Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.03.2006

12:49 Uhr

Hamburg

Fußball spielen wie im klassischen Theater

VonGregory Lipinski

Der Hamburger Architekt Manfred O. Steuerwald hatte das 1952 errichtete Volksparkstadion von Juni 1998 bis September 2000 in die AOL Arena umgebaut, die einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ist. Doch seit zwei Jahren ist Steuerwald spurlos von der Bildfläche verschwunden.

Die AOL-Arena in Hamburg wurde 2000 gebaut. dpa

Die AOL-Arena in Hamburg wurde 2000 gebaut.

HAMBURG. Wenn Fußballfans oder Buchautoren Caspar Lindhorst auf den Architekten der Hamburger AOL-Arena ansprechen, wirkt der Baubeauftragte des HSV-Stadionmanagement leicht gereizt. "Wir bemühen uns seit längerem intensiv, die Adresse des Architekten herauszufinden, um ihn mit ihm Kontakt aufzunehmen. Doch er ist nicht aufzufinden", sagt Lindhorst.

Die Rede ist von Manfred O. Steuerwald: Der Hamburger Architekt hatte das 1952 errichtete Volksparkstadion von Juni 1998 bis September 2000 in die AOL Arena umgebaut, die einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ist. Doch seit zwei Jahren ist Steuerwald spurlos von der Bildfläche verschwunden. Auch die Hamburger Architektenkammer hat keine Informationen über ihn. "Er ist seit mehr als zwei Jahren nicht mehr Mitglied bei uns. Seine Daten wurden gelöscht", sagt eine Sprecherin. Wo er sich jetzt aufhält, weiß sie nicht.

Steuerwald hat bei der AOL Arena aber einen architektonischen Kraftakt gemeistert. Denn er baute das Stadion während des laufenden Spielbetriebs mit mehr als 20 000 Zuschauern um. Der Architekt drehte das bisherige Spielfeld um 90 Grad in Nord-Süd-Richtung, das in seiner Form an ein Oval errinnert. Die Tribünen legte er nah an das Spielfeld. Sie bestehen aus Parkett, Rang und Galerie - ähnlich wie im klassischen Theater. Heute finden hier 55 000 Zuschauer Platz, alle auf überdachten Plätzen, davon 10 000 Stehplätze. Die gut 90 Zentimeter breite Bestuhlung - teilweise mit Armlehnen und Sitzkissen - soll besonderen Komfort bieten, 120 Sitzplätze wurden zudem behindertengerecht geplant. 50 Logen für jeweils zehn bis 20 Personen stehen auf der Ost-Tribüne zur Verfügung, hier befindet sich auch ein V.I.P.-Restaurant. Der Rasen des Spielfeldes ist - selbstverständlich - beheizt.

Die vorherrschenden Baustoffe sind Stahl, Glas, Metall und Sichtbeton und geben dem Stadion seinen klaren und einheitlichen Charakter. Die Fassaden aus Metallgewebe, Lamellen und Glas wirken transparent und zurückhaltend. Herausragend aber ist die Überdachung, die der AOL Arena einen leicht futuristischen Anstrich verleiht. "Das Dach wurde nach dem Speichenprinzip errichtet", erläutert Knut Göppert, Konstrukteur bei dem Stuttgarter Büro für Tragwerksplanung, Schlaich Bergermann und Partner, dem Handelsblatt. Das Speichenrad besteht aus einen inneren und äußeren Druckring, der durch 40 Stahlseile verbunden ist. Darauf gespannt ist ein sehr flaches, leicht gekrümmtes Membrandach. Die Dachhaut besteht aus einer Polyestermembran mit PVC-Beschichtung. Schlaich Bergermann und Partner ist in Deutschland eines der führenden Konstruktionsbüros und hat die Dächer für diverse Stadien geplant. Dazu gehören Berlin, Köln, Stuttgart und Frankfurt.

Die Kosten für den Umbau der AOL Arena beliefen sich auf rund 100 Mill. Euro, davon entfallen rund 13 Mill. Euro auf die Überdachung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×