Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2016

16:42 Uhr

Gehälter im Fußball explodieren

Ronaldo, Poldi und der Größenwahn in China

VonThomas Schmitt

China lockt bekannte Kicker mit astronomischen Gehältern nach Fernost. Das ist nicht gesund. So steuert der chinesische Fußball in eine Sackgasse. Und die Geschäfte rund um das Spiel werden riskanter. Ein Kommentar.

Wechselt die kölsche Frohnatur von Istanbul nach Fernost? Die Chinesen locken den Weltmeister mit einem Jahresgehalt von neun Millionen Euro. dpa

Lukas Podolski

Wechselt die kölsche Frohnatur von Istanbul nach Fernost? Die Chinesen locken den Weltmeister mit einem Jahresgehalt von neun Millionen Euro.

DüsseldorfDie Gehälter für Fußballstars erreichen astronomische Höhen. Auslöser der neuen Preisspirale für Topkicker ist die chinesische Fußballliga, die derzeit im Geld schwimmt. Sponsoren, Fernsehanstalten und der Staat drücken viel Geld in das Geschäft. Das ist auch nötig, denn freiwillig wechseln die wenigsten Sportler nach Fernost.

Nur durch irre hohe Gehälter bringen die Chinesen Altstars oder geldgierige Kicker im besten Fußballalter dazu, überhaupt über einen Wechsel nachzudenken. Die Spieler und ihre Berater pokern dabei hoch, wie zuletzt der Fall des Argentiniers Carlos Tevez zeigte. Der Ex-Stürmer von Juventus Turin wollte eigentlich seine Karriere bei seiner Jugendliebe Boca Juniors langsam ausklingen lassen.

Daraus wird jedoch nun nichts, weil die Chinesen nicht locker ließen und ihn gerade erst zum bestbezahlten Fußballer der Welt machten. Zuerst boten sie ihm angeblich gut 20 Millionen Euro Jahresgehalt. Schon das ist extrem viel, nur die absoluten Superstars in Spanien oder England erhalten so viel.

Fußball in China: Gehälter und Ablösesummen

Ivan Lavezzi

Der Verein Hebei Fortune zahlt dem 31-Jährigen seit seinem Wechsel von Paris Saint-Germain laut Medienberichten pro Woche 578.000 Euro.

Vergleich mit Ronaldo

Das Wochengehalt von Lavezzi ist um 150.000 Euro höher als das kolportierte Salär von Superstar Cristiano Ronaldo, dem besten Fußballer der Welt.

Investitionen 2016

Rund 540 Millionen Euro zahlten chinesische Clubs 2016 für 95 ausländische Spieler, wie Chinas „Volkszeitung” berichtet. Neue, lukrative Fernsehverträge sowie zahlungskräftige Konzerne als Sponsoren machen es möglich.

Oscar

Im Dezember 2016 folgt der brasilianische Nationalspieler Oscar dem Lockruf aus Fernost: Der 25-Jährige soll ab Januar bei Shanghai SIPG mehr als 21 Millionen Euro im Jahr kassieren, Sky nennt ein Wochengehalt von 417.000 Euro. Der FC Chelsea soll dafür umgerechnet 71,5 Millionen Euro Ablöse erhalten haben. Das ist der bislang teuerste Wintertransfer.

Hulk

Shanghai SIPG hatte zuvor Oscars Landmann Hulk für rund 56 Millionen Euro verpflichtet.

Carlos Tevez

Auch Lavezzis Landsmann Carlos Tevez wechselt zu Shanghai Shenhua – für eine Ablösesumme von elf Millionen Dollar und ein Wochengehalt von 720.000 Euro. Das macht ihn zum bestbezahlten Fußballer der Welt.

Podolski

Zu den Umworbenen gehört Berichten zufolge auch Weltmeister Lukas Podolski von Galatasaray Istanbul. Sein Jahresgehalt könnte bei neun Millionen Euro liegen. So viel verdienen in Deutschland nur Topspieler des FC Bayern.

Ronaldo

Auch Superstar Cristiano Ronaldo gehört offenbar zu den Umworbenen. Ein nicht genannter Klub aus China hat angeblich eine Ablöse von 300 Millionen Euro und ein Jahresgehalt von 100 Millionen Euro angeboten. Zu wenig für den Weltfußballer, er lehnte nach Angaben seines Beraters ab.

TV-Vertrag

Möglich gemacht werden die horrenden Ablösen und Gehälter durch einen lukrativen TV-Vertrag: Umgerechnet eine Milliarde Euro für fünf Jahre.

Bekannte Trainer

Seit Juni trainiert der Deutsche Felix Magath den Klub SD Luneng. Außerdem in China aktiv: Ex-Weltmeister-Trainer Luiz Felipe Scolari, Ex-England-Coach Sven-Göran Eriksson, der Niederländer Clarence Seedorf und der Italiener Marcello Lippi, der Nationaltrainer ist.

Angst in Europa

"Der chinesische Markt ist eine Gefahr für alle, nicht nur für Chelsea, sondern für alle Teams der Welt." Der Teammanager des FC Chelsea, der Italiener Antonio Conte.

Doch in die Kategorie eines Ronaldo oder Messi gehört der inzwischen 32 Jahre alte Tevez fußballerisch und medial sicher nicht. Dennoch überflügelt er den Weltfußballer Ronaldo zunächst einmal. Bei angeblich rund 37 Millionen Euro Jahresgehalt soll er eingeschlagen haben in den Deal. Das bedeutet: Umgerechnet kassiert er in China wohl nun bald 720.000 Euro Gehalt in der Woche.

Dass bei der Gehaltsdebatte der bekanntlich eitle Superstar Cristiano Ronaldo nicht lange fehlen würde, liegt auf der Hand. Schon der Lohn für Tevez ist absurd hoch und nur als pure Geldverschwendung zu bewerten. Vergleiche mit Topmanagern oder anderen Berufsgruppen kann man sich nun völlig sparen. In die Gehaltsdimensionen von Tevez dringen nur noch wenige vor.

Ronaldo kann es sich offenbar noch leisten, die Lockangebote aus China abzulehnen, wie sein Berater nun erzählte. Was dabei am Rande an Zahlen herauskam, ist jedoch noch einmal eine Dimension verrückter als der bereits völlig überzogene Deal mit Tevez. 300 Millionen Ablöse wollen die Chinesen zahlen und 100 Millionen Euro Gehalt im Jahr für Ronaldo hinlegen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.12.2016, 17:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×