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23.01.2009

10:47 Uhr

Fußball Uefa

Platinis "Halbzeitfazit" fällt positiv aus

Seit zwei Jahren ist Michel Platini nun Uefa-Präsident und hat in dieser Zeit einiges bewegt. Der Franzose löste als "aktiver und präsenter Präsident" unter anderem die G14 auf.

Uefa-Präsident Michel Platini. Foto: AFP SID

Uefa-Präsident Michel Platini. Foto: AFP

Halbzeit für Michel Platini: Am Montag ist es zwei Jahre her, dass Frankreichs Fußball-Ikone als Nachfolger von Lennart Johansson zum Uefa-Präsidenten gewählt wurde. Damals war das Verhältnis zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein wenig getrübt, inzwischen hat sich dies grundlegend geändert, weiß die einstige Nummer zehn der "Equipe Tricolore", die verlässliche Partnerschaft der Deutschen zu schätzen.

Angesichts der im März bevorstehenden Neuwahlen zum Exekutiv-Komitee - Gerhard Mayer-Vorfelder scheidet aus, DFB-Präsident Theo Zwanziger kandidiert - behält Platini seine gebotene Neutralität, lässt im sid-Gespräch aber durchblicken: "Deutschland ist eine große Fußball-Nation voller Enthusiasmus für diesen Sport. Vor allen Dingen gibt es eine dynamische Basis. Der Fußball ist in Deutschland verwurzelt. Ich wünsche mir, dass Deutschland im Exekutiv-Komitee präsent bleibt."

Platini: "Ich muss naiv gewesen sein, um zu kandidieren"

Beim Kongress der Europäischen Fußball-Union im Januar 2007 in Düsseldorf überzeugte der Franzose durch seinen Ideenreichtum. Er wolle ein "aktiver und präsenter Präsident" sein und "nicht nur Chrysanthemen einweihen" - Anspielung auf die eher repräsentative Rolle, wie Amtsvorgänger Lennart Johansson die Uefa-Präsidentschaft interpretiert hatte.

Heute sagt Platini: "Ich muss naiv gewesen sein, um zu kandidieren." Und weiter präzisiert er: "Als Spieler wusste ich zur Halbzeit, dass in 45 Minuten alles vorbei ist. Als Präsident habe ich gelernt, dass es Monate dauern kann, bevor ein Schlusspfiff erfolgt. Und manchmal gibt es mehr als nur eine Verlängerung."

Auf der rein sportlichen Ebene hat Platini Entscheidungen durchgeboxt, die dem Fußball dienen. Der Zugang zur Champions League steht Vereinen mittleren Niveaus offener als je zuvor, ohne die Großen zu benachteiligen. Der Uefa-Cup wurde reformiert und ab der kommenden Saison in ein nachvollziehbares Format gegossen. Die Europameisterschaft wird ab 2016 durch die Aufstockung auf 24 Mannschaften nicht mehr ein Treffen der Elite, sondern eine Heerschau der Talente sein.

Platinis Coup: Die Auflösung der G14

Probleme gibt es mit der EM 2012, die nach der Wahl Platinis vom mit Gegnern durchsetzten Exekutiv-Komitee an Polen und die Ukraine vergeben worden war. Platini macht derzeit gute Miene zum bösen Spiel und hofft, dass beide Länder ihre Zusagen ächzend erfüllen werden. Klar ist: Gibt es keine Großstadien in Kiew und Warschau, wird im Frühjahr ein Notplan ausgerufen und die EM verlegt. Nebenbei hat Platini die ehemaligen Gegner durch gründliche Arbeit überzeugt.

Sportpolitisch ist es Platini gelungen, die Interessenvertretung der Großvereine, die G14, aufzulösen und sie in eine europäische Vereinsvertretung zu integrieren, die in Zukunft neben den Mitgliedsverbänden Gehör und Gewicht bei der Uefa haben wird.

Beim Kampf um die Anerkennung einer Sonderrolle des Sports in der EU - weg von der Betrachtung als reines Wirtschaftsunternehmen - hat Platini während der französischen EU-Präsidentschaft Pflöcke einschlagen können, aber noch keine Ergebnisse vorzuweisen. Immerhin: Er traf Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zweimal zu intensiven Gesprächen.

Platini hat drei weitere "Baustellen" im Blick

Drei "Baustellen" will Platini in den beiden restlichen Jahren seiner Amtszeit besonders vorantreiben: Kampf gegen Wettmanipulationen, finanzielle Fairness unter den Vereinen, das Verbot von Kinder-Transfers. Platini: "Wenn Ergebnisse schon vorher feststehen, ist das der schleichende Tod des Sports." Die grenzenlose Verschuldung oder das Finanzdumping einiger Vereine will Platini durch Lizenzierungsmaßnahmen wie in Deutschland in den Griff bekommen, allerdings nur für europäische Wettbewerbe: "In die Organisation der nationalen Ligen kann die Uefa nicht eingreifen." Bald also gerechtere Chancen für Bayern München gegenüber Real, Milan oder Chelsea? Platini: "Das ist ein langer Weg der kleinen Schritte."

© SID

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