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11.01.2007

11:05 Uhr

Fußball Spanien

Real mustert Ronaldo und Beckham vorläufig aus

Im Rahmen des Vertrags-Trubels um Ronaldo und David Beckham ist es ein Wink mit dem Zaunpfahl. Jedenfalls stehen die Topstars nicht im Kader von Real Madrid für das spanische Pokal-Achtelfinale bei Betis Sevilla.

Beim spanischen Rekordmeister Real Madrid hat das "weiße Ballett" endgültig ausgetanzt: Trainer Fabio Capello strich die beiden Fußball-Ästheten David Beckham und Ronaldo für das Pokal-Achtelfinale gegen Betis Sevilla am Donnerstag aus dem Kader. Beckham reagierte umgehend auf diese Ausbootung und gab am selben Tag einen Wechsel in die amerikanische Major League Soccer (MLS) zum zweimaligen Meister Los Angeles Galaxy bekannt, wo der 31-Jährige einen Fünf-Jahres-Vertrag erhält. Aber auch die Tage von Ronaldo, der möglicherweise in Saudi-Arabien anheuert, scheinen gezählt.

Capello vermisst Siegeswillen

"Wir haben zuletzt unseren Siegeswillen verloren", sagte Capello, der auch Antonio Cassano und Michel Salgado vorerst abservierte. Dagegen vermuten spanische Medien, dass der Italiener nur "Bauernopfer" präsentiere. "Capello gibt der Mannschaft die Schuld", schrieb die Zeitung Marca.

Die Kluft zwischen Stars und Trainer wird immer größer. "Ich bin es leid, dass man nicht mehr mit mir plant", klagte der frühere Weltfußballer Ronaldo, dem nach Medienberichten in Spanien und Saudi-Arabien bereits ein lukratives Angebot von Al-Ittihad in Dschidda vorliegen soll. Sollten die Saudis tatsächlich die im Raum stehende Ablösesumme von 20 Mill. Euro für den 29 Jahre alten Brasilianer zahlen, scheint ein Abschied vor Vertragsende 2008 wahrscheinlich.

Auch bei Beckham dürften die Zeichen auf Abschied stehen. Zwar hatte Madrids Sportdirektor Predrag Mijatovic am Mittwoch Meldungen dementiert, wonach der ehemalige Kapitän der englischen Nationalmannschaft Real definitiv im Sommer verlassen werde. Doch dass der auslaufende Vertrag mit dem 31-Jährigen, der zuletzt kaum noch der ersten Elf angehörte, verlängert wird, scheint fast ausgeschlossen.

In Spanien wird "Becks" bereits mit Inter Mailand in Verbindung gebracht. Der Mittelfeldspieler könnte beim italienischen Meister die Nachfolge von Luis Figo antreten, der im Sommer zu Al-Ittihad wechselt. Englische Medien wiederum spekulieren, Beckham könnte sein Karriere in den USA ausklingen lassen. So soll sich seine Frau Victoria bereits Häuser in Kalifornien angeschaut haben.

Capello zum Siegen verdammt

Ob mit oder ohne Ronaldo und Beckham ist der vor der Saison von Juventus Turin als Heilsbringer gekommene Capello mehr denn je zum Siegen verdammt. In den Medien wird bereits über mögliche Nachfolger spekuliert, am häufigsten fallen die Namen Vicente del Bosque, der den Klub zwischen 2000 und 2003 zu sieben Titeln geführt hatte, sowie von Chelsea-Trainer Jose Mourinho. Capello aber will um seine Zukunft kämpfen: "Ich werde jetzt noch mehr Herz in die Arbeit legen." An einen Rücktritt habe er noch nicht gedacht, "nicht mal für den Bruchteil einer Sekunde."

Auch wenn Capello glaubt, dass "die Mehrheit der Spieler" nach wie vor hinter ihm als Trainer stehe, scheint der Rausschmiss von Beckham und Co. nicht bei allen Profis gut anzukommen. "Wir sind eine Mannschaft. Mich ärgert es, dass eine schwarze Liste existiert", sagte Linksverteidiger Roberto Carlos. In der Tageszeitung El Pais wird ein Spieler anonym zitiert: "Der Klub ist ein einziges Chaos."

© SID

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