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30.03.2006

14:29 Uhr

Fußball WM

Blatter: "Die Begeisterung wird groß sein"

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter blickt voller Vorfreude auf den WM-Beginn in neun Wochen. "Das wird ein grandioses Fußballfest", erklärte der Schweizer bei der Fifa-Konferenz zum Thema Sicherheit in Berlin.

Am Rande der Fifa-Konferenz zum Thema Sicherheit in Berlin hat sich Joseph S. Blatter in einem Interview zu Wort gemeldet. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes äußerte sich unter anderem zu den Erwartungen für die WM 2006, dem Problemfeld Wetten und dem Konflikt mit der G14.

Frage: "Herr Blatter, in gut neun Wochen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Mit welchen Erwartungen sehen sie dem Turnier entgegen?"

Joseph S. Blatter: "Das wird ein grandioses Fußballfest. Der Fußball hat sich weiter verbessert. Schon 2002 in Japan und Südkorea war großartig, aber damals waren die Spieler müde. Jetzt werden sie ausgeruht sein. Und Deutschland ist ein Fußballland, die Begeisterung wird groß sein."

Frage: "Wie bewerten Sie die negativen Schlagzeilen um angebliche Manipulationen im deutschen Fußball?"

Blatter: "Das interessiert im Ausland nicht. Das gibt mal eine Zeitungsschlagzeile und dann ist die Affäre vorbei. Den Fan interessiert das Spiel."

Frage: "Können Sie denn Manipulationsversuche bei der WM ausschließen?"

Blatter: "Absolut. Alle beteiligten Coaches und Spieler sind von der Fifa verpflichtet, zu unterschreiben, dass sie und ihre Familien nicht wetten. Das ist untersagt. Schon 2002 mussten die Spieler sich schriftlich zu Fairplay und gegen Doping bekennen. Das Wettverbot ist neu."

Frage: "Wie stehen Sie zu Fußballwetten?"

Blatter: "Toto früher war gut. Da tippte man nur den Spielausgang und das Geld ging an den Sport zurück. Jetzt ist viel mehr Geld im Spiel. Und worauf man alles wetten kann. Wer den ersten Elfmeter bekommt oder das erste Tor schießt. Lauter blöde Sachen. Das bringt das Spiel in Gefahr."

Frage: "Sie kritisieren auch auch der Klage der G14 auf 860 Mill. Euro Entschädigung für Verletzungen von Spielern bei Nationalmannschafts-Einsätzen?"

Blatter: "Ich bin sauer auf die G14. Wir hatten vorher ein Gespräch und dann lassen sie so eine Bombe platzen. Jetzt wollen sie Geld für die Abstellung von Spielern, die sie vorher aus Afrika und Südamerika geplündert haben. Das ist eine verkehrte Welt, das ist unmöglich. Das kann die Fifa nicht machen. Wenn der FC Chelsea für Didier Drogba Geld haben will, geht die ganze Elfenbeinküste bankrott."

Frage: "Die Fifa kassiert durch die WM aber auch Mrd...."

Blatter: "Allein durch TV- und Werberechte nehmen wir rund 1,5 Mrd. Euro ein. Für die WM 2010 haben die TV-Verträge eine weitere Steigerung um 25 Prozent. Aber die Fifa gibt 70 Prozent der Einnahmen an die 207 Verbände weiter. 650 Mill. Franken stecken wir in Entwicklungsprojekte, und wir veranstalten zahlreiche Wettbewerbe. Im Klubfußball wird die Schere zwischen Armen und Reichen aber größer. Die Champions League hat den Nachteil, dass das Geld nicht an alle geht, sondern 75 Prozent der Einnahmen an die 32 teilnehmenden Mannschaften."

Frage: "Immer öfter sind in letzter Zeit rassistische Übergriffe auf den Rängen und teilweise den Spielfeldern zu beobachten. Was tut die Fifa dagegen?"

Blatter: "Wir haben dem Rassismus den Kampf angesagt. Es gibt ihn und das ist so schlimm. Ab 1. April gilt die Entscheidung des Exekutivkomitees, dass es bei solchen Vorkommnissen Punktabzug für beteiligte Vereine geben kann. Nur so kann man dem Problem Herr werden. Mit Geld geht es nicht. Es ist die Aufgabe der Verbände und Konföderationen, das durchzusetzen. Wenn sie es nicht tun, kann die Fifa eingreifen. Wenn ein Verband nicht spurt, kann er suspendiert werden."

Frage: "Wer ist Ihr WM-Favorit und was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft?"

Blatter: "Ich kenne meinen Favoriten, aber ich sage ihn nicht. Sonst heißt es nachhher, ich hätte es vorher gewusst. Deutschland ist eine Turniermannschaft. Mit dem Publikum im Rücken kann sie viel erreichen. Alle anderen 31 Mannschaften wissen, was da abgeht und alle befürchten, dass Deutschland ganz am Schluss noch dabei ist."

© SID

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