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09.09.2014

14:19 Uhr

Fußball und die Russland-Krise

Gazprom macht Schalke 04 völlig sprachlos

VonThomas Schmitt

Der Fußballverein Schalke 04 steckt in einem Dilemma. Sein wichtigster Geldgeber Gazprom kommt aus Russland – dem Land, das im Ukraine-Konflikt steckt. Schadet das dem Klub vielleicht? Schweigen, lautet die Antwort.

Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes nach dem Spiel gegen Bayern München. Der Schriftzug des Sponsors Gazprom ist immer dabei. Reuters

Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes nach dem Spiel gegen Bayern München. Der Schriftzug des Sponsors Gazprom ist immer dabei.

DüsseldorfFußballvereine sollten sich ihre Geldgeber mit Bedacht aussuchen. Diesen gut gemeinten Rat von Sponsoring-Experten hat Schalke 04 schon vor Jahren ignoriert. Nun zahlt der Verein die Zeche – in Form von negativer Werbung. Denn der wichtigste Sponsor des Vereins kommt ausgerechnet aus Russland, ist dort nach dem Militär der größte Arbeitgeber. Doch Russland führt Krieg gegen die Ukraine.

Fragt man Offizielle von Schalke nach diesem Thema, kommt als Reaktion nur: „Besten Dank für ihre Frage, die wir nicht beantworten möchten.“ Immerhin etwas offenherziger reagierte Gazprom selbst im August auf eine Anfrage von Handelsblatt Online. Das Unternehmen meldete sich nach einer knappen Woche, ging allerdings nicht auf die detaillierten Fragen ein.

Der russische Konzern verwies nur auf Deutschland als „großen Abnehmer von russischem Gas und langjährigen Partner von Gazprom“. Weiter schrieb der Konzern: „Wir glauben, dass die Verbindung mit dem traditionsreichen Klub unsere Ziele der Markenpositionierung stützt und zu einer weiteren Verbesserung geschäftlicher Zusammenarbeit beiträgt.“

Fußball: Fakten über Schalke 04

Verein

Gegründet als Westfalia Schalke am 4. Mai 1904 – Mitglieder: 145.000

Stand: März 2017

Erfolge

7 x Deutscher Meister, 5 x DFB-Pokalsieger, 1 x Uefa-Cup-Sieger

Kader

Marktwert: rund 210 Millionen Euro.
Stand: März 2017

Stadion

Veltins-Arena, gebaut 2001

Kosten: 191 Millionen Euro

Plätze: 61.973 (davon 45.664 Sitzplätze)

Sponsoren

Trikots: Gazprom (16 Millionen Euro)

Ausrüster: Adidas

Stadion: Veltins (5 Millionen Euro)

Weitere wichtige Sponsoren: Bet-at-Home, Böklunder, Coca-Cola, Hilsense, R+V Versicherung, Tillman’s

Bilanz 2014

Dank des zweithöchsten Umsatzes in der Vereinsgeschichte hat Fußball-Bundesligist Schalke 04 seine Schulden weiter reduziert. Umsatz im Geschäftsjahr 2014: 215,3 Millionen Euro, fast neun Millionen mehr als im Vorjahr. Finanzverbindlichkeiten sinken von 178 auf 164 Millionen Euro. Überschuss steigt auf 4,15 Millionen Euro von nach 457.000 Euro im Jahr zuvor.

Umsatz

2015: 264,7 Millionen Euro

2016: 265,1 Millionen Euro

Gewinn

Konzernjahresüberschuss

2015: 29,1 Millionen Euro

2016: 22,5 Millionen Euro

Eigenkapital

2015: minus 50,4 Millionen Euro

2016: minus 21,9 Millionen Euro

Schulden

Finanzverbindlichkeiten

April 2010: 250 Millionen Euro

2016: 129,6 Millionen Euro

Wertvollste Spieler

Brent Embolo (20 Millionen Euro), Leon Goretzka (18 Millionen Euro), Benedikt Höwedes (18 Millionen Euro)
Quelle: Transfermarkt.de

Tickets

Einzelpreise für Karten: 10 bis 52 Euro

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 3,30 Euro

Ein Bier der Marke Veltins (0,5 l) kostet: 4,20 Euro

Eine Bratwurst kostet: 2,70 Euro

Zumindest aus Schalker Sicht wird das immer fraglicher. Der Verein hat gleich in mehrfacher Hinsicht ein Problem. Der Vertrag mit Gazprom läuft noch bis 2017. Und er ist dermaßen gut dotiert, dass er nicht gleichwertig zu ersetzen wäre. Bereits seit Anfang 2007 läuft die Zusammenarbeit, die dafür sorgte, dass Schalke sich in der nationalen Spitze festsetzte und auch international zur Marke wurde.

Um wie viele Millionen Euro es noch geht, lässt sich schwer sagen. Denn solche Sponsorenverträge sind komplex und hängen auch immer vom sportlichen Erfolg ab. Doch Experten gehen davon aus, dass Schalke sich die zweitbesten Konditionen in der Bundesliga gesichert hat – hinter den Bayern und noch vor den Dortmundern.

Die Macht der Sponsoren: Mit haufenweise Geld zum Fußball-Kartell

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Einige Konzerne sind gleich an mehreren Fußballklubs beteiligt. Wie Volkswagen in Wolfsburg und München. Oder Red Bull in Leipzig und Salzburg. Das schadet der Konkurrenz. Doch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erlaubt es.

Bereits 2006 hieß es in den Medien, dass der Vertrag innerhalb von sechs Jahren bis zu 125 Millionen Euro in die Schalker Kassen spülen könnte. Es ging also um 20 Millionen Euro pro Jahr. Dabei wurde auch immer ein Sockelbetrag von 12 Millionen Euro genannt, sozusagen das Minimum. 2011 dann wurde der Vertrag um weitere 4,5 Jahre verlängert, bis Mitte 2017.

 

Kommentare (6)

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Herr Paul Müller

09.09.2014, 15:57 Uhr

Vielleicht kann Joe Bidden was machen? Sein Sohn sitzt doch nun an den Schaltstellen des ukrainischen Gasproduzenten Burisma. Merkel kann über Obama sicher was drehen, es sei denn die Verbindungen zwischen Washington und Berlin stellen sich nicht als unidirektionale Marionettenfäden heraus...

Herr Heinz Klein

09.09.2014, 16:40 Uhr

Nun mal langsam, Herr Schmitt. Zitat: "Doch Russland führt Krieg gegen die Ukraine." So eine Aussage/Einschätzung mag ein Journalist in einem Kommentar oder Leitartikel treffen, aber in einem Bericht das mal einfach als Tatsache zu behaupten, ist schon hart. Oder stehen die russischen Panzerverbände schon kurz vor Kiew?

Herr Thomas Ungläubig

09.09.2014, 19:47 Uhr

Wenn in diesem Dilemma überhaupt noch was geht, dann durch den Sport. Die Pfeifen in der Politik kriegen doch nichts mehr gebacken. Wetten, dass das F1-Rennen in Sotschi stattfindet?

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