Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2017

17:33 Uhr

Fußball-Transfers im Winter

England siegt, China trifft, Bundesliga jagt

VonThomas Schmitt

China setzt Ausrufezeichen, liegt aber in der Wintertransferbilanz hinter England. Die Bundesliga erreicht Platz 4, obwohl die Vereine 100 Millionen Euro ausgegeben haben – so viel wie nie zuvor im Winter. Eine Bilanz.

Der 17-Jährige Winterzugang von Borussia Dortmund ist mit einer Ablöse von 8,6 Millionen Euro der teuerste U18-Transfer der Bundesliga-Geschichte. dpa

Alexander Isak

Der 17-Jährige Winterzugang von Borussia Dortmund ist mit einer Ablöse von 8,6 Millionen Euro der teuerste U18-Transfer der Bundesliga-Geschichte.

DüsseldorfDie Manager im Fußball sind weder in einem „Kaufrausch“ noch „verrückt“. Die Summen der offiziellen Wechselperiode für Fußballspieler in diesem Winter knüpft vielmehr an den Trend an, der seit gut einem Jahr zu beobachten ist: Die Ablösesummen für Kicker steigen, von Transferfenster zu Transferfenster. Hauptgrund dafür sind die TV-Verträge in England und die Fußballoffensive aus China.

Von den milliardenschweren Fernsehverträgen der englischen Premier League profitieren alle großen Ligen in Europa, wie die Marktbeobachter von Fifa/TMS in ihrem Jahresbericht 2017 darstellen. Die dort dargestellten Zahlen sind zwar in Dollar angeben, doch sie zeigen den Trend: Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien haben – in dieser Reihenfolge – die besten Deals mit englischen Klubs gemacht.

Für das Jahr 2016 geht es dabei für die vier Ligen um Beträge zwischen 210 und 240 Millionen Dollar. In diese Statistik ist das aktuelle Transferfenster im Januar noch nicht einbezogen. An der Reihenfolge der Ligen könnte sich dadurch etwas ändern, nicht jedoch an dem Trend. Die Premier League zieht vor allem die Topspieler Europas an, weil dort mit Abstand die besten Gehälter gezahlt werden.

Interessant an dieser Winterperiode ist: Nach den Daten von Transfermarkt.de liegt die Premier League unter dem Strich leicht im Plus. Ausgaben von rund 260 Millionen Euro stehen Einnahmen von rund 270 Millionen Euro über. Das ist ungewöhnlich, kommt aber im Winter schon mal vor, weil die Superdeals fehlen und Kader bereinigt werden.

Bundesliga Report 2016: Die Saison 2014/15

Was die Bundesliga auszeichnet

Das Wachstum geht weiter: In der Saison 2015/16 stieg der Umsatz erstmals über drei Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 23,7 Prozent.

2. Bundesliga

In Liga 2 setzten die Vereine erstmals mehr als 600 Millionen Euro um.

Lizenzfußball

Die 36 Profivereine in Deutschland verzeichneten einen Umsatz von 3,85 Milliarden Euro (plus 23,2 Prozent).

Wirtschaftliche Bedeutung

Die positive wirtschaftliche Entwicklung machte sich auch bei den Steuern und Abgaben bemerkbar. Diese betrugen erstmals mehr als eine Milliarde Euro. Insgesamt zahlten die Clubs 1,13 Milliarden Euro an das Finanzamt sowie die Sozial- und Unfallversicherungen. Von 50.237 auf 53.114 stieg erneut auch die Zahl der Arbeitsplätze in direkter Anstellung oder durch Beauftragung der 36 Proficlubs und deren Tochtergesellschaften.

In Zahlen

Für die 18 Clubs der Bundesliga ergab sich im Vergleich zum Vorjahr ein vier Mal so hoher Gewinn von 206,2 Millionen Euro (Ergebnis nach Steuern) – eine Summe, die so hoch ist wie alle Überschüsse der Bundesliga in den vier Jahren zuvor.

DFL-Fazit

Der deutsche Profifußball hat seinen erfolgreichen Kurs auch in der Saison 2015/16 fortgesetzt.

Profitabel

16 der 18 Clubs erwirtschafteten einen Gewinn. Legt man das EBITDA zugrunde, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, haben 2015/16 sogar sämtliche 18 Bundesliga-Clubs schwarze Zahlen geschrieben. Zusammen mit der 2. Bundesliga waren es wie im vorherigen Jahr 34 der 36 Clubs.

Über der Schallgrenze

13 der 18 Clubs verzeichneten 2015/16 einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

Kostenquote sinkt

Trotz gestiegener Aufwendungen für Spieler, Trainer und Betreuerstab sank die Personalkostenquote, also die Ausgaben im Verhältnis zum Gesamtumsatz, in der Bundesliga auf 32,6 Prozent.

Ganz anders sieht dagegen die Bilanz der Chinese Super League aus: Für rund 220 Millionen Euro haben sie eingekauft – und dabei nur gut 40 Millionen Euro eingenommen. Im Gegensatz zu Europa ist der Winter die Haupteinkaufsperiode für die Chinesen, deshalb liegen sie in diesem Ranking auch vergleichsweise weit vorne – und sogar vor Italienern und Deutschen.

In der Spielerrangliste dominiert ein China-Deal. Shanghai SIPG kaufte den Brasilianer Oscar für angeblich rund 60 Millionen Euro. Gut für den FC Chelsea und die Transferbilanz der Premier League. Oscar soll 417.000 Euro nach Steuern pro Woche kassieren. „Das ist nur noch krank“, kommentierte Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Aber ein gutes Mittel, um Spieler zu locken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×