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22.07.2015

20:01 Uhr

Gladbachs Sportdirektor über Bundesliga-Transfers

Eberl sieht englische Milliardengewinne als Chance

Von den hohen Fernsehgeldern in England wollen sich auch die Bundesligaclubs einen Teil sichern. Dennoch wächst die Sorge über zu hohe Ablösesummen. Ob das für den englischen Fußball gut ist, wird auch bezweifelt.

Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl sieht auch die Chancen der hohen Transfersummen für die Nachwuchsförderung. dpa

Max Eberl

Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl sieht auch die Chancen der hohen Transfersummen für die Nachwuchsförderung.

Düsseldorf Mit zum Teil großer Besorgnis, aber auch ersten Lösungsansätzen reagiert die Fußball-Bundesliga auf die explodierenden Preise bei Spielertransfers. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur vor dem Saisonstart äußerten sich Trainer und Manager der deutschen Erstligaclubs.

„Die Engländer überholen uns gerade links und rechts im TV-Geld, im Marketing, in Aktivitäten am Transfermarkt. Ich glaube, die Bundesliga muss aufpassen, dass sie nicht den Anschluss verliert“, warnte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Dirk Schuster, Trainer vom Aufsteiger Darmstadt 98, brachte es auf den Punkt. „Wenn der Absteiger in England mehr Fernsehgelder bekommt als bei uns der FC Bayern, ist das schon bedenklich.“

Der Markt in England wird durch einen gigantischen Fernsehvertrag, der den Clubs von 2016 bis 2019 fast sieben Milliarden Euro beschert, alles überstrahlen. Zum Vergleich: Die Bundesliga hat für ein Paket bis 2017 2,5 Milliarden Euro sicher. Die Folge: Schon jetzt zahlen englische Clubs Ablösesummen in schwindelerregender Höhe. In Nachwuchstalent Raheem Sterling investierte Manchester City 62,5 Millionen Euro, Liverpool sicherte sich für 41 Millionen Euro den Hoffenheimer Roberto Firmino. Und das seien erst die Vorboten, meinte Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Denn der neue TV-Vertrag gilt von 2016 an.

Die zunächst einfache Lösung: Spieler nach England verkaufen, viel Geld kassieren. „Von dem vielen Geld, das jetzt in England in den Umlauf kommt, werden auch wir dank der sehr guten Nachwuchsarbeit in Deutschland profitieren - schon in dieser Transferperiode zeigt sich ja, dass die englischen Clubs bereit sind, viel Geld für Spieler aus Deutschland zu bezahlen“, befand Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl. Auch BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hält diesen Weg für richtig. „Wir müssen unseren jungen Spielern wieder mehr vertrauen. Wenn dann der ein oder andere Spieler nach England abwandert, ist das auch nicht dramatisch.“

Leverkusens Sportchef Rudi Völler gibt allerdings zu bedenken, dass höhere Einnahmen durch Spielerverkäufe auch Konsequenzen haben. „Es kann sein, dass wir vielleicht einen Spieler gewinnbringend nach England verkaufen, aber dafür müssen wir dann im Gegenzug für einen anderen mehr bezahlen.“ Michael Frontzeck betonte, dass die hohen Ablösesummen auch aus einem anderen Grunde zustande kommen. „Ich stelle infrage, ob international jeder Spieler wirtschaftlich korrekt bewertet wird, oder eben nicht schon bei den Ausstiegsklauseln völlig unrealistische Transfersummen vertraglich fixiert werden“, sagte Hannovers Trainer.

Klaus Allofs, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, meinte, dass man finanziell ohnehin nicht mit der Premier League mithalten könne. „Deshalb gilt es, auf dem Transfermarkt schneller und cleverer zu sein als die ausländische Konkurrenz“, sagte Allofs. Allerdings zählt der VfL zu den Clubs, die auch schon mehr als 30 Millionen Euro in einen Spieler investieren konnten.

Grundsätzlich hoffen alle Clubs auf steigende TV-Einnahmen für die Bundesliga im nächsten Fernsehvertrag. „Ich denke, dass die DFL das bestmögliche Ergebnis herausholen wird. Aber die englischen Vereine sind da Jahre voraus, auch was die Auslandsvermarktung betrifft. Das muss die Bundesliga erst mal aufholen“, erklärte Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner.

Nach Meinung von Watzke hat der Kaufrausch auf der Insel auch Konsequenzen. „Die Engländer können ihren Weg gehen. Aber das wird wahrscheinlich dazu führen, dass sie nie mehr Weltmeister werden. Das ist die Kehrseite der Medaille. Zu viel Geld hemmt häufig die Kreativität.“

Von

dpa

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