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12.05.2016

13:47 Uhr

Götze soll beim FC Bayern gehen

Weltmeister, kaum gebraucht, umständehalber abzugeben

Der FC Bayern München schiebt den einstmals wertvollsten Nachwuchsspieler der Welt ab. Wenn Mario Götze spielen möchte, muss er den Verein verlassen – so die Quintessenz eines Gesprächs mit Neu-Trainer Carlo Ancelotti.

Vor zwei Jahren das Siegtor im Finale der WM geschossen, jetzt unerwünscht: Bayern-Star Mario Götze. dpa

Schwere Bürde

Vor zwei Jahren das Siegtor im Finale der WM geschossen, jetzt unerwünscht: Bayern-Star Mario Götze.

MünchenMitten in der heiß diskutierten Zukunftsfrage zählt für Mario Götze eines ganz besonders: die Fußball-Europameisterschaft. Wenn Joachim Löw am Dienstag den vorläufigen EM-Kader für die Endrunde vom 10. Juni bis zum 10. Juli 2016 beruft, darf sich der 23-Jährige in spannenden Tagen über ein bisschen Gewissheit freuen. Dass der Siegtorschütze des WM-Finales in den erlesenen Kreis für das Projekt EM-Titel berufen wird, ist sicher. Die „großartigen Fähigkeiten“ des bei ihm im Aufgebot gesetzten Götze hatte der Bundestrainer nicht nur einmal betont.

Offener denn je ist dagegen die Vereinszukunft - trotz eines Vertrages beim FC Bayern bis zum 30. Juni 2017. Neu-Trainer Carlo Ancelotti soll dem einstigen Dortmunder Fußball-Genius das eröffnet haben, was sich in den vergangenen Wochen abzeichnete.

FC Bayern: Wer kommt, wer geht?

Superkader

Der FC Bayern hat seinen Ruf als Käuferclub eindrucksvoll unterstrichen, doch auch die Münchner werden in diesem Sommer wohl Stars verkaufen. Nach den Zugängen von Mats Hummels und Renato Sanches sinken die Chancen anderer auf Einsatzzeit.

Die 2021er

Bis 2021 laufen die Verträge der Multi-Millionen-Zugänge beim deutschen Fußball-Rekordmeister – so lange wie jene von Thomas Müller, Manuel Neuer, David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez. Mit Robert Lewandowski (2019) würden die Münchner gerne vorzeitig verlängern.

Hummels und Sanches

Hummels komplettiert mit Boateng die Weltmeister-Innenverteidigung. Auf Sanches hält Bayerns künftiger Trainer Carlo Ancelotti auch schon große Stücke. Der Mittelfeldakteur sei ein Spieler, den Ancelotti „gerne verpflichten wollte“, verriet Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Er kann auf der Sechs, speziell auf der Acht, vielleicht sogar auf der Zehn spielen.“

Unzufriedene

Einige Stars allerdings sind nicht zufrieden mit ihrer Einsatzzeit. Nach den Zugängen des Weltmeisters und des portugiesischen Super-Talents sinken die Chancen auf Spielminuten für Mario Götze & Co. weiter.

Mario Götze

Rückkehr zu Borussia Dortmund, Transfer zum FC Liverpool und Ex-Coach Jürgen Klopp - oder lockt doch noch Juventus Turin? Maßgeblich wird die Zukunft des WM-Finaltorschützen aber davon abhängen, wie Neu-Trainer Ancelotti mit dem von Guardiola nicht für die Top-Aufgaben berücksichtigen Offensivspieler plant.

Thiago

„Thiago oder nix.“ Der Wunschspieler von Pep Guardiola half den Bayern in der heißen Phase dieser Saison nicht entscheidend weiter. Hat durch den Zugang von Renato Sanches hochkarätige Konkurrenz im Mittelfeld. Folgt der 25-Jährige daher wie schon bei seinem Wechsel von Barcelona zu den Bayern noch einmal seinem Lehrmeister?

Sebastian Rode

Spekuliert wurde über ein Gladbacher Interesse, aber viele Bundesligisten würden den früheren Eintracht-Leistungsträger gerne nehmen. Nach zwei Spielzeiten bei Bayern steht die Trennung bevor. Die große Konkurrenzsituation im Mittelfeld lässt kaum auf mehr Einsatzzeit hoffen als in dieser für ihn mageren Saison mit 14 Liga-Spielen, meist als Teilzeitarbeiter.

Mehdi Benatia

Immer wieder fiel der Marokkaner verletzt aus. Der zwei- und kopfballstarke Innenverteidiger konnte nie zeigen, ob er den Bayern dauerhaft helfen könnte. Kam für geschätzte 28 Millionen Euro vom AS Rom und hat einen Vertrag bis 2019.

Serdar Tasci

Kam in höchster Abwehrnot als Ausleihe von Spartak Moskau. Der Lückenbüßer bereute angesichts von 220 Liga-Minuten später selbst den Wechsel. Günstig war der 14-malige Nationalspieler nicht, jede Einsatzminute kostete alleine bezogen auf die Leihgebühr von geschätzten 2,5 Millionen rund 11 000 Euro. Die Kaufoption wird Bayern nicht ziehen.

Rafinha

Höchst solider Backup von Philipp Lahm, aber mit 30 Jahren keine Zukunftslösung nach dem Karriereende des Kapitäns, nach der die Bayern suchen. Hat noch ein Jahr Vertrag. Wenn die Bayern eine Ablöse kassieren wollen, müssten sie ihn jetzt verkaufen.

Tom Starke

Der Vertrag der Nummer 3 hinter Manuel Neuer und Sven Ulreich läuft aus. Kam 2012 aus Hoffenheim, die Verpflichtung von Ulreich vor einem Jahr ließ die ohnehin geringen Einsatzchancen auf nahezu Null sinken.

Als der deutsche Rekordchampion nach und nach die Bezüge der Weltmeisterkollegen Thomas Müller, Manuel Neuer und Jérôme Boateng anhob und deren Arbeitspapiere bis 2021 neu datierte, war ein Anschlussvertrag für Götze kein Thema. Da müsse man Karl-Heinz Rummenigge fragen, sagte der Offensivspieler selbst etwa im Rahmen des Neuer-Vertrags zur Situation.

Nur ein klares Votum von Ancelotti hätte wohl für eine überraschende Wende in den Personalplanungen sorgen können. Doch der 56-jährige Italiener kann angesichts eines Weltklasse-Angebots in Angriff und Mittelfeld keine Einsatzzeit garantieren; besonderen Zuspruch hatte er in einem Telefonat laut „Süddeutscher Zeitung“ auch nicht parat.

Wenn die Bayern nun wenigstens noch einen beträchtlichen Teil der im Sommer 2013 an Borussia Dortmund gezahlten 37 Millionen Euro als Ablöse wieder auf der Einnahmenseite verbuchen wollen, müssen sie Götze verkaufen. Auch die stolzen Personalkosten wären um einen Posten reduziert. Und wenn der beim FC Bayern in 72 Bundesligaspielen (20 Tore/16 Assists) eingesetzte Götze ein besseres Standing im Club haben will, sollte er gehen.

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