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10.04.2006

16:31 Uhr

Fußball WM

Kahn: „Ich will meine Erfahrung weitergeben"

Torhüter Oliver Kahn wird der deutschen Nationalmannschaft bei der WM nicht den Rücken kehren. Der Bayern-Keeper erläutert im Interview seine Beweggründe für die Entscheidung gegen den Rücktritt aus der DFB-Auswahl.

Torhüter Oliver Kahn wird an der WM im eigenem Land auch als Nummer zwei im deutschen Tor teilnehmen. Das gab der Schlussmann von Rekordmeister Bayern München am Montag auf einer Pressekonferenz bekannt. Im Interview erklärt Kahn seine Gründe für den Verbleib im deutschen Nationalteam.

Frage: "Oliver Kahn, Sie haben sich dazu entschieden, die Rolle als Reservist bei der WM hinter Jens Lehmann anzunehmen. Wie sind Sie zu der Entscheidung gekommen?"

Oliver Kahn: "Es war sicherlich keine einfache Situation, wenn man zwei Jahre sehr hart für sein Ziel WM gearbeitet hat und dann erfährt, dass man sein persönliches Ziel nicht erreicht hat. Natürlich brauchte es für diese Entscheidung jetzt etwas Zeit, zu überlegen und sich auch zu schütteln, um dann aus der eigenen Überzeugung heraus eine Entscheidung zu treffen. Und ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass ich bei der WM 2006 dabei sein möchte."

Frage: "Welchen Einfluss auf Ihre Entscheidung haben die aufmunternden Worte vieler Kollegen und aus der Führungsetage von Bayern München gehabt?"

Kahn: "Die vielen Gespräche, die ich geführt habe, hatten daran sicherlich einen Anteil. Viele haben zu mir gesagt: "Olli, es ist wichtig, dass du dabei bist." Es gab viele weitere kleine Facetten, die dazu beigetragen haben. Zudem habe ich die Überzeugung: Es geht jetzt nicht um Oliver Kahn, sondern es geht jetzt um etwas viel, viel Größeres, es geht jetzt um die WM in Deutschland. Es sollte jetzt einfach vorbei sein mit diesem zähen Kaugummi Kahn gegen Lehmann und diesen ganzen negativen Dingen. Wir sollten jetzt endlich eine positive Stimmung im Land erzeugen."

Frage: "Glauben Sie, dass es Ihnen so ohne Weiteres möglich ist, dieses Thema jetzt beiseite zu schieben?"

Kahn: "Natürlich bin ich enttäuscht. Aber es darf bei diesem Riesen-Ereignis nicht um persönliche Eitelkeiten gehen. Sicher habe ich immer sehr hart für meine Ziele gearbeitet. Aber das heißt nicht, dass ich nicht verlieren kann. Ich will meine Erfahrungen weitergeben. Die Unterstützung, die die Mannschaft braucht, werde ich ihr zu 100 Prozent geben."

Frage: "Befürchten Sie nicht, dass Ihre Rolle als Reservist auch Konfliktpotenzial mit Jens Lehmann birgt?"

Kahn: "Es wird kein Konfliktpotenzial geben. Ich habe die Entscheidung von Jürgen Klinsmann akzeptiert. Deswegen wird auch Jens Lehmann meine Unterstützung bekommen. Ich bin kein Mensch, der anderen etwas Böses wünscht. Aber natürlich bin ich Sportler und Wettkämpfer, und ich werde mich 100-prozentig reinhängen. Keiner weiß, was sich entwickeln kann, ich werde versuchen einzubringen, was ich kann. Und ich glaube, dass ich meinen Teil beitragen kann."

Frage: "Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die WM?"

Kahn: "Ich bin der Meinung, dass jetzt eine positive Stimmung einkehren muss, die es uns ermöglicht, dass wir unser großes Ziel erreichen, das wir uns vorgenommen haben. Es ist möglich, dass wir Weltmeister werden."

© SID

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