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06.04.2006

16:01 Uhr

Fußball

Torwart-Entscheidung rückt näher

Die Entscheidung zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann als WM-Torwart Nummer 1 könnte doch schneller als erwartet fallen. Jürgen Klinsmann kündigte für den 7. April Gespräche zu dem brisanten Nationalmannschaftsthema an.

Weltklasse dpa

Zwischen den Ausnahme-Torhütern Kahn (l) und Lehmann fällt die Entscheidung.

dpa RUST/HAMBURG. Die Entscheidung zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann als WM-Torwart Nummer 1 könnte doch schneller als erwartet fallen. Jürgen Klinsmann kündigte für den 7. April Gespräche zu dem brisanten Nationalmannschaftsthema an.

"Ich werde mich morgen mit meinem Trainerstab zusammensetzen und die Frage diskutieren", sagte der Bundestrainer bei einem Werbetermin in Rust bei Freiburg. Den bislang genannten Mai-Termin als Entscheidungsdatum erwähnte Klinsmann, der in den vergangenen Tagen wachsendem Druck von Seiten des FC Bayern München ausgesetzt war, nicht mehr. Stattdessen bemühte er eine Standardaussage von Franz Beckenbauer: "Schaun mer mal."

Konkreter wurde Berti Vogts. Der Ex-Bundestrainer sprach von bevorstehenden "entscheidenden Gesprächen". Nach dem PR-Termin in einem Freizeitpark reiste Klinsmann nach München weiter, von wo aus in den vergangenen Tagen die Kampagne für Bayern-Torwart Oliver Kahn betrieben worden war. Ob es auch Gespräche mit der Chefetage des deutschen Fußball-Rekordmeisters geben wird, blieb vorerst offen. Besonders Uli Hoeneß hatte heftige Kritik am Vorgehen von Klinsmann geübt, der erst in einem Monat seine Rangfolge festlegen wollte.

Der angespannt wirkende Klinsmann betonte nochmals, dass "ich noch keine Entscheidung getroffen habe. Ich beteilige mich nicht an Spekulationen". Zugleich sprach er von einer "menschlich schweren und harten Entscheidung". Doch: "Letztlich habe ich die Verantwortung für die Mannschaft". Auch Klinsmann-Assistent Joachim Löw deutete eine schnellere Entscheidung an: "Das ist im Moment eine schwierige Situation, die intensiv besprochen wird und bald auch gelöst werden kann."

Die deftigen Worte aus München sind bei der Leitung der Nationalmannschaft auf Unverständnis gestoßen. "Man kann nicht von Psychoterror sprechen", sagte Teammanager Oliver Bierhoff in seiner Funktion als TV-Experte. Sicherlich verspüre Kahn momentan Druck. Bierhoff: "Aber Oliver hat immer gesagt, dass er Druck mag."

Für Lehmann sind die Attacken aus der Münchner Chefetage nur Alibi für die Fehler seines Rivalen Kahn. Daher habe er sogar Verständnis für die Kritik von Hoeneß & Co. "Die vertreten ja Vereinsinteressen und die wollen natürlich, dass alle Spieler gut spielen. Wenn das nicht so ist, dann sucht man Ausreden und Gründe", sagte Lehmann. Hoeneß hatte die Hängepartie in der "T-Frage" als "Psychoterror" für Kahn bezeichnet, da dieser seinen Stammplatz verlieren könne. Auch Beckenbauer sowie Bayern-AG-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Felix Magath hatten die Pro-Kahn-Kampagne des Rekordmeisters vorangetrieben.

Während sich Kahn von seiner Rippen-Blessur erholt hat und einen Einsatz im Bundesliga-Spitzenspiel bei Werder Bremen anstrebt, sieht sich Lehmann mittlerweile in der besten Ausgangsposition im Kampf um die Nummer 1. "Ich bin optimistisch und guter Dinge und wäre überrascht nach den letzten zwei Jahren, wenn ich nicht spielen würde. Das sage ich ganz ehrlich", betonte Lehmann nach dem Einzug ins Halbfinale der Champions League mit dem FC Arsenal durch das 0:0 bei Juventus Turin.

Tribünengast Klinsmann hatte das Stadio delle Alpi kommentarlos verlassen. "Irgendwann wird die Entscheidung kommen, ich bin guter Dinge, weil ausschlaggebend ist die sportliche Leitung auf dem Platz", sagte Lehmann. Entgegen früherer Äußerungen hat er sich aber wohl noch nicht für einen Rücktritt entschieden, sollte er gegen Kahn den Kürzeren ziehen: "Das kann ich nicht sagen."

Magath hat Kahn geraten, sich zur Not bei der WM auch auf die Bank zu setzen. "Ich würde ihm empfehlen, selbst wenn die Entscheidung gegen ihn fällt, was ich nicht glauben kann, dass er die WM in Deutschland mitmacht", sagte der Bayern-Coach. Und: "Wir wären dankbar, wenn Klinsmann das Thema aus der Welt schaffen würde." Bierhoff hofft in dem Zusammenhang, dass beide Keeper Sportsgeist zeigen und Klinsmanns Entscheidung hinnehmen.

In der aus München angezettelten Debatte um den angeblich vor allem auf Kahn lastenden Druck verteidigte sich Lehmann. "Der Druck bei Arsenal ist unvergleichlich. Ich war mal Durchschnitt, habe keine großen Fehler gemacht und war dann weg", erinnerte er an seine eigenen schlechte Phase in der Vorsaison, als ihm mehrmals der Spanier Manuel Almunia vorgezogen wurde.

Laut Bierhoff sind die derzeit auseinander gehenden Formkurven von Kahn und Lehmann nicht ausschlaggebend. "Es wäre auch schlecht, wenn die Entscheidung nach einem Spiel fallen würde. Sie fällt nach den Eindrücken der letzten zwei Jahre." Lehmann hatte in Turin einen weiteren souveränen Auftritt gezeigt und mit dem achten Zu-Null-Spiel in Serie gemeinsam mit dem drei Mal in der Gruppenphase eingesetzten Vertreter Almunia einen Champions-League-Rekord aufgestellt. "Jens hat eine gute Partie gemacht, aber es waren keine Situationen dabei, um zu sagen: Das war der entscheidende Punkt", urteilte Bierhoff.

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