Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2017

20:15 Uhr

Gegen Hoeneß als Chefaufseher

Der falsche Mann für den Aufsichtsrat

VonSönke Iwersen

Uli Hoeneß ist Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG. Soll er doch, mag man da sagen, er hat ja gebüßt. Doch es ist ein schwarzer Tag für den deutschen Fußball – und die deutsche Wirtschaft. Ein Kommentar.

Uli Hoeneß ist nicht als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München geeignet. Reuters, Sascha Rheker

Das falsche Mann

Uli Hoeneß ist nicht als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München geeignet.

DüsseldorfÜber die Frage, ob Uli Hoeneß ein geeigneter Aufsichtsrat für die FC Bayern München AG ist, lässt sich nicht streiten. Natürlich ist er es nicht. Wer darüber nachdenken muss, ob Hoeneß an die Spitze von Deutschlands größten Fußballunternehmen gehört, kann von sauberer Unternehmensführung nicht viel verstehen. Das ist verheerend, gehören die Männer, die Hoeneß am Montag trotzdem an die Spitze des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG gewählt haben, doch zu den mächtigsten Wirtschaftsbossen unseres Landes. Das Problem ist schlimmer als gedacht.

Uli Hoeneß ist ein verurteilter Straftäter. Dass er erwischt wurde, hat Hoeneß nicht seinem eigenen Gewissen zu verdanken, wie er gern behauptet. „Ich hatte eine Selbstanzeige aufgegeben, habe mich also selbst belastet“, sagte Hoeneß am 2. Mai 2013 der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, als sie ihn nach dem Ende seiner Steuerhinterziehung fragte. Was Hoeneß unterschlug: Er machte die Selbstanzeige erst, als ihn das Magazin „Stern“ anrief und nach Auskunft über seine Spekulationsgeschäften bat.

Was hat das mit dem FC Bayern München zu tun? Viel mehr, als einem recht sein kann. Glaubt man Hoeneß, dann kam das Startkapital für seine Geldspiele Anfang des Jahrtausends von Robert Louis-Dreyfus. Ganz privat und ohne jeden Hintergedanken soll der damalige Adidas-Chef dem damaligen Bayern-Manager erst fünf Millionen und dann nochmal 15 Millionen D-Mark spendiert haben. Dass Bayern damals heftig vom Adidas-Konkurrenten Nike umworben wurde, aber trotz hochattraktiver Angebote nie zum Zug kam? Reiner Zufall.

Für Hoeneß als Chefaufseher: Mitgefühl schlägt kalte Regeln

Für Hoeneß als Chefaufseher

Mitgefühl schlägt kalte Regeln

In der inzwischen von Unternehmen geprägten Fußball-Bundesliga ist Uli Hoeneß ein Vorbild, wenn es um Unternehmensführung geht. Nicht nur dieser Sachverstand macht ihn zum wertvollen Bestandteil der Liga. Ein Kommentar.

Reiner Zufall war natürlich auch, dass Louis-Dreyfus bei Bekanntwerden von Hoeneß‘ Steuerhinterziehung längst verstorben war und keine Behauptung von Hoeneß dementieren konnte, und sei sie auch noch so absurd. Und so konnte die Öffentlichkeit lange fragen, ob die vielen Millionen Euro auf einem geheimen Nummernkonto in der Schweiz nicht doch eine schwarze Kasse für den Verein sein mochten, für den Uli Hoeneß nach eigener Aussage einfach alles tat. Die Fragen wurden weggewischt.

Die Öffentlichkeit soll einem Mann glauben, dessen Lügen sie nachlesen kann. In seinem Zeit-Interview 2013 sagte Hoeneß nicht nur, er habe seine Steuerhinterziehung selbst aufgeklärt. Er sagte auch, er habe mit der „Selbstanzeige reinen Tisch gemacht.“

Doch wie war das genau mit der Selbstanzeige? War nicht anfangs von 3,5 Millionen Euro Steuerschuld die Rede? Und sprach Hoeneß' Anwalt vor Gericht 2014 nicht plötzlich von 18 Millionen Euro? Als die Staatsanwältin jedenfalls alles genau nachgerechnet hatte, war das Volumen der hinterzogenen Beträge plötzlich auf mehr als 27 Millionen Euro gewachsen. Hoeneß hatte keinen reinen Tisch gemacht. Er hatte betrogen, und dann den Betrug kleingeredet. Sehr klein.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Georg Strömer

07.02.2017, 08:51 Uhr

Mutiger und richtiger Artikel. Da werden sicher noch einige heftige Kommentare folgen. Aber dann ist Presse auf dem richtigen Weg, wenn die Reaktionen heftig sind..

Herr San Yukon

07.02.2017, 09:37 Uhr

Herr Sönke Iwersen hat im Gegensatz zu Hoeneß ja schon so viel erreicht, zumindest wenn man sich die Vita bei Wikipedia anschaut. Der einzige Abschluß??? scheint wohl die Journalistenschule zu sein. Wem man im Leben nichts vorweisen kann, dann pöbelt man einfach rum.

Account gelöscht!

07.02.2017, 10:24 Uhr

Zumindest ist er ein hervorragendes Vorbild für unsere Kids.

Ein Handy haben sie schon. Fußballspielen und den Rest -wie man z.B. auch zockt - kann man lernen.

Und wie man sich integriert haben wir von Frau Kanzlerin gesehen, wie sie den Spieler Özil als hervorragendes Beispiel einer gelungenen Integration genannt hat.

Wie man Steuern verlagert machen uns Özil, Messi und Rinaldo & Co. vor. Was soll uns passieren?

Zumindest spielen sie noch. Ob wohl bei der Steuerhinterziehung Unterschiede gemacht werden?




Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×