Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2013

15:03 Uhr

Greenpeace-Protest in Basel

„Solche Aktionen erschüttern das Sicherheitsempfinden“

VonAlexander Möthe

Greenpeace-Aktivisten düpieren bei Großveranstaltungen immer wieder Sicherheitskräfte. Die aufgezeigten Lücken könnten im schlimmsten Fall auch Terroristen nutzen. Sicherheitsexperte Hans-Jürgen Lange analysiert.

Greenpeace-Aktivisten haben beim Schalke-Spiel in Basel gegen Gazprom, den Sponsor der Königsblauen, protestiert. AFP

Greenpeace-Aktivisten haben beim Schalke-Spiel in Basel gegen Gazprom, den Sponsor der Königsblauen, protestiert.

Herr Professor Lange, in Basel haben sich Aktivisten von Greenpeace während des Champions-League-Spiels gegen Schalke vom Stadiondach abgeseilt und ein Transparent entrollt. Wie ist das aus Sicht einen Sicherheitsexperten zu bewerten?

Es liegt auf der Linie von Greenpeace, dass sie für heikle Themen durch spektakuläre Aktionen entsprechend Öffentlichkeit herstellen. Insofern ist die Maßnahme nicht verwunderlich.

Ist es nicht verwunderlich, da viel über die Sicherheitslage in Stadien diskutiert wird, dass so etwas passieren kann?

Gerade vor dem Hintergrund, dass solche Großveranstaltungen immer gefährdet sind, bis hin zu möglichen Anschlägen, erstaunt es schon, dass eine so gut ausgerüstete Mannschaft das alles unentdeckt aufs Stadiondach gebracht hat. Da fragt man sich, ob das nicht bei den Sicherheitsmaßnahmen hätte auffallen müssen. Entsprechend hat der FC Basel jetzt auch einige kritische Antworten zu geben, weil man sich fragt, wie ist denn das mit dem Sicherheitskonzept in diesem Stadion? Die UEFA hat ja auch ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Kann es wirklich so einfach sein, dass Materialen völlig unter dem Radar ins Stadion geschafft werden?

Für so eine Aktion kommt ja schon einiges an Material zusammen. Bei einer Veranstaltung werden oft Stichproben gemacht, aber Tatsache ist, es ist nicht aufgefallen. Wenn es jetzt nur um ein Transparent oder ein Plakat ginge, ließe es sich nicht verhindern. Da müsste jeder Zuschauer einer Leibesvisitation unterzogen werden. Aber hier muss man ja schon eine sehr große Tasche gehabt haben, wo alles drin war.

Wäre das auch in deutschen Stadien möglich?

Das kann ich ihnen nicht empirisch beantworten. Dafür gibt es auch zu viele Unklarheiten: Man weiß nicht, wie gut Greenpeace die Aktion getarnt hatte. Sind sie am Abend durch den Zuschauerbereich gegangen, hat man sich tagsüber Zugang verschafft? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Greenpeace eine solche Aktion vom Zufall abhängig macht, ob ein Rucksack es durch die Kontrolle schafft. Aber das ist Spekulation.

Stößt das die Sicherheitsdebatte um Stadien und die vieldiskutierten Körperscanner wieder an?

Das ist der eigentliche Punkt. Man muss letztlich immer eine Abwägung treffen, was wollen wir jetzt? Eine Gefährdung wird bei so einer Veranstaltung niemals zu 100 Prozent auszuschließen sein, was das Einschleusen vereinzelter Gegenstände und Waffen geht. Das könnte man dann, wenn man im großen Stile Sicherheitsscanner und Ähnliches einführt. Bereitet aber jemand die Aktion professionell vor und bringt die Sachen am Tag zuvor ins Stadion – abgeriegelt wie eine Festung ist eine Arena tagsüber auch nicht. Es gibt zahlreiche Zulieferer und Handwerker, die Zugang haben. Mit einer entsprechenden Tarnung kommt man sicherlich in den Innenraum. Dann hilft auch die Einlasskontrolle nichts. Man muss die Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit treffen: Wenn wir durch Kontrollen möglichst viel Sicherheit gewährleisten, was für eine Gesellschaft kommt dabei heraus?

Wären strenge Sicherheitskontrollen überhaupt praktikabel?

Nein, wenn Sie 40.000 Menschen wie am Flughafen durch eine Sicherheitskontrolle schleusen, können Sie sich denken, wie lange das dauert.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

walter.drews

05.10.2013, 19:59 Uhr

Dümmliche Aussage:
"Solche akribisch geplanten Aktionen erschüttern letztlich das Sicherheitsempfinden."
Na klar, Terroristen sind zu dumm ihre Taten akribisch zu planen. Und deshalb sind die Aktionen von Greenpeace schädlich!
Das ist schlicht absurd gedacht. Meiner Meinung nach entlarvt Greenpeace nur die Unfähigkeit der Sicherheitskräfte. Wenn man riesige Mengen an Material einschmuggeln kann dann können auch vermeintlich dumme Terroristen ein paar ganz kleine Waffen einschleusen. Das ist die Lehre aus diesem Versagen der Sicherheitskräfte!

Account gelöscht!

05.10.2013, 21:40 Uhr

Die Aktion von Greenpeace ist absolut in Ordnung! Wer die Antarktis ausbeutet und ein ökologische Katastrohe lostritt wie es Russland vorhat, muss mit Widerstand rechnen. Das die Politik versagt und man Russland gewähren lässt, ist der komplette Offenbarungseid. Dann helfen nur solche Aktionen. Ausserdem: Was glaubt eigentlich dieser selbstgerechte und arrogante "Fussball" zu sein, um sich von einer derart wichtigen Aktionen "gestört" zu fühlen. Bodelose Frechheit! Dieser Sonderstatus von Fussball muss SOFORT beendet werden. Fussball ist kein Sport- es nur ein hochkorrupter, verrohter Club ohne jegliche Moral und Ethik. Siehe 44 Tote Arbeiter in Katar....

Westfale

05.10.2013, 22:27 Uhr

Eine Greenpeace-Aktionen, wie sie in Basel durchgeführt wurde, dürfte leicht unter jedem Wachpersonal der Welt Billiger und Unterstützer finden.

Bei einem terroristischen Anschlag dürfte es schon schwieriger sein.

Die Angst, dass es anstelle des Banners auch genauso eine Bombe sein könnte, die in das Stadion geschmuggelt wurde, ist also völlig an der Realität vorbei gedacht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×