Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2011

18:23 Uhr

Fußball-Weltverband

Blatter als FIFA-Präsident wiedergewählt

Die Fifa-Familie hält zusammen, Umsturzversuche Fehlanzeige. Präsident Blatter erlebte einen entspannten Kongress. Nachdem sein Herausforderer zurückgezogen hatte, war seine Wiederwahl gesichert.

Blatter bleibt Fifa-Präsident

Video: Blatter bleibt Fifa-Präsident

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ZürichTrotz der schwersten Krise während seines Regiments hat sich Präsident Joseph Blatter die Macht im Fußball-Weltverband erhalten und radikale Reformen zur Rettung der taumelnden FIFA präsentiert. Bei der geheimen Abstimmung auf dem Kongress am Mittwoch stimmte eine überwältigende Mehrheit von 186 der 203 abstimmenden Delegierten für eine weitere Amtszeit des 75 Jahre alten FIFA-Präsidenten aus der Schweiz.

Der hatte zuvor längst überfällige Veränderungen angekündigt, um die FIFA vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren. So soll in Zukunft nicht mehr das skandalumtoste Exekutivkomitee über die WM-Vergaben abstimmen, sondern alle Mitgliedsverbände beim Kongress. Zudem dürfen bei Korruptions- und Bestechungsvorwürfen erstmals auch externe Experten dabei helfen, in der FIFA aufzuräumen.

Dass das dringend nötig ist, sieht auch der neue und alte Präsident mittlerweile ein. „Ich bin ein Kapitän in turbulenten Zeiten. Wir haben Schläge eingesteckt und ich persönlich einige Ohrfeigen, die Verwarnung hat gut getan“, sagte Blatter in seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede. Der Antrag seiner englischen Kritiker, die Wahl des Präsidenten zu verschieben, war zuvor mit klarer Mehrheit abgeschmettert worden. Der erneuten Inthronisierung des angeschlagenen Königs stand nichts mehr im Weg.

Chronologie Bestechungsaffäre Fifa Stand 30.5.2011

18. November 2010

Sechs Funktionäre werden von der FIFA mit Strafen belangt. Die Ethikkommission schließt Adamu für drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball aus, Temarii für ein Jahr. Beide dürfen bei den WM-Vergaben nicht abstimmen. Vier ebenfalls ins Visier geratene ehemalige Offizielle werden ebenfalls gesperrt. „Alle Zweifel sind ausgeräumt“, sagt FIFA-Chef Joseph Blatter.

20. Oktober 2010

Die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria) werden von der FIFA wegen Korruptionsverdachts vorläufig suspendiert. Sie sollen bereit gewesen sein, ihre Stimmen bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 zu verkaufen.

29. November 2010

Neue Bestechungsvorwürfe gegen drei weitere Exekutivmitglieder: Ricardo Texeira (Brasilien), Nicolás Leoz (Paraguay) und Issa Hayatou (Kamerun). Die Verfehlungen des Trios sollen schon einige Jahre zurückliegen. „Der Schaden für den Ruf der FIFA ist sehr groß“, sagte Claudio Sulser, Chef der Ethikkommission.

2. Dezember 2010

Die FIFA vergibt die nächsten Weltmeisterschaften nach Russland (2018) und Katar (2022). Beide Länder sind erstmals Veranstalter einer Endrunde.

6. Dezember 2010

Die Wahl Katars gerät immer mehr ins Zwielicht, wiederum tauchen Bestechungsvorwürfe auf. FIFA-Vizepräsident Julio Grondona soll laut einem Bericht als Chef des argentinischen Fußball-Verbandes AFA etwa 59 Millionen Euro aus Katar erhalten haben. Vizepräsidenten-Kollege Julio Grondona verweigert einen Kommentar dazu: „Ich sage nichts dazu. Ich bin fast 80 Jahre alt. Ich will mich deshalb nicht mehr mit so etwas befassen.“

8. Dezember 2010

Blatter meint: „Wir müssen unser Image verbessern.“

4. Februar 2011

Der Einspruch von Adamu und Temarii gegen die Sperren wird von der FIFA-Berufungskommission abgelehnt.

