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31.03.2006

12:54 Uhr

Fußballfest

Die Stimmung hellt sich auf

VonGregory Lipinski

Pünktlich zur Eröffnung der WM will Corny Littmann, Präsident des Kultfußballvereins FC St. Pauli, den Spielbudenplatz nahe der legendären Polizeistation "Davidswache" wiederbeleben. Riesige Show-Bühnen sollen die Fußball-Fans auf die bekannteste Amüsiermeile der Welt locken.

HAMBURG. Striptease-Lokale, grelle Nachtbars und schrille Discos - die Reeperbahn auf St. Pauli lockt seit Jahren Tausende von Touristen nach Hamburg. Nun bekommt die sündige Meile weiteren Zulauf. Pünktlich zur Eröffnung der WM will Corny Littmann, Präsident des Kultfußballvereins FC St. Pauli, den Spielbudenplatz nahe der legendären Polizeistation "Davidswache" wiederbeleben. Riesige Show-Bühnen sollen die Fußball-Fans auf die bekannteste Amüsiermeile der Welt locken. "Wir rechnen gerade an den Wochenende mit Tausenden von Besuchern, natürlich vor allem in der Sommerzeit", sagt Littmann dem Handelsblatt.

Für Littmann ist das Vorhaben lebenswichtig: Er hofft auf mehr Besucher für seine beiden Comedy-Theater "Schmidts" und "Schmidts Tivoli" und hat sich daher gemeinsam mit "Panoptikum" sowie dem Operettenhaus am Betreiberkonsortium für den Spielbudenplatz beteiligt. Auch Hamburgs Senator für Stadtentwicklung, Michael Freytag, hält das Projekt für vielversprechend: "Seit 30 Jahren ist der Spielbudenplatz in der Diskussion - pünktlich zur WM wird er endlich wiederbelebt."

Die Hamburger Immobilienmakler sind hingegen skeptisch, dass die vierwöchige Fußball-WM das Bild der Elb-Metropole nachhaltig verändert. Dennoch hoffen sie, dass der Gewerbe- und Wohnimmobilienmarkt in Hamburg Wachstumsimpulse erhält. "Es werden zwar keine neuen Projekte wegen der WM realisiert, aber bestehende Vorhaben können beschleunigt werden", meint Andreas Rehberg, Geschäftsführer bei Grossmann & Berger, der Immobilientochter der Hamburger Sparkasse (Haspa). Dazu gehören beispielsweise der Umbau der noblen Hamburger Einkaufsmeilen "Neuer Wall" sowie "Jungfernstieg" in der City oder die Erweiterung des Flughafens.

Rehberg geht aber davon aus, dass das Sportereignis langfristig auf die Hansestadt nachwirkt. "Durch die WM hat Hamburg die Chance, sich einem weltweiten Publikum zu präsentieren und für sich zu werben. Eventuell werden interessante, auswärtige Unternehmen durch das Ereignis WM auf Hamburg aufmerksam." Sie könnte möglicherweise ihren Firmensitz in die Hansestadt verlegen oder Deutschland-Dependance eröffnen.

Neue Firmengründungen hätten nach Ansicht von Peter Landmann, Vorsitzender des Hamburger Immobilienverbands IVD Nord, positive Effekte auf den Wohnungsmarkt. "Die spürbare optimistische Zukunftserwartung könnte sehr schnell auf den privaten Markt mit Häusern und Grundstücken überspringen. Dabei könnte die Fußball-WM die Rolle eines Stimmungaufhellers übernehmen", meint Landmann. Die anziehende Nachfrage werde zudem die Immobilienpreise beflügeln. In der Hansestadt kostet ein Einfamilienhaus rund 100 000 bis 200 000 Euro weniger als in Düsseldorf, München oder Frankfurt: im Schnitt liegt der Preis bei rund 400 000 Euro.

Skeptischer ist hingegen Thomas Kubicki, geschäftsführender Gesellschafter von Garbe, einer der führenden norddeutschen Immobilienentwickler: "In Hamburg finden nur fünf der insgesamt 64 Begegnungen statt. Das genügt nicht, um direkte Auswirkungen auf den Immobilienmarkt hervorzurufen - wenn man eine temporäre Vollauslastung der Hotelkapazitäten einmal außer Acht lässt."

Auch Rose Pauly, Präsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Hamburg, steht der Fußball-WM mit gemischten Gefühlen gegenüber. Sie rechnet zwar mit einem Zuwachs bei den Übernachtungen von rund zehn Prozent. Doch die Hamburg stattfindenden Spiele dürften keine große Sogwirkung auf die Stadt haben, vor allem ausländische Besucher werden kaum nach Norddeutschland reisen. "Das Spiel gegen Italien ist vielleicht das einzig interessante, andere dagegen weniger", meint Pauly. Viele Unternehmen würde zudem ihre Geschäftstagungen während der Spiele in andere Städte verlegen. In Hamburg übernachteten im vergangenen Jahr mehr als sechs Mill. Gäste, 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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