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08.02.2017

14:55 Uhr

Fußballer als Unternehmer

Die clevere Karriereplanung des Philipp Lahm

VonThomas Schmitt

Fußballer Philipp Lahm verzichtet freiwillig auf Millionen Euro. Und will nicht Manager des FC Bayern werden. Der Weltmeister setzt zwei Ausrufezeichen und gibt den Startschuss für eine zweite Karriere. Ein Kommentar.

Das Ende einer Ära

Abschied von Lahm: Bayern-Fans zeigen Verständnis

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DüsseldorfPhilipp Lahm ist noch immer einer der besten Außenverteidiger der Welt. Sein Trainer Carlo Ancelotti sagt über ihn, er könnte spielen bis er 40 Jahre alt ist. Doch das will der inzwischen 33 Jahre junge Weltmeister von 2014 nicht. Als Spieler hat er ohnehin fast alles gewonnen, wovon Fußballer träumen.

Reich geworden ist er beim FC Bayern überdies. Er müsste also gar nicht mehr arbeiten, sondern könnte in den Tag hinein leben. Doch das ist ein Spitzensportler nicht gewöhnt. Und ein Philipp Lahm erwägt dies offenbar ohnehin nicht ernsthaft. Schon als Spieler hat er sich in verschiedene Unternehmen eingekauft.

Unternehmer oder Investor wäre also sicherlich eine interessante Beschäftigung für ihn im Leben nach der Fußballerkarriere. Allerdings kann sich im Fußball kaum jemand vorstellen, dass Philipp Lahm sich von der Branche verabschiedet und etwas völlig anderes macht. Zu gut ist sein Image bei Kollegen und Vorgesetzten. Lahm ist eine geborene Führungsfigur.

Deshalb hätte er nun auch direkt als Sportdirektor ins Management des FC Bayern einsteigen können. Das war der ausdrückliche Wunsch des Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, auf der jüngsten Hauptversammlung hat er dies mehr oder weniger offen auch gesagt. Rummenigges Gegenpart, Vereinspräsident Uli Hoeneß, war da weniger eindeutig.

Doch auch Hoeneß führte zuletzt Gespräche mit Lahm, die der Betroffene als „absolut in Ordnung“ bezeichnete. Die Formulierung lässt aufhorchen, denn im nächsten Satz formulierte Lahm die Absage: „Ich habe einfach für mich entschieden, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist“, Sportdirektor bei den Bayern zu werden.

FC Bayern München: Diese Promis kontrollieren den Klub

Der Aufsichtsrat des FC Bayern München

Neun Personen gehören dem Aufsichtsrat des Bundesligisten an, darunter viele Wirtschaftsgrößen. Künftig soll Uli Hoeneß das Gremium wieder führen. Fotos der Mitglieder des Aufsichtsrats unter https://fcbayern.com/de/club/fcb-ag/aufsichtsrat

Karl Hopfner

Vorsitzender und Mitglied des Präsidialausschusses. Jetzt soll Uli Hoeneß Hopfners Posten als Aufsichtsratschef übernehmen.

Herbert Hainer

Stellvertretender Vorsitzender und Mitglied des Präsidialausschusses

Prof. Rupert Stadler

Stellvertretender Vorsitzender und Mitglied des Präsidialausschusses und zudem Vorstandsvorsitzender Audi AG

Dr. Werner Zedelius

Stellvertretender Vorsitzender und Mitglied des Präsidialausschusses und zudem Mitglied des Vorstands der Allianz SE

Timotheus Höttges

Aufsichtsrat und zudem Vorstandvorsitzender Deutsche Telekom AG

Rudolf Schels

Aufsichtsrat

Dr. Edmund Stoiber

Aufsichtsrat und zudem Bayerischer Ministerpräsident a.D. und Ehrenvorsitzender der CSU

Dr. Theodor Weimer

Aufsichtsrat und zudem Sprecher Vorstand UniCredit Bank AG

Prof. Dr. Martin Winterkorn

Aufsichtsrat

Das teilte Lahm dem Verein auch so Ende vergangener Woche mit. Er verließ noch ein wenig Zeit vergehen, und dann verrieten es seine Berater der Presse. Das überraschte offenbar den Verein, der eine gemeinsame Stellungnahme formulieren wollte. Warum wohl? Weil die beiden großen Bayern-Bosse nun ziemlich alt aussehen.

Hoeneß muss das sogar vor den Kameras öffentlich ausbaden. Ob er nur schlecht informiert war oder ob er Lahm vielleicht doch überreden wollte zu kommen, bleibt dabei offen. Der Weltmeister von 2014 bestätigt indes seinen Ruf, geradlinig und konsequent zu handeln. Nicht umsonst gilt er als einer der verhandlungsstärksten Köpfe im deutschen Fußball.

Sicherlich wird er weiter im Fußball aktiv bleiben, doch er will sich von dem Geschäft nicht frühzeitig aufreiben lassen. Und erst recht nicht will er von den FC-Bayern-Hähnen Hoeneß und Rummenigge zerpflückt werden, wie er es bei einem anderen Bayern-Spieler erlebte. Christian Nerlinger folgte 2009 auf Uli Hoeneß, übernahm jedoch nur einen Teil von dessen Aufgaben.

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