Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2015

19:02 Uhr

Herbert Fandel

Schiedsrichter-Führung liebäugelt mit Videobeweis

In den letzten Wochen wurden die Rufe nach dem Videobeweis für die Unparteiischen immer lauter. Nun macht sich auch der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission für die Einführung stark.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Aufwachen DFB: Die Bundesliga braucht den Videobeweis

Handelsblatt in 99 Sekunden: Aufwachen DFB: Die Bundesliga braucht den Videobeweis

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

StuttgartDie Zahl der Befürworter eines Videobeweises in den beiden deutschen Bundesligen wächst weiter. Jetzt hat sich auch Herbert Fandel, der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission, für die Einführung dieses technischen Hilfsmittels bei Fußballspielen ausgesprochen. „Wir in der Schiedsrichter-Führung sind uns auch einig, dass wir den Weg mitgehen wollen und ich meine, dann kommen wir auch zu Ergebnissen“, sagte Fandel in einem Beitrag von Sky Bundesliga HD 1, der am Samstag (14.00 Uhr) gesendet wird.

Allerdings müsse das International Football Association Board (IFAB) dem Videobeweis zuvor zustimmen. Dieses Gremium ist für Regeländerungen im Weltfußball zuständig. „Wenn es grünes Licht für Anwendung oder Versuch gibt, dann sollten wir das selbst in die Hand nehmen. Wir sind das größte Schiedsrichterland der Welt“, meinte Fandel, der dem Videobeweis bislang eher skeptisch gegenüberstand.

Nach einigen spielentscheidenden Fehlentscheidungen in jüngster Zeit hatten sich in einer Sky-Umfrage 24 der 36 Erst- und Zweitligisten bereits vor zwei Wochen für das weiterhin umstrittene technische Hilfsmittel ausgesprochen.

Krasse Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern

31. Oktober 2015: VfL Wolfsburg – Bayer Leverkusen

Das Führungstor der Gastgeber durch Nicklas Bendtner resultierte aus dem Fehler von Schiedsrichter Manuel Gräfe, der nicht auf eine von seinem Assistenten angezeigte Abseitsposition reagierte. Gräfe hatte angenommen, dass ein Pass auf Tor-Vorlagengeber Vieirinha vom Leverkusener Kevin Kampl kam. Allerdings war André Schürrle zuletzt mit dem Fuß am Ball. Wolfsburg siegt am Ende 2:1

31. Oktober 2015: 1. FC Köln – Hoffenheim

Hoffenheims Abwehrspieler Tobias Strobl spielt nach einem Kopfball von Anthony Modeste (57.) den Ball im Strafraum mit der Hand. Für fast alle im Stadion war das Vergehen klar ersichtlich – außer offenbar für Schiedsrichter Günter Perl. „Mehr Hand geht nicht. Aus 50 Metern habe ich es gesehen“, sagte Kölns Trainer Peter Stöger nach dem 0:0. „Hand wird in Köln etwas anders bewertet, ist o.k. so. Darauf werden wir uns einstellen und bald auch etwas mehr mit der Hand spielen.“

18. Oktober 2015: 1. FC Köln – Hannover 96

Durch eines der klarsten Hand-Tore der Bundesliga-Geschichte hat der 1. FC Köln die erste Heimniederlage seit mehr als zehn Monaten kassiert. „Volleyballer“ Leon Andreasen hatte den Ball aus drei Metern mit dem rechten Arm über die Linie geschlagen. Schiedsrichter Bastian Dankert und seine Assistenten hatten dies im Gegensatz zu den meisten der 48.700 Zuschauer nicht gesehen.

12. September 2015: Bayern München – FC Augsburg

Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg) schenkt dem Bayern München in der 90. Minute einen Foulelfmeter zum 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg. Auch Kircher selbst hatte im Nachhinein eingeräumt, dass ihm und seinen Assistenten ein Fehler unterlaufen war.

