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09.01.2007

14:41 Uhr

Fußball Uefa

Platini verschärft vor Kampfabstimmung den Ton

Vor der Kampfabstimmung um den Präsidentenposten in der Europäischen Fußball-Union (Uefa) Ende Januar in Düsseldorf hat Herausforderer Michel Platini den Ton verschärft. Dabei äußerte er sich auch über Franz Beckenbauer.

Rund drei Wochen vor der Kampfabstimmung um den Präsidentenposten in der Europäischen Fußball-Union (Uefa) geht der französische Herausforderer Michel Platini in die Offensive. Der 51-Jährige tritt Ende des Monats in Düsseldorf gegen Amtsinhaber Lennart Johansson an. Sehr distanziert beurteilt dabei Frankreichs Fußball-Ikone in einem AFP-Interview die Rolle von Deutschlands Fußball-Gallionsfigur Franz Beckenbauer, der zwischenzeitlich selbst mit dem Uefa-Chefsessel geliebäugelt hatte.

"Johansson hat jemanden gesucht, der mich schlagen könnte. Er hat intern niemanden gefunden. Dann ist er auf Beckenbauer verfallen. Beckenbauer war seine Geisel, aber Beckenbauer hat das Handtuch geworfen. Ich habe allen Respekt davor, dass Johansson sich erneut präsentiert, obwohl er eigentlich angeln gehen wollte. Die Leute, die ihn zu einer neuen Kandidatur gedrängt haben, sind weniger mutig als er", erklärte Platini vor dem Uefa-Kongress (25./26. Januar) in Düsseldorf. Beckenbauer will sich bei der Zusammenkunft in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens als Uefa-Vertreter in das Exekutivkomitee des Weltverbandes Fifa wählen lassen.

"Einige können keine Niederlage mehr akzeptieren"

In Düsseldorf kommt es aber zum Duell von Platini mit Johansson. "Ich möchte lieber Kartengeber als Kartennehmer sein", betonte der französische Europameister von 1984. Konkret meint der 51-Jährige damit, dass die Trümpfe in der Hand der "Fußball-Familie" bleiben und nicht in die Hand von Geschäftsleuten oder Politikern fallen sollten.

Platini donnert überall auf seiner Wahlkampfreise: "Einige können keine Niederlage mehr akzeptieren - obwohl sie zum Sport gehört. Es gibt Verbände, die schielen nur auf Resultate. Dabei ist es ihre Aufgabe, sich um den Fußball zu kümmern."

Darüber hinaus spricht Platini sich gegen einen Video-Beweis ("außer eventuell bei Torentscheidungen"), aber für zwei zusätzliche Assistenten aus. Erfahrene Schiedsrichter, die wegen des Erreichens der Altersgrenze nicht mehr pfeifen dürften, seien als Assistenten, um den Bereich zwischen Torauslinie und Strafraumgrenze abzudecken, durchaus noch zu gebrauchen. Er denkt zum Beispiel an einen Einsatz von Italiens einstigem Weltklasse-Referee Pierluigi Collina.

Der Franzose hat grundsätzlich auch nichts gegen Geldgeber im Profi-Fußball: "Als ich bei Juventus spielte, war es Fiat. Beim AC Mailand war und bleibt es Silvio Berlusconi. Das waren aber eher Mäzene. Ich habe nichts gegen Investoren, aber mein Credo bleibt: Das Regulieren, Überwachen und Organsieren muss in der Hand der Fußball-Familie bleiben."

"Wenn ich verliere, habe ich mein Testament hinterlassen"

Außerdem spricht sich Platini in dem AFP-Interview gegen eine falsch verstandene "Freizügigkeit" aus, die es windigen Spielervermittlern erlaubt, Kinder aus assoziierten Ländern nach Europa zu holen. Wenn sie sich diese dann nicht in einem Verein durchsetzen, landen sie häufig auf der Straße.

Auf die Frage, was der ehemalige französische Nationaltrainer, der WM-Organisator 1998, der Vize-Präsident des französischen Verbandes FFF und das Mitglied der Fifa- und Uefa-Exekutive macht, sollte er am 26. Januar in Düsseldorf gegen den seit 16 Jahren amtierenden 77-jährigen Johansson verlieren, hat Platini folgende Antwort parat: "Meine Kampagne hat mir immerhin erlaubt zu sagen, was ich über den Fußball denke. Wenn ich verliere, habe ich mein Testament hinterlassen. Jedermann kann dann wissen, wie ich den Fußball sehe und wie er in meinen Augen als ehemaliger Fußballer sein sollte."

© SID

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