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22.05.2014

11:48 Uhr

Gewalt vor der Weltmeisterschaft

Durch Brasilien rollt eine Protestwelle

VonAlexander Busch

Drei Wochen vor der WM steht Brasilien still: Alle möglichen Berufsgruppen versuchen die Regierung mit Demos zu erpressen. Die Anti-WM-Bewegung scheint jedoch an Stärke zu verlieren.

Mitglieder der Arbeiterbewegung bei einer Protestveranstaltung gegen die Fußball-Weltmeisterschaft hinter einer brennenden Reifenbarriere. dpa

Mitglieder der Arbeiterbewegung bei einer Protestveranstaltung gegen die Fußball-Weltmeisterschaft hinter einer brennenden Reifenbarriere.

São PauloErst streikten letzte Woche die Lehrer, Busfahrer und die Bewegung der obdachlosen Arbeiter. Jetzt kreuzten die Beamten der Bundes- und Zivilpolizei landesweit die Arme. Drei Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft vergeht inzwischen kein Tag mehr, an dem in den zwölf Austragungsorten der Fußballweltmeisterschaft nicht gestreikt wird.

Dabei geht es regelmäßig gewalttätig zu: In Rio fackelten die Protestler an einem Tag 400 Busse ab. Auch in São Paulo werden selbst bei Demonstrationen mit wenigen hundert Teilnehmern Banken, Autohäuser und Fast-Food-Filialen zerstört.

Das Land steht inzwischen mehr, als dass es sich bewegt: Jede Berufsgruppe, Gewerkschaft oder Interessenkoalition versucht sich mit ihren Forderungen in Position zu bringen. Die Demonstranten wissen, dass sie derzeit ohne großes Risiko mächtig Druck machen können.

Fußballstadien Brasilien

Rio de Janeiro

Als das Maracanã-Stadion 1950 fertig wurde, passten 200.000 Zuschauer in die Arena. Zur WM-2014 wird das Fassungsvermögen der Arena auf 77.000 Plätze reduziert. Damit aber bleibt es immer noch das größte Stadion Brasiliens.

Sao Paulo

Das Stadion im Stadtteil Itaquerão soll 65.000 Zuschauern Platz bieten. Nach der WM wird das Stadion die Heimstätte vom Lokalclub Corinthians Paulista.

Salvador da Bahia

Die Stadt bekommt zur WM das neue Fonte-Nova-Stadion mit 56.500 Plätzen.

Recife

Das Stadion Pernambuco wird neu gebaut. Es soll 180 Millionen Euro kosten und 44.000 Zuschauern Platz bieten.

Pôrto Alegre

Lange rührte sich auf der Baustelle des River Bank Stadions gar nichts. Der Verein Internacional stritt mit dem Bauunternehmen. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Das Stadion wird modernisiert. Es soll bei der WM 50.300 Zuschauern Platz bieten.

Natal

Der Neubau in der ostbrasilianischen Stadt Natal wird voraussichtlich 400 Millionen Real (149 Millionen Euro) kosten. Die „Dünen-Arena“ entsteht auf dem Gelände des gesprengten Machadão-Stadions und wird bei der WM 2014 rund 42.000 Zuschauern Platz bieten. Die Fertigstellung soll 2013 erfolgen.

Manaus

Auch hier wurde ein altes Stadion abgerissen, um einem neuen Platz zu machen. Die Amazônia-Arena ist im Rahmen eines neuen Sportparks mit Sambadrom, Schwimmhalle, Leichtathletikanlagen und weiteren Sporthallen geplant. Der Name des neuen Stadions leitet sich aus der unmittelbaren Nähe der Stadt Manaus zum tropischen Regenwald des Amazonas-Gebietes ab. Rund 43.000 Zuschauer sollen in dem neuen Stadion Platz finden, dessen Baukosten bei 533 Millionen Real (rund 200 Millionen Euro) liegen. Mit der Fertigstellung wird 2013 gerechnet.

Fortaleza

Das 1973 erbaute Estádio Governador Plácido Castelo, besser bekannt unter dem Namen Castelão, wurde vollkommen umgebaut und bietet nun bis zu 64.846 Zuschauern Platz. Die Umbaumaßnahmen sind bereits abgeschlossen und so steht das Stadion für den Confederations Cup in diesem Jahr bereits zur Verfügung. Der Umbau des Stadions hat 486 Millionen Real (180 Millionen Euro) gekostet. (Foto vom Dezember 2012)

Cuiabá

Diese neue Fußballarena wird auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Verdão-Stadions gebaut. Nach der WM 2014 kann das Stadion auch als Mehrzweckarena genutzt werden. Das Baukastenprinzip ermöglicht eine nachträgliche Verkleinerung bei geringer Auslastung. Während der WM 2014 sollen hier knapp 43.000 Fans Platz finden. Das Stadion soll bis 2014 fertig werden und kostet 597 Millionen Real (222 Millionen Euro).

Belo Horizonte

Das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte wurde im Dezember im Beisein der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff eingeweiht. Allerdings ging es beim Eröffnungsspiel Anfang Februar drunter und drüber. Das Stadion verfügt über 66.800 Plätze. Sechs WM-Partien werden dort ausgetragen, einschließlich einer Halbfinalpaarung.

Brasilia

Das alte Estádio Mané Garrincha, das inzwischen fast vollständig abgerissen wurde, macht Platz für eine Arena, die über eine neue Fassade, eine Dachkonstruktion aus Metall, neue Tribünen sowie eine abgesenkte Spielfläche verfügen wird. Das 1974 erbaute Nationalstadion wird umfassend umgebaut, wobei die Sitzplatzanzahl von 42.200 auf über 70.000 erhöht wird. Der Umbau ist mit 671 Millionen Real (250 Millionen Euro) recht kostenintensiv und soll im April 2013 abgeschlossen werden. Hier werden auch einige Fußballpartien der Olympischen Sommerspiele sowie das Eröffnungsspiel des Confederations Cup ausgetragen.

Curitiba

Die Baixada-Arena in Curitiba wurde bereits 1914 erbaut und zählt zu den kleineren WM-Spielstätten in Brasilien. Die Arena mit ehemals 28.272 Plätzen wurde zwar zwischen 1997 und 1999 komplett neu errichtet, doch für die anstehende WM war eine erneute Modernisierung von Nöten. Bis zur WM soll die Baixada-Arena ihre Kapazität auf 41.375 Plätze erhöhen. Die Modernisierung kostet 220 Millionen Real, das sind umgerechnet 82 Millionen Euro.

Denn drei Wochen vor der WM haben die meisten Bundesregierungen ihre Polizeieinheiten angewiesen, die Demonstrationen auf keinen Fall zu unterdrücken. Mehrfach schon haben knüppelnde Polizisten und von Gummigeschossen der Polizei verletzte Demonstranten für schlechte Schlagzeilen gesorgt.

Die will die Regierung jetzt auf jeden Fall vermeiden. Deswegen können auch ein paar hundert Demonstranten ganze Avenidas in Rio für Stunden stilllegen. In São Paulo entschloss sich eine Minderzeit von Busfahrern trotz der Einigung ihrer Gewerkschaft mit der Regierung weiterhin zu streiken.

Die Fahrer stellten die Busse mitten im Verkehr ab, durchstachen die Reifen und warfen die Schlüssel weg. Seit zwei Tagen fahren in São Paulo kaum noch Busse. Der chaotische Verkehr der 11-Millionen-Einwohner-Stadt wird vollends gelähmt durch historische Staus.

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