10. Mai 2011

Der frühere englische Verbandschef David Triesman beschuldigt das FIFA-Quartett Teixeira, Leoz, Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago) und Worawi Mukudi (Thailand) unlautere Forderungen vor den WM-Vergaben gestellt zu haben. Der Weltverband will den Vorwürfen nachgehen.

25. Mai 2011

Nun muss sich auch Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam vor der einberufenen Ethikkommission verantworten. Es soll um Bestechungsvereinbarungen bei einem Treffen der Karibischen Fußball-Union vom 10. und 11. Mai gehen. Ins Visier gerät auch FIFA-Vizepräsident Jack Warner (Trinidad & Tobago). Belastungszeuge ist Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer (USA).

27. Mai 2011

Die Ethikkommission nimmt Ermittlungen gegen FIFA-Präsident Blatter auf. Bin Hammam wirft dem Schweizer Amtsinhaber vor, von angeblichen Zahlungen an FIFA-Mitglieder aus der Karibik gewusst, aber zunächst nichts dagegen unternommen zu haben.

28. Mai 2011

Bin Hammam zieht seine Kandidatur für das Präsidentenamt überraschend zurück.

29. Mai 2011

Bin Hammam und Warner werden wegen Korruptionsverdachts für zunächst 30 Tage suspendiert. Sie sollen beim Treffen der Karibischen Fußball-Union versucht haben, für die Wahl des Katarers bin Hammam Stimmen zu kaufen.

30. Mai 2011

Warner erhebt neue Anschuldigungen gegen Blatter. Der habe dem Kontinentalverband Nord- und Mittelamerika/Karibik (CONCACAF) ein „Geschenk“ von einer Million Dollar zukommen lassen, um das Geld „nach eigenem Ermessen“ zu verwenden.

Um 18.03 Uhr verkündete FIFA-Vize Julio Grondona das Ergebnis der geheimen Wahl durch die 206 stimmberechtigten Verbände, von denen 203 ihre Stimme abgaben. Die Verbände aus Brunei-Darussalam sowie São Tomé und Príncipe durften nicht mit abstimmen.

Mit einem flammenden Appell hatte Blatter das Auditorium beschworen, ihm wieder das Vertrauen auszusprechen. „Unser Schiff ist in Schieflage geraten, vielleicht hat es sogar etwas Wasser. Wir müssen alles daran setzen, dass wir auf Kurs bleiben und der Präsident ist dafür bereit“, sagte er in seiner kämpferischen Ansprache. Auf dem riesigen Podium im Hallenstadion auf dem Züricher Messegelände wirkte der kleine Walliser fast ein wenig verloren, doch lange nicht mehr so angespannt wie noch in den vergangenen Tagen, als er eine Pressekonferenz erbost abbrach und nach hitzigen Diskussionen mit Journalisten aus dem Saal stürmte.

All die Vorwürfe der Korruption gegen seine Person, gegen hochrangige Mitglieder des Exekutivkomitees, all die Gerüchte um Bestechung bei der Vergabe der WM 2022 an Katar hatten wie Bleigewichte auf den Schultern des kleinen Mannes gelastet. Kritik von Sponsoren, der Öffentlichkeit, einigen Regierungen und die Rufe nach einer kompletten personellen Erneuerung in der schlimmsten Krise der 107-jährigen FIFA-Geschichte hatten Blatter geschwächt.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Blinse

01.06.2011, 20:11 Uhr

Korrupter Scheißladen! An alle Fußballfans: Warum gebt ihr eigentlich so viel Geld fürs Fußballgucken aus? Damit ein Bundesligatrainer nicht 535.000 Euro mtl. erhält sondern 600.000?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×