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10.01.2007

13:40 Uhr

Hans-Peter Briegel zum „WM-Skandalspiel“

Ein schändliches Interview nach 25 Jahren

VonOliver Trust

Das Gruppenspiel zwischen Deutschland und Österreich bei der Fußballweltmeisterschaft 1982 ging als Skandalspiel in die Geschichte ein. Mit einem Nicht-Angriffspakt sicherten sich beide Teams das Weiterkommen – zum Leidwesen der drittplatzierten Algerier. Zeitungsberichten zufolge soll sich der ehemalige Nationalspieler Hans-Peter Briegel nun dafür entschuldigt haben.

DÜSSELDORF. Als Hans-Peter Briegel mitten in der Nacht ans Telefon geht, laufen in seinem Hotelzimmer in Abu Dhabi die Spätnachrichten. Bis elf Uhr saß er mit seinem Trainerstab im Freien, jetzt, gegen ein Uhr, ist es selbst dort zu kalt. Jetzt sitzt der 51-jährige im Sessel und schaut gemütlich fern. Von all der Aufregung, die er in der Heimat und in vielen arabischen und afrikanischen Ländern auslöste oder besser ausgelöst haben soll, weiß der ehemalige Nationalspieler aus der Pfalz nichts. Er ist heute Nationaltrainer in Bahrain und wegen des „Gulf Cups“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bahrain spielt in der schweren Gruppe B gegen Saudi Arabien, Qatar und den Iran.

„Meine Güte“, sagt der Ex-Zehnkämpfer, der im Fußball wegen seines kraftvollen Stils, die „Walz aus der Pfalz“ genannt wurde. „Das ist aber eine Aufregung wegen damals, dabei stimmt das alles gar nicht“. Damals, vor 25 Jahren, gab es die „Schande von Gijon“. Es ist der 25. Juni 1982. Fußball-WM in Spanien. Deutschland spielt in der Gruppe 2 gegen Österreich. Horst Hrubesch schießt nach elf Minuten das 1:0. Bleibt es beim knappen deutschen Sieg, ist die Überraschungsmannschaft aus Algerien als Dritter draußen. Auf dem Rasen schieben sich Deutsche und Österreicher den Ball gegenseitig zu. Viele der 41 000 Zuschauer im Estadio El Molinon pfeifen, in der arabischen Welt kocht die Volksseele über. Es hagelt wütende Proteste. Von Betrug und heimlicher Absprache wird gesprochen. Das Team aus Algerien hat wie Deutschland und Österreich 4:2 Punkte, aber mit 5:5 das schlechtere Torverhältnis. Bis heute haben sich die Gemüter nicht beruhigt. Algeriens Fußball fühlt sich bis betrogen.

So verbreitete die Deutsche Presse Agentur die Meldung, Briegel habe sich bei den Algeriern „entschuldigt“. In einem Interview mit der arabischen Zeitung „Al Ittihad“ soll er gesagt haben: „Ja, es tut mir leid. Deutschland hat geschummelt, um Algerien auszuschalten“. Man habe sich mit Österreich verständigt. Die algerische Zeitung „Liberte“ zitiert Briegel: „Ich kann mich nur bei den Algeriern entschuldigen, denn sie hatten es verdient, sich für die zweite Runde zu qualifizieren.“

Heute muss Briegel, 1982 war er fast 27, lachen. Vor vier Wochen, sagt er, gab er ein Interview wegen des „Gulf Cups“. „40 Fragen, bei einer davon ging es um das Spiel damals“. Und Briegel sagt: „Als es 1:0 stand, gab es so etwas wie einen Nicht-Angriffspakt, weil beide wussten, sie sind weiter. Es war wie ein schweigendes Abkommen irgendwann im Spiel. Von Absprachen weiß ich nichts. So eine Konstellation gibt es bei Turnieren in vielen Sportarten“.

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