisiert. "Eitelkeit und Egoismus herrschen vor", nahm Calderon kein Blatt vor den Mund.

Vereinspräsident Ramon Calderon hat seinem Unmut Luft gemacht und in einer Brandrede vor Studenten der Villanueva Universität am Dienstag Spieler und Fans von Real Madrid scharf kritisiert. Da die Rede ohne sein Wissen mitgeschnitten und über das nationale Radio ausgestrahlt wurde, könnten die verbalen Entgleisungen fatale Folgen haben für Calderon, der erst seit Juli 2006 im Amt ist.

Zunächst knöpfte sich Calderon in seinen Ausführungen den englischen Mittelfeldstar David Beckham vor, der nach seiner Ausmusterung durch Coach Fabio Capello bei Los Angeles Galaxy aus der US-Profiliga MLS einen mit umgerechnet 190 Mill. Euro dotierten Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieb. "Er geht nach Hollywood, um ein halber Filmstar zu sein. Wir lagen richtig, seinen Vertrag nicht zu verlängern, weil auch kein anderer Klub außer Los Angeles ihn haben wollte", sagte Calderon.

"Real-Spieler haben generell weder Erziehung noch Kultur"

Dann bekam der Rest der Mannschaft ihr Fett weg. "Eitelkeit und Egoismus herrschen vor. Die Spieler denken, dass sie Superstars sind. Die Spieler von Real Madrid müssen nie für irgendetwas bezahlen. Ihr (die Studenten/Anmerk. d. Red.) habt Erziehung und Kultur, und das ist etwas, was sie generell nicht haben", erklärte der Präsident.

Seine Chance auf eine Bestätigung im Amt hat Calderon damit deutlich geschmälert, vor allem mit den Aussagen zu den Real-Fans: "Es ist ein Stadion, in das die Menschen wie zu einem Theaterbesuch gehen. Die Menschen unterstützen das Team nicht, zumindest nicht so wie in Italien oder England."

Strafe gegen Capello wegen obszöner Gesten

Der Klub Real Madrid versuchte am späten Nachmittag mit einem Statement auf der Internetseite etwas die Schärfe aus den Aussagen zu nehmen: "Der Präsident wollte lediglich den Studenten erklären, wie wichtig Management bei einem großen Klub wie Real Madrid ist." Der Klub verkündete zudem, Trainer Capello für seine obszönen Gesten (Stinkefinger) in Richtung der eigenen Fans beim Liga-Spiel gegen Real Saragossa am vergangenen Sonntag (1:0) mit einer Strafe belegt zu haben.

Ramon Calderon wurde in einer engen Entscheidung Real-Präsident. Aus Angst vor Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung wurden die Stimmen der Briefwähler nicht berücksichtigt. Daher muss ein Richter bis Ende Januar entscheiden, ob diese Stimmen nachträglich zugelassen werden müssen. Wenn ja, könnte Calderon von einem seiner Mitbewerber noch abgelöst werden.

© SID

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