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25.11.2014

21:02 Uhr

Generalsekretär Jérôme Valcke

Fifa-Image auf Jahre beschädigt

Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke hat eine schonungslose Analyse zur Lage des skandalumtosten Weltverbandes offengelegt. Auf Jahre sei das Image beschädigt. Sorgen um die prall gefüllten Konten macht er sich nicht.

Trotz allem: „Ich weiß, dass der Fußball immer noch ein sehr starkes Produkt ist, und ich mache mir nicht wirklich sorgen um die Finanzen der Fifa“, sagte Valcke. dpa

Trotz allem: „Ich weiß, dass der Fußball immer noch ein sehr starkes Produkt ist, und ich mache mir nicht wirklich sorgen um die Finanzen der Fifa“, sagte Valcke.

Tokio/BelfastMit überraschend deutlichen Worten hat Generalsekretär Jérôme Valcke ein schonungsloses Selbstbildnis der FIFA gezeichnet und dem skandalumtosten Fußball-Weltverband eine schwierige Zukunft prophezeit. „Dinge passieren, Dinge sind passiert, aber wir machen auch weiterhin gute Sachen. Dieses Image müssen wir jeden Tag wieder hervorheben. Es ist leicht einen Ruf zu zerstören. Es dauert nur eine Sekunde. Es dauert Jahre, unseren Ruf wieder herzustellen, aber das werden wir machen“, sagte Valcke nach der Sitzung des Regelgremiums IFAB am Dienstag in Belfast.

Durch die scharf kritisierten Ermittlungsergebnisse zu den Korruptionsvorwürfen gegen die kommenden WM-Gastgeber Russland 2018 und Katar 2022 habe die FIFA ein bislang nicht gekanntes schlechtes Niveau in der Öffentlichkeitswahrnehmung erreicht. „Das Image der FIFA ist in den vergangenen zwei Wochen, da stimme ich zu, nicht am Tiefpunkt, aber es hat ein Level erreicht, das definitiv ein Level ist, das wir nicht mehr unterschreiten werden“, sagte der Franzose.

Der Dissens zwischen Chefermittler Michael Garcia und Richter Hans-Joachim Eckert innerhalb der FIFA-Ethikkommission habe ein fatales Signal gesendet. „Es wird gesagt, das ist ein bisschen FIFA gegen FIFA“, sagte Valcke. „Das ist traurig für die FIFA, sicherlich. Und es ist traurig für unseren Ruf und unser Image. Es ist traurig für unsere Wirtschaftspartner, es ist traurig für alle Menschen, die den Fußball unterstützen“, sagte Valcke, der schon häufiger mit verbalen Offensiven für Aufsehen gesorgt hatte.

Fifa: Die Organisation des Fußballweltverbandes

Fifa-Kongress

Er ist die Vollversammlung des Fußball-Weltverbandes. Der Kongress wird von den 209 nationalen Mitgliedsverbänden gebildet und ist das höchste legislative Gremium der Fifa. Jeder Verband hat dabei eine Stimme. Der Kongress tritt mindestens einmal im Jahr zusammen. Er trifft Entscheidungen über die Fifa-Statuten und über die Aufnahme oder den Ausschluss von Mitgliedern.

Aufgaben des Kongresses

Zu den wichtigen Aufgaben des Kongresses gehört auch die Wahl des Fifa-Präsidenten. Künftig soll die Vollversammlung darüber entscheiden, wer die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet - wie, ist aber noch offen. Mit dieser Reform aus dem Jahr 2011 reagierte der Verband auf die schweren Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Titelkämpfe 2018 nach Russland und 2022 nach Katar.

Exekutivkomitee

Das Exekutivkomitee ist das ausführende Organ der Fifa, vereinigt aber sehr viel Macht auf sich. Kopf ist der auf vier Jahre gewählte Präsident, seit 1998 Joseph Blatter. Darüber hinaus gehören dem Komitee 24 Mitglieder an, darunter acht Vizepräsidenten. Sie werden nicht vom Kongress gewählt, sondern durch die Fußball-Konföderationen (Kontinentalzusammenschlüsse) und Verbände ernannt.

Aufgaben

Das Exekutivkomitee ernennt die Vorsitzenden und die Mitglieder der Ständigen Kommissionen, zum Beispiel für Finanzen und für Medizin. Es besetzt aber auch Rechtsorgane wie zum Beispiel die Ethikkommission, die sich um Betrugsvorwürfe kümmert. Bis 2011 bestimmte das Exekutivkomitee den Ort und die Daten der Fußball-Weltmeisterschaften.

Verdacht

Am Prinzip wurde erst gerüttelt, als zehn Mitglieder des Exekutivkomitees unter Korruptionsverdacht standen. Einige wurden suspendiert, andere lebenslang gesperrt - wie im Juli 2011 Fifa-Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam aus Katar. Die Ethikkommission sah es als erwiesen an, dass er Stimmen für seine Wahl zum Fifa-Chef kaufen wollte - bin Hammam bestritt das. Fifa-Vize Jack Warner trat bereits im Juni 2011 von allen Ämtern zurück, die eingeleiteten Verfahren wurden damit einfach beendet.

Präsident

Seit 1998 steht der Schweizer Joseph Blatter an der Spitze der Fifa. Bei den beiden letzten Wahlen hatte er keinen Gegenkandidaten. Trotz der Korruptionskrise wurde Blatter Anfang Juni 2011 mit großer Mehrheit wiedergewählt - 186 der 203 abstimmenden Delegierten votierten für ihn. Allein schon eine Verschiebung dieser Wahl zur Klärung aller Vorwürfe wäre schwierig geworden. Denn dafür ist eine Dreiviertel-Mehrheit der 209 Mitgliedsverbände nötig.

Aufgaben

Der Präsident führt nicht nur die Kongressverhandlungen. Über das Exekutivkomitee, das er einberuft und leitet, hat er ebenfalls große Machtfülle. Bei Patt-Situationen in Abstimmungen gibt seine Stimme den Ausschlag. Auf Vorschlag des Präsidenten ernennt und entlässt das Exekutivkomitee auch den Generalsekretär, der die Verwaltung der Fifa leitet. Um den Präsidenten zu zwingen, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen, müssen sich mindestens 13 der 24 Mitglieder auf einen Antrag dafür einigen.

Einen Zusammenhang der jüngsten Erschütterungen und dem erwarteten Ausstieg der FIFA-Sponsoren Emirates und Sony zum Jahresende wies Valcke zurück. „Sony und Emirates haben nichts mit der Situation zu tun, der wir uns in den vergangenen Tagen ausgesetzt sehen“, sagte Valcke.

Mitten in der größten Krise ihrer Geschichte muss sich die FIFA nach zwei neuen Geldgebern umschauen. Der Elektronikriese Sony wolle angesichts der internen Sanierungsanstrengungen seinen Ende 2014 auslaufenden Acht-Jahres-Vertrag mit dem Fußball-Weltverband nicht erneuern, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Dienstag. Valcke bestätigte dies praktisch: Er „wäre überrascht“, wenn Sony den Kontrakt verlängern würde, sagte er.

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