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26.01.2007

07:02 Uhr

Fußball Uefa

Showdown bei Uefa-Präsidentenwahl

Heute werden sich die Delegierten auf dem Uefa-Kongress in Düsseldorf entscheiden müssen. Bleibt Lennart Johansson für eine weitere Amtszeit Präsident oder wird Michel Platini zu seinem Nachfolger gewählt.

Auf dem Uefa-Kongress in Düsseldorf bewirbt sich Deutschlands Fußball-Galionsfigur Franz Beckenbauer heute als europäischer Vertreter um einen Sitz im Exekutivkomitee der Fifa, der Regierung des Welt-Fußballs. "Es ist nicht die Frage, ob es das Beste für mich ist, sondern was ist das Beste für den Fußball. Wir sind alle Diener des Fußballs. Mal sehen, welche Aufgaben in welcher Kommission für mich übrigbleiben. Ich würde gerne etwas im sozialen Bereich machen", erklärte der 61-jährige Beckenbauer auf einem Pressetermin am Dienstag in Frankfurt/Main. Der "Kaiser" soll die Nachfolge des ehemaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder antreten, der seinen Platz für Beckenbauer räumt; "MV" ist allerdings noch bis 2009 im Exko der Uefa vertreten.

Präsidentenwahl im Fokus des Interesses

Der deutschen Ehrenspielführer fürchtet allerdings auf dem Uefa-Kongress weniger um seine eigene Wahl, sondern fiebert mit Spannung dem Duell um die Uefa-Präsidentschaft zwischen Amtsinhaber Lennart Johansson (Schweden/77) und Herausforder Michel Platini (Frankreich/51) entgegen. "Ich beschäftige mich nicht mit meinem Schicksal. Wichtiger ist es, wie es nach der Kampfabstimmung weitergeht. Es darf keine Spaltung in der Uefa geben", äußerte Beckenbauer, der nochmals darauf hinwies, dass der seit 1990 amtierende Johansson die Stimme des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erhalten wird.

"Dies haben wir Michel aber auch offen mitgeteilt", meinte der 103-malige Nationalspieler, "er konnte seine Ungeduld nicht zähmen. Vielleicht hätte er noch ein wenig mit seiner Kandidatur warten können." Für den amtierenden Präsidenten spräche außerdem die Tatsache, dass "die Uefa noch nie so erfolgreich war wie jetzt".

Um künftig über Entwicklungen und Strömungen innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) informiert zu sein, wird sich Beckenbauer auf dem DFB-Bundestag im Herbst um einen Platz im Präsidium bemühen. In Frankfurt/Main regte der "Kaiser" nochmals die Diskussion um eine Aufstockung der Bundesliga von 18 auf 20 Mannschaften an. "Wir sind das bevölkerungsreichste Land unter den fünf großen Verbänden, aber sind die einzigen, die noch mit 18 Mannschaften spielen. Und dann leisten wir uns noch die Luxus einer Winterpause, nach der man wieder von vorne anfangen muss. Zumindest sollte man sich mit dieser Frage befassen", erklärte der Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft von 1974 und Weltmeister-Teamchef von 1990.

Beckenbauer soll DFB-"Außenminister" sein

Die Aufgabenstellung für Beckenbauer in der Fifa von Seiten des Verbandes ist klar. Zwanziger preist den Präsidenten des deutschen WM-Organisationskomitees 2006 gern als DFB-"Außenminister", denn mit seiner Reise in die 31 WM-Teilnehmerländer habe er im Vorfeld der Weltmeisterschaft Außerordentliches für Deutschland geleistet und sei mehr als nur ein Botschafter des Landes gewesen: "Er hat für unser Ansehen in der Welt so viel geleistet, wie es kein deutscher Außenpolitiker in den letzten Jahrzehnten geschafft hat. Eine bessere internationale Vertretung für uns ist gar nicht denkbar."

Beckenbauer hob den völkerverbindenden Charakter des Fußballs hervor. "Der Fußball sorgt für Stabilität auf unserem Planeten. Auf unserer Weltcome-Tour haben wir erlebt, wie selbst verfeindete Völker plötzlich an einem Tisch sitzen, wenn es um Fußball geht", sinnierte der "Kaiser".

Beckenbauer bei Präsidenten-Wahl außen vor

Der Bayern-München-Präsident hatte zwar zwischenzeitlich auch eine Kandidatur für die Uefa-Präsidentschaft ins Auge gefasst. Aber der unsichere Wahlausgang im Duell mit Platini war offenbar nicht unbedingt nach dem Geschmack des "Kaisers". "Die Kandidatur von Platini hat aber nichts mit meinem Verzicht zu tun. Entscheidend war, dass Lennart Johansson sich erneut zur Wahl gestellt hat", erläuterte Beckenbauer. So geht er auf Nummer sicher und lässt sich als Uefa-Vertreter ins Fifa-Exekutivkomitee wählen. Zweifel, dass die weltweit geschätzte deutsche Lichtgestalt nicht gewählt wird, bestehen im Kongress-Zentrum der Messe Düsseldorf kaum. "Das wird bestimmt weniger spannend als die Präsidentenwahl", sagte er.

© SID

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