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03.10.2013

16:00 Uhr

Fußball-WM in Katar

Deutscher Bauaufseher dementiert Todesopfer

ExklusivEin deutscher Bauaufseher hat Berichte über Todesopfer beim Stadionbau für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar für seine Baustelle zurückgewiesen. Auch ein Anwalt geht gegen die Berichte vor.

Das Khalifa-Stadion in Doha während der Bauzeit Ende 2008: Laut einem Zeitungsbericht sollen Bauarbeiter wie Sklaven gehalten werden. Reuters

Das Khalifa-Stadion in Doha während der Bauzeit Ende 2008: Laut einem Zeitungsbericht sollen Bauarbeiter wie Sklaven gehalten werden.

DüsseldorfAm Bericht einer britischen Tageszeitung über Sklavenarbeit und mindestens 44 tödliche Arbeiterunfälle am Fußball-WM-Austragungsort Katar tauchen nun erhebliche Zweifel auf. Der mit der Bauaufsicht beauftrage deutsche Unternehmer Olaf Hoffmann sagte dem Handelsblatt (Freitagausgabe): „Auf den Baustellen in Lusail City ist in den vergangenen zwei Jahren kein einziger Arbeiter gestorben“. Dabei war die am Reißbrett entworfene 35-Quadratkilometer-Retortenstadt, die das größte der neun WM-Stadien beherbergen soll, in dem Skandalbericht als einzige Baustelle namentlich genannt worden.

Die von Hoffmann geleitete Offenbacher Dorsch-Gruppe hat den Auftrag, Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen zu dokumentieren und sie mit Strafzahlungen zu ahnden. Ein Interesse, die Situation schönzureden, ist deshalb bei Hoffmann nicht erkennbar.

Fußballweltmeisterschaft in Katar

Katar

Das Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf wird als absolute Monarchie regiert. Der Staat liegt auf einer Halbinsel und grenzt im Süden an Saudi-Arabien. Das Staatsgebiet schließt einige Inseln ein.

Hauptstadt

Katars Hauptstadt ist mit 521 283 Einwohnern Doha. Die Stadt beherbergt den Internationalen Flughafen Doha, sowie wichtige Teile der Öl- und Fischereiindustrie. Mit der „Education City“ ist die Stadt ebenso ein attraktives Gebiet in Katar für Forschung und Bildung.

Geographie und Klima

Das überwiegend flache Land ist von Salzsümpfen, Geröll- und Kieswüste geprägt. Das Grundwasser hat einen sehr hohen Salzgehalt, weshalb Trinkwasser in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen wird.

Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehört Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Das Klima ist ganzjährig schwül, subtropisch und heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 %. Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C.

Bevölkerung

Die arabische Bevölkerung mit katarischer Staatsangehörigkeit beträgt nur rund 250.000 Menschen. Etwa 80 % der 1, 7 Millionen Einwohner Katars sind Migranten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund herrschen Schiiten vor. Zudem gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus und 70.000 Christen in Katar. Die Amtssprache ist arabisch, Handelssprachen sind Persisch und Englisch.

Infrastruktur

In Doha sind sechs Stadien geplant, sechs weitere verteilen sich auf Städte in der näheren Umgebung. Damit die einzelnen Sportanlagen gut erreichbar sind, werden alle an das im Bau befindliche Stadtbahnsystem angeschlossen. Das Investitionsvolumen für die zwölf Spielstätten wird auf etwa 2,87 Milliarden bis 4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Nationalteam

Die Katarer Nationalmannschaft bestritt 1970 ihr erstes internationales Länderspiel während des Golfpokal-Turniers gegen Bahrain. Derzeit rangiert die Mannschaft auf der Fifa-Weltrangliste auf dem 96. Platz. An der letzten WM hat Katar nicht teilgenommen, ist nun aber als Gastgeber automatisch qualifiziert.

Kritik an der Vergabe

Die Kritik, das Land weise keine fußballerische Tradition vor, rechtfertigte die Fifa mit der Erklärung, man wolle neue Wege gehen.

