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08.03.2006

10:50 Uhr

Fußball WM

Zwanziger stärkt Klinsmann den Rücken

Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Dr. Theo Zwanziger, hat sich demonstrativ hinter Bundestrainer Jürgen Klinsmann gestellt. "Er hat das absolute Vertrauen", so Zwanziger im Interview.

Dr. Theo Zwanziger hat sich abermals in der Diskussion um Jürgen Klinsmann zu Wort gemeldet. Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stärkte die Position des Bundestrainers in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt (Mittwochsausgabe). "Er hat das absolute Vertrauen", betonte Zwanziger im Gespräch.

"Wer denn sonst?"

"Es gibt nicht ansatzweise einen Grund, daran zu zweifeln. Ich habe erst am Montag ein sehr langes und intensives Gespräch mit Vertretern aus der Liga gehabt. Wir sind uns zu hundert Prozent einig, dass wir mit Klinsmann den absolut richtigen Mann haben und er die Mannschaft gut vorbereiten wird", so der Verbandschef, der Spekulationen um einen kurzfristigen Trainerwechsel zurückwies: "Wenn ich jetzt höre, dass es eventuell ein anderer Trainer machen soll, dann frage ich mich: Wer denn sonst? Ottmar Hitzfeld hatte 2004 ein Angebot von uns, und er hat es abgelehnt." Auch der neue DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sei jetzt keine Alternative. "Es gibt keinen Notfallplan", meinte Zwanziger.

Der DFB-Boss hält die Diskussionen der vergangenen Tage für überzogen: "Es werden dieser Tage gerade zwei Dinge miteinander vermischt. Da geht es zum einen um das Ergebnis in Florenz, über das es auf Grund der Leistung und des Auftretens natürlich zu reden gilt. Und dann geht es um den Workshop in Düsseldorf. Natürlich hätte ich mich auch aus emotionalen Gründen gefreut, wenn der Bundestrainer dabei gewesen wäre. Aber er hat seine Aufgaben klar aufgeteilt, und ich kann das auch nachvollziehen."

Dass bereits über eine vorzeitige Ablösung des Bundestrainer spekuliert wird, hält Zwanziger für absurd, zumal sich Klinsmann nach der Absage von Hitzfeld ins kalte Wasser begeben habe: "Klinsmann hingegen hat sich getraut. Er hat dieses Abenteuer gewagt. Er hat in meinen Augen sehr großen Mut bewiesen."

Und auch der künftige Sportdirektor Sammer, der am 1. April sein Amt antritt, sei derzeit keine Alternative: "Wozu überhaupt? Wir haben mit Matthias Sammer einen Fußballfachmann gefunden, der die Zukunft mitgestalten wird und helfen soll, mit seinem Wissen und seiner Erfahrung die Nachwuchsförderung in Deutschland zu verbessern und dem internationalen Standard anzupassen. Matthias Sammer ist, und das betone ich zum wiederholten Male mit Nachdruck, nicht der Ersatzbundestrainer.

Zwanziger will Beckenbauer zur Rede stellen

Die öffentliche Schelte von WM-OK-Chef Franz Beckenbauer für den Bundestrainer nimmt Zwanziger relativ gelassen zur Kenntnis: "Beckenbauer hat unmittelbar nach der Niederlage in Florenz eine Trainerdiskussion ausgeschlossen. Die Situation, die sich für mich jetzt darstellt, ist die: Die Weltmeisterschaft ist sein Kind, und alles, was nicht nach seinen Vorstellungen läuft, stört ihn. Franz hat sich jetzt beim Workshop in Düsseldorf als Gastgeber der WM gesehen. Deshalb kann ich verstehen, wenn er nun darüber verärgert ist, dass der Bundestrainer nicht anwesend ist. Ich mag Franz Beckenbauer mit seiner Art. Aber ich muss auch sagen, dass seine Kritik am Fehlen des Bundestrainers in Düsseldorf sehr heftig ist. Das werden wir sicherlich in einem Gespräch mit ihm noch einmal erörtern."

Aber nicht nur mit dem "Kaiser", auch mit Klinsmann selbst will Zwanziger in Kürze wieder in den Dialog treten: "Natürlich, wir reden oft miteinander. Mit Klinsmann muss man sich unter vier oder sechs Augen austauschen und ihn überzeugen. Dazu braucht man Argumente. Wenn die da sind, ist er auch bereit, mit sich über bestimmte Dinge reden zu lassen. Grundsätzlich hat Jürgen Klinsmann die Aufgaben bei der Nationalmannschaft klar verteilt. Im Blick auf sein Fehlen beim Fifa-Workshop hat er vielleicht insbesondere die Rolle als Gastgeber unterschätzt."

Dass der Bundestrainer beratungsresistent ist, wie es Beckenbauer ebenfalls angedeutet hat, glaubt der DFB-Präsident nicht: "Gerhard Mayer-Vorfelder, der derzeit noch krank ist, mit dem ich mich aber in diesen Tagen eng abgestimmt habe, hat im Sommer 2004, als wir Jürgen Klinsmann verpflichtet haben, mal gesagt: Mit dem Jürgen haben wir uns aber was eingebrockt. Er meinte das positiv. Mit Blick auf seine Persönlichkeit, die sehr gefestigt ist und mit Blick darauf, dass Klinsmann ein Mensch mit klaren Vorstellungen ist. Ich habe ihn in den vergangenen Monaten sehr gut kennengelernt. Und ich weiß, dass er es einfach nicht leiden kann, durch öffentlichen Druck irgendwelche Dinge zu ändern. Denn der Versuch, Druck und Zwang auf Jürgen Klinsmann auszuüben, ist der falsche Weg, wenn man an Ergebnissen interessiert ist. Wenn man auf Klamauk aus ist, dann schon."

© SID

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