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02.06.2011

09:53 Uhr

Fußball-Sponsoren

In Österreichs Liga regiert das Mäzenatentum

VonStefan Menzel

Niedrige TV-Einnahmen, zu große Arenen - die österreichischen Vereine sind finanziell stark von Sponsoren abhängig, und werden so zu laufenden Litfasssäulen. Ein Sieg gegen Deutschland würde helfen.

Red Bull Salzburg ist Österreichs Vorzeigebeispiel in Sachen Mäzenatentum. Quelle: Reuters

Red Bull Salzburg ist Österreichs Vorzeigebeispiel in Sachen Mäzenatentum.

Bis zur 49. Minute hält Österreich im Prestigeduell gegen Deutschland gut mit. Es steht 0:0, als sich der deutsche Kapitän Michael Ballack im Wiener Ernst-Happel-Stadion den Ball für einen Freistoß zurechtlegt - und ihn unhaltbar im Tor versenkt. Es bleibt beim 0:1, für die Österreicher ist die Fußball-EM 2008 im eigenen Land schon nach der Vorrunde beendet.

Am Freitag treffen die beiden Nationalteams erneut in Wien aufeinander. Diesmal geht es um die Qualifikation für die Europameisterschaft, die nächstes Jahr in Polen und der Ukraine ausgetragen wird. Österreich braucht wieder unbedingt einen Sieg: "Das ist unsere letzte Chance, um die Qualifikation noch zu schaffen", sagt Teamchef Dietmar Constantini. Schon ein Blick auf die Fifa-Weltrangliste zeigt, dass seine Mannschaft bestenfalls Außenseiterchancen hat: Österreich belegt Platz 74, die Deutschen sind Vierte.

Die Liga hat Finanzprobleme

Als Aushängeschild des österreichischen Fußballs hat die Nationalmannschaft ausgedient. Auch an der Basis läuft nicht viel rund. Die Liga der Alpenrepublik leidet an chronischen Finanzproblemen. "Die Größe des Markts ist das entscheidende limitierende Element", sagt Stefan Ludwig, Fußballexperte der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Deloitte in Düsseldorf.

Das zeigt sich vor allem bei den TV-Einnahmen. Der Abstand zu den großen europäischen Konkurrenten wächst: Die zehn Erstligavereine kommen in der Alpenrepublik pro Saison zusammen auf gerade 16 Millionen Euro. Die englische Premier League dagegen nimmt mit Fernsehrechten eine Milliarde Euro ein, die deutsche Bundesliga 500 Millionen Euro.

Vom Schwung der EM im eigenen Land ist nichts mehr zu spüren. Mancherorts sorgen die schmucken, aber zu großen EM-Arenen gar für Probleme: "Die Klubs können sie im normalen Ligabetrieb nicht auslasten", sagt Ludwig. Die Wiener Vereine Rapid und Austria spielen in kleineren Stadien. Nur in Innsbruck wurde die Kapazität von 30000 auf angemessene 16000 Plätze verringert. Am EM-Standort Klagenfurt ist die Lage besonders düster: SK Austria Kärnten, der frühere Erstligist der Stadt, kickt nach Lizenzentzug im Amateurbereich.

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