Ein weiterer, eher praktischer Einwand gegen die Vergabe waren die hohen Temperaturen in dem Land. Aufgrund von fast 50 Grad Celsius im Sommer müssten die Stadien klimatisiert werden. Daraufhin regte Franz Beckenbauer eine Verlegung der Fußball-WM in den Winter an.

Eine weitere, viel grundsätzlichere Kritik ist, dass bei der Abstimmung des Fifa-Exekutivausschusses im Vorfeld schon Katar-Stimmen gekauft wurden.

Winter-WM

Wegen der Hitze im Sommer überlegt die Fifa nun, die WM im Winter, also kurz vor Weihnachten auszurichten. Das würde den Spielplan der großen Ligen über den Haufen werfen.

Schon am Dienstag war ein Anwalt, der nepalesische Gastarbeiter in Katar betreut, mit der britischen Tageszeitung „The Guardian“ auf einer Pressekonferenz hart ins Gericht gegangen. Der Bericht über die Ausbeutung seiner Landsleute auf den WM-Bauplätzen sei „in allen Einzelheiten falsch“, kritisierte er. Ähnlich äußerte sich die Menschenrechts-Kommission des WM-Austragslands Katar.

Wegen der hohen Zahl von Todesfällen und angeblicher Sklavenarbeit hatten zuletzt die Grünen gefordert, Katar die Weltmeisterschaft 2022 zu entziehen. Auch der Weltfußballverband Fifa diskutierte am Mittwoch Konsequenzen aus der Berichterstattung.

Angesichts von Medienberichten über Sklavenarbeit in Katar, dem Austragungsland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, hat das Golfemirat eine internationale Anwaltskanzlei eingeschaltet. Wie das katarische Arbeitsministerium am Donnerstag weiter mitteilte, sollen alle Vorwürfe unabhängig geprüft und ein Bericht über deren Wahrheitsgehalt erstellt werden.

Am Montag werde eine internationale Delegation in Katar erwartet. Sie werde sich mit den Arbeitsbedingungen befassen, hieß es. Die Regierung Katars hatte einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach ausländische Arbeiter für die großen Bauprojekte zur Fußball-WM in dem Land wie Sklaven behandelt werden.

Von

cs

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.10.2013, 16:56 Uhr

"The Guardian" ist eine der seriösesten Tageszeitungen Europas. Die saugen sich das nicht aus den Fingern! Im Gegenteil: Ich glaube diesem Unternehmer Olaf Hoffmann KEIN WORT! Es ist doch sehr offensichtlich was jetzt gespielt wird: Die FIFA/Blatter aktiviert im Hintergrund "alle politischen Kontakte"- so soll auf den Guardian Druck ausgeübt und Mundtot gemacht werden. Kennen wir das nicht irgendwo her? Stichwort NSA-Affäre?

Account gelöscht!

04.10.2013, 07:50 Uhr

Für diese ganz Katarherrscherbrut und deren abhängige Vasallen, wie der zwielichtige Hoffmann, sind Menschen doch nur Abfall und höchstens zur Zwangsarbeit zu gebrauchen. Dies erinnert stark an Deutschland in den Jahren 1933 bis 1945.

SWAPRO

05.10.2013, 12:19 Uhr

Ohne die Arbeitsbedingungen im einzelnen zu kennen und bewerten zu wollen, halte ich die Diskussion über die angeblich hohe Anzahl von Todesfällen für irreführend. Zitat der IGB-Generalsekretärin aus der Süddeutschen Zeitung online (26. September 2013 17:56):
"
"Die katarischen Behörden tun in dieser Sache nichts, was Substanz hat", sagte die IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow. Die Zahlen zeigten, dass "mindestens ein Gastarbeiter pro Tag in Katar stirbt". Laut IGB befinden sich derzeit 1,2 Millionen ausländische Arbeiter in Katar, eine weitere Million wird bis zur WM erwartet.
"

Eine Sterblicheit von einem Menschen pro Tag bei 1,2 Mio Arbeitern ist nicht besonders hoch. Vergleich: Deutschland, 2011, Männer 20-24 Jahre: 56,3 pro 100000 und Jahr, Quelle: http://www.gbe-bund.de
<=> 1,85 Menschen pro Tag.

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