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23.01.2007

12:29 Uhr

Fußballer tun sich mit Nachkarriereplanung schwer

Nicht jeder Spieler kann Trainer werden

VonMartin Sonnleitner

Viele Fußball-Profis tun sich beim Übergang in die nachfußballerische Karriere äußerst schwer. Eine Studie zeigt: Jeder vierte Fußball-Profi war nach der aktiven Zeit pleite. Die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) versucht, durch gezielte Nachkarriereplanung dem Missstand abzuhelfen – und hat durchaus Erfolge vorzuweisen.

HAMBURG. Die Karriere von Sebastian Deisler ist zu Ende. Entnervt von vier Knieoperationen verkündete er vergangene Woche seinen Abschied vom FC Bayern München. Der ehemalige Star des deutschen Fußballs, vom Kolumnisten Paul Breitner gar zum Jahrhundert-Talent geadelt, braucht sich um seine finanzielle Zukunft wenig Sorgen zu machen. Auf eine zweistellige Millionensumme wird sein Vermögen geschätzt. Auch Jens Nowotny, der gestern wegen des immer labilen Knies bekannt gab, nie wieder Fußball zu spielen, muss eigentlich keine Angst vor der Zukunft haben.

Nur neun Prozent der Profis geht es wie Deisler und Nowotny. Zu diesem Ergebnis kommt die Vermögensberatung Daudert und Daudert. Jeder vierte Spieler war nach der aktiven Zeit pleite, 26 Prozent der Befragten hatten am Ende sogar mehr Schulden als Vermögenswerte. Neben der finanziellen Absicherung geht es für Deisler, Nowotny und Kollegen um die Frage der beruflichen Zukunft, unabhängig vom schnöden Mammon. Es ist die existenzielle Frage nach dem Lebenssinn.

Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV), trennt generell zwischen finanzieller Absicherung und beruflicher Selbstverwirklichung. „Es gibt keinen Profi, der sagt, er habe so viel Geld, dass er nicht mehr arbeiten wolle.“ Im Vordergrund stehe hierbei, sich ein neues Selbstwertgefühl zu besorgen. Und: „Viele wollen als Privilegierte der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt Baranowsky.

Die VdV stützt sich dabei auf die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Jahr 2003 mit dem Titel „Karriereanstöße – Nachfußballerische Berufsplanung“. Die 222 befragten Fußballer ließen deutliche Defizite bei der Planung ihres „zweiten Lebensabschnitts“ erkennen. „In aller Regel vernachlässigen junge Spieler mit ihrem ersten Profivertrag die berufliche Entwicklung außerhalb des Fußballs“, heißt es in der Umfrage.

Frank Günzel versucht, den Profis einen besseren Übergang in die nachfußballerische Karriere zu ermöglichen. Seit August vergangenen Jahres arbeitet er als offizieller Laufbahncoach im VdV. Schließlich beenden nach jeder Saison etwa hundert Profi-Fußballer in Deutschland ihre Karriere. Und „die meisten bringen kaum berufliche Qualifikationen mit“. Günzel hat bisher rund 50 Einzelgespräche geführt. Über diese Gespräche hinaus plant die VdV Berufsziel-Findungs-Seminare anzubieten. Fernschulen wie das Studieninstitut für Sport, Freizeit und Touristik (IST) in Düsseldorf und das Institut für Lernsysteme (ILS) in Hamburg kooperieren mit der VdV. Per Fernstudium können Fußballer dort Bildungsabschlüsse erwerben. Von Baranowsky gern erwähnte Musterbeispiele einer erfolgreichen Nachkarriereplanung sind die beiden Ex-Nationalspieler Stefan Kuntz und Michael Preetz. „Sie haben über unsere Bildungspartner eine Ausbildung im Sportmanagement gemacht“, sagt Baranowsky. Michael Preetz ist heute Assistent im Vorstand bei Hertha BSC, Stefan Kuntz Vorstand Sport beim VfL Bochum.

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