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06.09.2016

09:15 Uhr

Gelddruckmaschine Champions League

„Der Fußball verkauft seine Seele“

VonThomas Schmitt

Die Champions League wird zur Gelddruckmaschine für Bayern & Co. Künftig soll allein die ohnehin reiche Elite eine Milliarde Euro kassieren. Der Rest erhält die Krümel. Die finanzielle Kluft im Fußball wird riesig.

Die großen Klubs wollen noch mehr Geld einnehmen. Das könnte ihnen gelingen über die Champions League. Ein neuer Schlüssel für die Verteilung der Gelder wird diskutiert. AP

Milliardengeschäft Fußball

Die großen Klubs wollen noch mehr Geld einnehmen. Das könnte ihnen gelingen über die Champions League. Ein neuer Schlüssel für die Verteilung der Gelder wird diskutiert.

DüsseldorfDie großen Fußballklubs in Europa sind auf dem besten Wege, sich zu milliardenschweren Wirtschaftsunternehmen zu entwickeln. Den Weg frei dafür machen könnte eine Reform der Champions League, geplant von den großen Vereinen. Deren Ziel ist es, rund ein Dutzend Dauergäste in der Königsklasse noch reicher zu machen.

Durch die Königsklasse im europäischen Fußball hat sich bereits eine Zweiklassengesellschaft im Fußball herausgebildet. Nur wer regelmäßig in der Champions League spielt, verfügt über das Geld, um sich dauerhaft einen starken Kader zu leisten. Vereine, die das nicht schaffen, müssen regelmäßig ihre besten Spieler verkaufen. Die Folge: Ein Verlust an sportlicher Konkurrenzfähigkeit.

Der Geldverteilungsplan in der Champions League hatte in den letzten Jahren zur Folge, dass eine Handvoll Vereine den Titel unter sich ausmachten – und dafür regelmäßig das meiste Geld aus der Vermarktung der Königsklasse kassierten. Geld, das sie natürlich wieder in wertvolle Spieler investieren konnten. Wodurch die Chance auf weitere sportliche Erfolge hoch bleibt.

Champions League: Eine Milliarde Euro für elf Klubs

Die Pläne der Klubs

Die Fußballvereine planen einen neuen Verteilungsschlüssel für die Champions League. Was die Top-Klubs, die zuletzt am besten abschnitten, für die Saison 2015/16 bekommen hätten. Eine Simulation.

Quelle: Kicker, 5. September 2016

Real Madrid

136 Millionen Euro – Champions-League-Sieger

Atlético Madrid

118 Millionen Euro – Champions-League-Finalist

Bayern München

108 Millionen Euro – Halbfinale erreicht

Manchester City

104 Millionen Euro – Halbfinale erreicht

Paris St. Germain

96 Millionen Euro – Viertelfinale erreicht

FC Barcelona

94 Millionen Euro – Viertelfinale erreicht

FC Chelsea

93 Millionen Euro – Achtelfinale erreicht

Juventus Turin

92 Millionen Euro – Achtelfinale erreicht

Benfica Lissabon

77 Millionen Euro – Viertelfinale erreicht

FC Arsenal

74 Millionen Euro – Achtelfinale erreicht

VFL Wolfsburg

66 Millionen Euro – Viertelfinale erreicht

Real Madrid, FC Barcelona, Manchester City, Bayern München, Paris SG oder Juventus Turin reicht das aber noch nicht. Sie wollen noch mehr Geld aus der Champions League herausholen – und haben offenbar derzeit eine gute Chance, das auch umzusetzen. In dieser Woche könnte eine entsprechende Reform auf den Weg gebracht werden, schreibt der „Kicker“ (Montagsausgabe).

Das Fußballfachmagazin hat dazu aus einem internen Papier eine gigantische Zahl parat: Ab 2018 könnten die Vermarktungserlöse des europäischen Fußballverbandes Uefa noch einmal um fast eine Milliarde Euro hochschießen: von 2,35 auf 3,2 Milliarden Euro. Diese Mehreinnahmen sollen aber nicht breit gestreut werden, sondern in wenige Taschen fließen: Elf Klubs bekämen allein rund eine Milliarde Euro.

Dafür sorgt ein neuer Schlüssel zur Verteilung der Einnahmen. Eine Simulation davon zeigt dabei: Wer wie Real Madrid, FC Barcelona, Atlético Madrid oder Bayern München regelmäßig mindestens im Halbfinale landet, kann mit einem Geldregen von mehr als 100 Millionen Euro rechnen. Wenn man wie Borussia Mönchengladbach sang- und klanglos ausscheidet, ist nur ein Drittel davon drin. 

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