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13.01.2016

13:30 Uhr

Gesperrter Generalsekretär

Fifa feuert Jérôme Valcke

Erst für neun Jahre gesperrt, jetzt endgültig Weg vom Fenster: Die Fifa trennt sich per sofort vom suspendierten Generalsekretär Valcke. Ein anderer Angeklagter Fußballfunktionär wurde nach wochenlanger Flucht verhaftet.

Jérôme Valcke ist von der Fifa entlassen worden. Reuters

Jetzt endgültig Ex-Generalsekretär

Jérôme Valcke ist von der Fifa entlassen worden.

ZürichJérôme Valcke ist mit sofortiger Wirkung als Generalsekretär des Fußball-Weltverbandes entlassen worden. Auch das Arbeitsverhältnis mit dem 55-Jährigen sei beendet, teilte die Fifa am Mittwoch in einer Stellungnahme nach einem Beschluss des Dringlichkeitskomitees mit. Dem langjährigen Fifa-Funktionär wird Korruption vorgeworfen.

Valcke war am 17. September 2015 suspendiert worden. Am 8. Oktober verhängte die Ethikkommission der Fifa eine vorläufige Sperre von 90 Tagen gegen den Franzosen. Die rechtsprechende Kammer der Fifa-Ethikkommission eröffnete dann unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert am Donnerstag vergangener Woche ein formelles Verfahren gegen Valcke.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

Der im Korruptionsskandal angeklagte Chef des guatemaltekischen Fußballverbands wurde derweil nach wochenlanger Flucht verhaftet. Brayan Jiménez sei in einer Wohnung in einer gut situierten Wohngegend von Guatemala-Stadt gefasst worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag mit. Der Funktionär wurde einem Haftrichter vorgeführt, um seine Aussage zu machen.

Die US-Behörden haben Jiménez und zahlreiche weitere Fußballfunktionäre aus Süd- und Mittelamerika wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vermarktung internationaler Turniere angeklagt. Gegen Jiménez liegt ein guatemaltekischer Haftbefehl und ein Auslieferungsbegehren der USA vor. Ihm werden Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vorgeworfen.

Jiménez und der frühere Generalsekretär des guatemaltekischen Fußballverbandes, Héctor Trujillo, sollen beim Verkauf von Fernsehrechten für Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 über 400 .000 US-Dollar an Schmiergeldern kassiert haben.

Mitte Dezember hatte die Fifa den guatemaltekischen Fußballverband unter Zwangsverwaltung gestellt. Ein sogenanntes Normalisierungskomitee führt bis auf weiteres die Geschäfte und soll Neuwahlen organisieren.

Von

dpa

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