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30.09.2013

23:04 Uhr

Fußball-WM 2022

Katar weist „Sklavenarbeit“-Bericht als übertrieben zurück

Der Skandal um menschenunwürdige Bedingungen bei Bauprojekten zur Fußball-WM 2022 sorgt für Empörung. Das Emirat Katar sieht jedoch keinen Grund zur Aufregung. Die Angaben zu Todesfällen seinen „übertrieben“.

Das Khalifa-Stadion in Doha während der Bauzeit Ende 2008: Laut einem Zeitungsbericht sollen Bauarbeiter wie Sklaven gehalten werden. Reuters

Das Khalifa-Stadion in Doha während der Bauzeit Ende 2008: Laut einem Zeitungsbericht sollen Bauarbeiter wie Sklaven gehalten werden.

DohaDas Emirat Katar hat einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach ausländische Arbeiter für die großen Bauprojekte zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in dem Land wie Sklaven behandelt werden. "Es gibt in Katar keine Sklaverei und keine Zwangsarbeit", sagte der Präsident des nationalen Menschenrechtskomitees, Ali al-Marri, am Montag auf einer Pressekonferenz. "Die Informationen des 'Guardian' sind falsch."

Die britische Zeitung hatte am Donnerstag berichtet, die Arbeiter würden wie "moderne Sklaven" behandelt und Dutzende von ihnen seien in den vergangenen Wochen bereits gestorben. Dabei handele es sich um Arbeiter aus Nepal. Sollte die Zahl der Todesfälle so fortschreiten wie bisher, würden bis zum WM-Beginn mindestens 4000 ausländische Arbeitskräfte sterben, sagte ein Vertreter des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC) der Zeitung.

Al-Marri bezeichnete die Zahlen des "Guardian" zu den Todesfällen als "übertrieben". Der Koordinator der nepalesischen Gemeinde im Nahen Osten, Narinra Bad, sagte auf der Pressekonferenz, in diesem Jahr seien bislang 151 Nepalesen in Katar gestorben, darunter 15 an ihrem Arbeitsplatz. Im Jahr 2012 seien 276 seiner Landsleute in Katar gestorben, davon 55 am Arbeitsplatz. Insgesamt arbeiteten in dem ölreichen Emirat 370.000 Nepalesen, sagte Bad.

Fußballweltmeisterschaft in Katar

Katar

Das Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf wird als absolute Monarchie regiert. Der Staat liegt auf einer Halbinsel und grenzt im Süden an Saudi-Arabien. Das Staatsgebiet schließt einige Inseln ein.

Hauptstadt

Katars Hauptstadt ist mit 521 283 Einwohnern Doha. Die Stadt beherbergt den Internationalen Flughafen Doha, sowie wichtige Teile der Öl- und Fischereiindustrie. Mit der „Education City“ ist die Stadt ebenso ein attraktives Gebiet in Katar für Forschung und Bildung.

Geographie und Klima

Das überwiegend flache Land ist von Salzsümpfen, Geröll- und Kieswüste geprägt. Das Grundwasser hat einen sehr hohen Salzgehalt, weshalb Trinkwasser in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen wird.

Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehört Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Das Klima ist ganzjährig schwül, subtropisch und heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 %. Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C.

Bevölkerung

Die arabische Bevölkerung mit katarischer Staatsangehörigkeit beträgt nur rund 250.000 Menschen. Etwa 80 % der 1, 7 Millionen Einwohner Katars sind Migranten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund herrschen Schiiten vor. Zudem gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus und 70.000 Christen in Katar. Die Amtssprache ist arabisch, Handelssprachen sind Persisch und Englisch.

Infrastruktur

In Doha sind sechs Stadien geplant, sechs weitere verteilen sich auf Städte in der näheren Umgebung. Damit die einzelnen Sportanlagen gut erreichbar sind, werden alle an das im Bau befindliche Stadtbahnsystem angeschlossen. Das Investitionsvolumen für die zwölf Spielstätten wird auf etwa 2,87 Milliarden bis 4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Nationalteam

Die Katarer Nationalmannschaft bestritt 1970 ihr erstes internationales Länderspiel während des Golfpokal-Turniers gegen Bahrain. Derzeit rangiert die Mannschaft auf der Fifa-Weltrangliste auf dem 96. Platz. An der letzten WM hat Katar nicht teilgenommen, ist nun aber als Gastgeber automatisch qualifiziert.

Kritik an der Vergabe

Die Kritik, das Land weise keine fußballerische Tradition vor, rechtfertigte die Fifa mit der Erklärung, man wolle neue Wege gehen.

Ein weiterer, eher praktischer Einwand gegen die Vergabe waren die hohen Temperaturen in dem Land. Aufgrund von fast 50 Grad Celsius im Sommer müssten die Stadien klimatisiert werden. Daraufhin regte Franz Beckenbauer eine Verlegung der Fußball-WM in den Winter an.

Eine weitere, viel grundsätzlichere Kritik ist, dass bei der Abstimmung des Fifa-Exekutivausschusses im Vorfeld schon Katar-Stimmen gekauft wurden.

Winter-WM

Wegen der Hitze im Sommer überlegt die Fifa nun, die WM im Winter, also kurz vor Weihnachten auszurichten. Das würde den Spielplan der großen Ligen über den Haufen werfen.

Der "Guardian" hatte sich in seinem Bericht auf Unterlagen der nepalesischen Botschaft in Katar berufen. Aus Nepal kommen die meisten der ausländischen Arbeiter für die WM-Projekte in dem Golfstaat. Der Zeitung zufolge kamen im vergangenen Jahr mehr als hunderttausend Arbeiter aus dem Bergstaat in das reiche Emirat, um sich bei den Bauprojekten für die WM zu verdingen. Viele von ihnen würden seit Monaten nicht bezahlt, zugleich sei ihnen der Pass weggenommen worden, damit sie nicht abreisen könnten. Auch gebe es trotz der Hitze kein kostenloses Wasser für die Arbeiter, schrieb das Blatt.

Dass Katar zum Ausrichter der Fußball-WM 2022 gekürt wurde, ist sehr umstritten. Der Weltfußballverband FIFA zeigte sich nach dem "Gaurdian"-Bericht besorgt und kündigte Gespräche mit den Behörden in Katar an.

Von

afp

Kommentare (1)

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zombie1969

06.10.2013, 12:21 Uhr

"Entrechtete Gastarbeiter schuften sich im Golf-Emirat für das Fußballfest 2022 zu Tode"

Auch in D schuften die Einheimischen jeden Tag damit sie Steuern fristgerecht zahlen können, um nicht im Gefängnis zu verschwinden. Die jährlichen Milliardenkosten im Asylunwesen müssen auch weiterhin durch schuftende Einheimische mit harter Arbeit erwirtschaftet werden.

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