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26.01.2007

13:31 Uhr

Fußball Uefa

Uefa-Boss Platini "bewegt, gerührt und glücklich"

Der neue Uefa-Präsident Michel Platini gab sich nach seinem Wahltriumph emotional: "Ich bin bewegt, gerührt und glücklich. Das ist der Beginn eines Abenteuers", sagte der Franzose beim Uefa-Kongress in Düsseldorf.

Michel Platini hat mit seiner "französischen Revolution" Uefa-Präsident Lennart Johansson gestürzt: Auf dem Xxxi. Ordentlichen Kongress der Europäischen Fußball-Union (Uefa) im Kongress-Zentrum der Düsseldorfer Messe entschied der 51-Jährige das Duell gegen den 26 Jahre älteren Amtsinhaber aus Schweden mit 27:23 Stimmen (zwei ungültige Stimmen) bereits im ersten Wahlgang für sich. Johansson hatte seit 1990 an der Spitze des europäischen Kontinentalverbandes gestanden.

"Ich bin bewegt, gerührt und glücklich. Das ist der Beginn eines Abenteuers. Aber nicht nur für mich, sondern auch für Sie, Lennart. Ich brauche Sie", erklärte Platini nach Verkündung des Resultats und reichte Johansson symbolisch die Hand. Dennoch: Erstmals in der 52-jährigen Uefa-Geschichte wurde ein amtierender Uefa-Boss in einer Kampfabstimmung entthront.

Johansson nun Uefa-Ehrenpräsident

Auf Vorschlag von Platini, der nach Jacques Georges zweiter Franzose an der Spitze des Kontinentalverbandes ist, wurde Johansson zum Uefa-Ehrenpräsidenten ernannt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte von Anfang an dem Skandinavier seine Unterstützung zugesagt und sogar in den letzten Tagen vehement die Wahlkampftrommel für den Hünen aus Stockholm gerührt. Doch dies reichte nicht, obwohl es am Ende noch einmal sehr eng zuging.

In seiner sehr emotionalen Wahlrede versagte Platini, dessen Eltern Aldo und Anna extra nach Düsseldorf gereist waren, am Ende sogar die Stimme: "Wir halten einen Schatz in unseren Händen: die beliebteste Sportart weltweit. Ich möchte diesen Schatz verteidigen, dass er zum Wohle aller gedeiht. Die Starken müssen den Schwachen helfen. Fußball ist ein Spiel, kein Produkt, ist Sport, kein Markt, zunächst ein Spektakel und kein Geschäft." Auf dem Weg zum Mikrofon tätschelte Frankreichs ehemalige Nummer zehn freundschaftlich seinen Gegenkandidaten. Vor Bekanntgabe des Ergebnisses plauschten beide Bewerber auf dem Podium miteinander.

Enttäuschung im deutschen Lager

Enttäuschung herrschte im deutschen Lager. "Die Wahl muss man respektieren. Wir hatten vorher unseren Standpunkt deutlich gemacht, aber jetzt geht es mit Michel Platini weiter. Wir werden korrekt mit ihm zusammenarbeiten", verkündete Franz Beckenbauer. DFB-Präsident Theo Zwanziger ergänzte: "Die Kleinen haben gesiegt. Jetzt muss sich die Sozialromantik an der Realität messen lassen. Ich hoffe, dass die beiden Lager schnell wieder zusammenwachsen und sich um das Eigentliche, den Fußball, kümmern. Ich bin traurig darüber, dass jemand abgewählt worden ist, ohne dass ihm inhaltlich etwas entgegensetzt werden konnte."

Fifa-Präsident Joseph Blatter, der sich vehement für Platini stark gemacht hatte, war dagegen sichtlich erleichtert und meinte: "Ausschlaggebend war die Persönlichkeit Platinis und die Art, wie er aufgetreten ist." Platinis akribisch vorbereiteter langer Wahlkampf trug Früchte. "Platoche" hatte schon vor knapp zwei Jahren seine Kandidatur angekündigt und reiste zu zahlreichen Mitgliedsverbänden, um für seine Vision des europäischen Fußballs zu werben. In der Schlussphase holte Johansson auch dank deutscher Unterstützung allerdings mächtig auf.

Kleine Verbände stützten Platini

Platini hatte ganz auf die kleinen Verbände gesetzt und sich für größere Solidarität stark gemacht. Die Mehrheit der Uefa-Delegierten sprachen sich dann für einen neuen Kurs aus, obwohl Johansson in seiner 17-jährigen Amtszeit die wirtschaftliche Hausse der Uefa mit der Einführung der Champions League eingeleitet und forciert hatte. Die Mehrheit votierte aber für Reformer Platini. "Das Geld, das sie erhalten, ist kein Gefallen. Es ist ihr Recht, es zu erhalten", äußerte der Europameister von 1984.

Als problematisch erwies sich für den einstigen Spielmacher der Equipe Tricolore die Wahlkampfhilfe von Blatter. Bei der Begrüßung zum Auftakt des Kongresses am Donnerstag hatte der Schweizer Weltverbands-Chef offen Partei für seinen langjährigen Berater Platini ergriffen. Johansson griff Blatter am Freitag nochmals offen an: "Es steht dem Fifa-Präsidenten nicht zu, sich in einen Wahlprozess einzumischen. Der Kongress entscheidet."

Beim Bankett am Donnerstagabend in den Rheinterrassen hatte die Uefa Blatter zudem nicht am Tisch des Uefa-Chefs, sondern etwas Abseits platziert. Auch diese Aktion unterstrich die offenen Animositäten von Seiten der Uefa gegenüber dem Fifa-Chef. Platini wurde trotzdem gewählt, entschied den Vergleich Alt gegen Jung, Traditionalist gegen Reformer, Funktionär gegen Ex-Profi für sich.

Im Gegensatz zu Johansson wird Platini seinen Wohnsitz an den Hauptsitz der Uefa ins schweizerische Nyon verlegen und wird auch in das Tagesgeschäft eingreifen. Er will sich dafür einsetzen, den großen Verbänden künftig nur maximal drei statt vier Plätze in der Champions League zuzugestehen.

© SID

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