21. Oktober 2014: Schalke – Sporting Lissabon

Der russische Schiedsrichter Sergej Karassew entschied in der Nachspielzeit nach einem Kopfball Huntelaars ins Gesicht von Jonathan Silva auf Drängen seines Torrichters fälschlicherweise auf Elfmeter. Eric Maxim Choupo-Moting verwandelte den Strafstoß zum Schalker Siegtor (90.+3). „Erst habe ich gedacht, was wäre Hand“, berichtete Huntelaar, „dann habe ich im Fernsehen gesehen, dass es Kopf war.“

14. September 2014: FC Augsburg – Eintracht Frankfurt

Erst übersah er einen glasklaren Foulelfmeter, dann bewies Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) Größe. „Er ist zu mir gekommen und hat sich dafür entschuldigt. Herr Gräfe sagte, dass es ein klarer Elfmeter gewesen war. Ich finde gut, dass er so klar Stellung bezogen hat“, sagte Trainer Thomas Schaaf vom Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt nach dem 0:1 gegen den FC Augsburg am Sonntag.

22. Juni 2014: Belgien - Russland

Geheimfavorit Belgien erreichte vorzeitig das Achtelfinale der WM in Brasilien: durch ein 1:0 (0:0) gegen Russland. Die Belgier profitierten von einem Fehler des deutschen Schiedsrichters Felix Brych: Er verweigerte den Russen einen Elfmeter (27.).

13. Juni 2014: Brasilien – Kroatien

Der Brasilianer Fred provoziert nach einer Berührung an der Schulter des Kroaten Dejan Lovren theatralisch einen Strafstoß. Ex-Schiedsrichter Urs Meier im ZDF: „Ein Schiedsrichter auf Weltklasseniveau hätte das sehen müssen.“ Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann bei Sport1: „Da braucht man keine Zeitlupe", um die Unrechtmäßigkeit des Elfmeters, den Neymar zum 2:1 nutzte (71.), zu erkennen.

17. Mai 2015: Borussia Dortmund – Bayern München

Schiedsrichter Florian Meyer gibt ein klares Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München (0:2 n.V.) in der regulären Spielzeit nicht. „Ich werfe ihm aufgrund der deutlichsten Fehlentscheidung persönlich gar nichts vor, aber dass er offenbar nicht das Mindestmaß an Respekt vor dem BVB hat und sich nicht einmal bei den Spielern entschuldigt, ärgert mich sehr“, sagte Borussia-Chef Watzke der Sport Bild.

18. Oktober 2013: Hoffenheim – Bayer Leverkusen

Stefan Kießling schießt in Sinsheim an Außennetz, der Ball landet jedoch durch ein Loch im Tor. WM-Schiedsrichter Felix Brych aus München erkannte das Phantom an. Als Folge der Fehlentscheidung wurde die Einführung der Torlinientechnik beschlossen, die beim Pokalfinale ihre Premiere in Deutschland feiern soll.

November 2009: Frankreich – Irland

In der Verlängerung besorgte der französische Verteidiger William Gallas den Ausgleichstreffer zum 1:1 – und sicherte seinem Team damit die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika, während Irland aus dem Wettbewerb flog. Den Treffer leitete Stürmer Thierry Henry jedoch irregulär mit einem Handspiel ein, was er später freimütig zugab. Die Fifa hat dem irischen Verband als Entschädigung für den WM-Einzug 2009 einen Kredit über fünf Millionen Dollar (rund 4,4 Millionen Euro) gewährt. Das räumte der Weltfußballverband ein.

Andreas Rettig, der Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli, erläutert in dem Sky-Beitrag, wie ein Video-Schiedsrichter aussehen könnte. Er informierte sich in den Niederlanden, in denen der Videobeweis seit zwei Jahren erfolgreich getestet wird, über dessen Umsetzung. Rettig berät das IFAB bei dessen Entscheidungen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×