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17.10.2014

07:32 Uhr

Fußballer Thorsten Legat

Schlag den Raab und eine böse Kindheit

VonThomas Schmitt

Thorsten Legat war Deutscher Meister, DFB- und Europapokalsieger. So wie er als Fußballer wirkte, tritt er noch öffentlich auf – als harter Hund, etwa gegen Showmaster Stefan Raab. Und bewältigt so ein Trauma.

Erfolgreiche Zeiten: Während der drei Jahre, die Thorsten Legat (l.) für Werder Bremen spielte, wurde er regelmäßig in der Startelf aufgestellt. 1993 feierte der Mittelfeldspieler zusammen mit Dietmar Beiersdorfer (M.) und Thomas Schaaf die Deutsche Meisterschaft. Picture Alliance

Erfolgreiche Zeiten: Während der drei Jahre, die Thorsten Legat (l.) für Werder Bremen spielte, wurde er regelmäßig in der Startelf aufgestellt. 1993 feierte der Mittelfeldspieler zusammen mit Dietmar Beiersdorfer (M.) und Thomas Schaaf die Deutsche Meisterschaft.

DüsseldorfSo einen Anruf bekommt ein Fußballer nicht alle Tage: 1994, Berti Vogts, der Bundestrainer. Thorsten Legat erinnert sich an das Telefonat, als wäre es gestern gewesen. „Thorsten, pass auf. Ich werde dich nominieren. Du fährst mit zur WM, wenn du am Freitagabend gegen den 1. FC Köln ein gutes Spiel ablieferst. Ich werde im Weserstadion sein.“

Thorsten Legat spielte damals für Werder Bremen, ein Spitzenteam in der Bundesliga und größter Konkurrent des FC Bayern München. Sein Trainer war der Otto Rehhagel, der später mit dem Außenseiter Griechenland überraschend Europameister wurde – und so seine Trainerkarriere krönte. Doch Fair Play war nicht immer die Sache von König Otto.

Rehhagel ließ Legat am entscheidenden Tag auf der Bank schmoren. Legat: „Keine Begründung – bis heute nicht!“ Doch „König Otto hinterfotzig“ war längst nicht das schlimmste Foul. Legat schleppt seit seiner Kindheit ein Trauma mit sich herum. Der Sport ist sein Ventil – immer noch, auch wenn er – wie am Donnerstag im Fernsehen – gegen Showmaster Stefan Raab antritt und sogar gewinnt: 13:11, wie eine Regionalzeitung auf Facebook postet.

Thorsten Legat als Spieler und Trainer

Geboren

7. November 1968 in Bochum

Familie

Familienstand: Verheiratet mit Alexandra

Kinder: Nico-Thorsten (29. März 1998), Leon (29. August 1999)

Der Athlet

Größe: 1,85 Meter

Gewicht: 90 Kilogramm

Fuß: Linksfuß

Position: Linkes Mittelfeld

Ausbildung

1977 – 1984: TuS Vorwärts Werne 09

1984 – 1991: VfL Bochum

Karriere als Spieler

1991 – 1994: SV Werder Bremen

1994 – 1995: Eintracht Frankfurt

1995 – 1999: VfB Stuttgart

2000 – 2001: FC Schalke 04

Nationalmannschaft

1987: Deutschland U19 – 2:0 gegen Chile

1988: Deutschland U21 – 8:0 gegen die Schweiz (eingewechselt in der 62. Minute)

Vereine als Trainer

2002 – 2004: Werder Bremen jeweils Co-Trainer der U19, der U15 und bei den Amateuren

2005 – 2007: WSV Bochum 06

2008: Tura Rüdinghausen

2010 – 2011: SV Bergisch Gladbach U14, U15, U16, U17

2012 – 2013: Wuppertaler SV U14, U15

ab 2013: 1. FC Wülfrath

Bilanz in der Bundesliga

Bundesligaspiele: 243 insgesamt, davon

– 107 für den VfL Bochum (9 Tore)

– 70 für Werder Bremen (4 Tore)

– 22 für Eintracht Frankfurt (2 Tore)

– 40 für den VfB Stuttgart

– 4 fur Schalke 04

Bundesliga-Tore insgesamt: 15

DFB-Pokal: 29 Spiele, 3 Tore

Europapokal: 23 Spiele, 1 Tor

Karten-Bilanz

Gelbe Karten: 34

Gelb-Rote Karten: 1 (VfB Stuttgart – Bayer Leverkusen, 8. August 1997)

Rote Karte: keine

Größte Erfolge

1 x Deutscher Meister – mit Werder Bremen 1993

3 x DFB-Pokalsieger

– mit Werder Bremen 1994 (3:1 gegen Rot-Weiss Essen)

– mit VfB Stuttgart 1997 (2:0 gegen Energie Cottbus)

– mit Schalke 04 2001 (2:0 gegen Union Berlin)

1 x Europapokal der Pokalsieger

– mit Werder Bremen 1992 (2:0 gegen AS Monaco)

Manche Erlebnisse hängen ihm noch heute nach – in Bildern, in Träumen. „Ich habe lange damit gewartet, Bilder für dieses Buch herauszusuchen, und als ich es dann tat, spürte ich, warum“, schreibt Legat in seinem Buch. „Die alten Fotos aus der Kindheit widerten mich an, ich bekam einen Brechreiz. Hass und Wut stiegen in mir auf.“

Man könne versuchen, schreckliche Erinnerungen zu verdrängen, stellt Legat fest. Doch beim Betrachten von Bildern gehe das nicht. Manche Fotos aus der elterlichen Wohnung wirkten auf ihn wie Bilder von einem Tatort. „Als mein Vaters starb, spürte ich zum ersten Mal Entlastung, und doch verfolgt er mich weiter.“

Wie schlimm das ist, schildert er so. „Es ist erst ein paar Wochen her, da geschah bei uns zu Hause eine ähnliche Szene wie im Wohnzimmer meiner Mutter. Meine Kinder waren beim Training und meine Frau bei der Arbeit. Es war still, und ich versuchte abzuschalten. Doch die Ruhe, die mir guttun sollte, wirkte plötzlich bedrohlich.“

Kommentare (1)

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Frau White Paper

16.10.2014, 14:45 Uhr

Gratuliere zum neuen Format! Es ist keine Buchrezension, es ist keine Nachricht. Es ist kein Bericht und auch kein Feature. Aber es scheint wichtig zu sein. Sonst wäre es ja nicht Aufmacher beim Handelsblatt.

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