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29.11.2016

13:43 Uhr

Hertha BSC

Mit Verlusten in die Champions League

VonThomas Schmitt

Sportlich läuft es für Hertha BSC hervorragend. Wirtschaftlich nimmt der Verein Verluste in Kauf, um sportlich voran zu kommen. Dank des Investors KKR und der TV-Gelder kann sich der Klub das einige Jahre leisten.

Das Management von Hertha BSC: Ingo Schiller (links), Geschäftsführer Finanzen Hertha BSC, Geschäftsführer Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer. dpa

Mitgliederversammlung Hertha BSC

Das Management von Hertha BSC: Ingo Schiller (links), Geschäftsführer Finanzen Hertha BSC, Geschäftsführer Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer.

DüsseldorfHertha BSC wählt einen riskanten Weg zu neuer Stärke. Im zweiten Jahr in Folge schließt der Fußballklub die Saison mit einem Verlust von gut sieben Millionen Euro ab. Damit liegt bestätigt sich der Trend der vergangenen zehn Jahre, in der nur ein Jahr wirklich positiv war. Und das auch nur wegen des Einstiegs der Investmentgesellschaft KKR.

Leisten kann sich der Verein den Luxus von Verlusten, weil Großinvestor KKR dies letztlich absichert. Mit dem Geld aus den USA ist Hertha nun in der Lage, interessante Spieler zu kaufen oder wichtige Kicker längerfristig zu binden. Das betonte Finanzchef Ingo Schiller stolz auf der Mitgliederversammlung des Vereins.

Der ehemalige Bayern-Profi Mitchell Weiser oder John Anthony Brooks gehören zu den Perlen, die der Verein unbedingt halten wollte – um sie dann in einigen Jahren womöglich viel teurer zu verkaufen. Diese strategische Entscheidung führe auch dazu, dass der Verein höhere Summen im Spielervermögen abschreiben muss.

Hertha und KKR: Die wirtschaftliche Bilanz

Entwicklung seit 2006

Seit der Saison 2006/07 schreibt Hertha BSC unter dem Strich rote Zahlen - mit einer Ausnahme, der Saison 2013/14, als der Investor KKR mit einer Finanzspritze einstieg.

Eigenkapitalspritze

Der Investor KKR übernahm Anfang 2014 für 61,2 Millionen Euro 9,7 Prozent der Hertha BSC GmbH@Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien

Rettung 2014

Durch den Einstieg des Investors KKR Anfang 2014 konnten die Verbindlichkeiten in der Saison 2014/15 auf den historischen Tiefstwert von 15,9 Millionen Euro gesenkt werden. Im Jahr zuvor waren es noch 24,38 Millionen Euro. Die zinstragenden Verbindlichkeiten wurden auf null gesenkt.
Quelle: sid

Lob für KKR

Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller führte die gute Entwicklung auf den Einstieg des Investors KKR zurück. „Wir konnten die wirtschaftliche Basis neu legen und die Verbindlichkeiten auf diesen historischen Tiefstwert bringen. Außerdem können wir Mittel, die uns zufließen, leichter für neue Transfers einsetzen“, sagte Schiller.

Eigenkapital

Das Eigenkapital wuchs auf 21,37 Millionen Euro an, nachdem es vor dem KKR-Einstieg noch bei minus acht Millionen Euro gelegen hatte.

Saison 2015/16

Für die Spielzeit 2015/16 erzielte Hertha BSC Erträge in Höhe von 95,2 Millionen Euro. Dem stand ein Aufwand von 103,0 Millionen Euro gegenüber.

Verbindlichkeiten

Die Schulden sind von 15,9 auf 21,22 Millionen Euro gestiegen. Doch darunter sind keine Bankschulden, für die Zinsen gezahlt werden müssen.

Verlust

Wie im Vorjahr blieb in der Saison 2015/16 unter dem Strich ein Verlust von 7,8 Millionen Euro (-7,6 Millionen Euro).

Eigenkapital

Das Eigenkapital sinkt von 21,37 auf 18,55 Millionen Euro.

Perspektive

Für die Saison 2016/17 erwartet Hertha BSC einen Umsatz von 102,3 Millionen Euro. In den nächsten Jahren führen steigen TV-Einnahmen zu einem Umsatzschub.

Trotz der Verluste sieht sich Hertha BSC wirtschaftlich auf einem guten Weg. Bei den Banken hat der Verein keine Schulden, für die Zinsen gezahlt werden müssen, betonte Schiller stolz. Optimistisch macht neben KKR vor allem der neue TV-Vertrag, den die Deutsche Fußball Liga (DFL) ausgehandelt hat. Dadurch rechnet Hertha ab 2017/18 mit 20 Millionen Euro mehr pro Saison.

KKR bei Hertha BSC: Wie eine Heuschrecke im Fußball salonfähig wird

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Hertha BSC gegen BVB: Da spielt nicht nur der Bundesliga-Zweite gegen den Dritten. Es kicken auch zwei Klubs, die sich gegenüber Investoren stark geöffnet haben. Hertha ließ sich auf KKR ein – bisher mit großem Erfolg.

In Zahlen ausgedrückt machte Schiller folgende Rechnung auf: In dieser Saison könnte Hertha aus dem TV-Topf 32,7 Millionen Euro erhalten. Das entspricht immerhin rund einem Drittel des Vereinsetats von gut 100 Millionen Euro für die Saison 2016/17. Im Schnitt der nächsten vier Jahre seien dagegen über 55 Millionen Euro an TV-Geldern drin, glaubt der Finanzfachmann.

So viel Geld macht optimistisch und verleiht den nötigen Elan, um die nächste große Baustelle anzugehen. Das ist der Umbau des vorhandenen Stadions oder ein Neubau. Beides wird aktuell in Berlin diskutiert. Klar ist seit langem, dass das Olympiastadion mit seiner Laufbahn nicht mehr den modernen Ansprüchen an ein Fußballstadion entspricht.

Jeder Verein weiß auch, dass ein Stadion durch Fans und Sponsoren auf Dauer eine wichtige und stabile Einnahmequelle ist. Fußballfans suchen immer mehr das Erlebnis und sind auch bereit, dafür im Stadion mehr als früher zu zahlen. Die Millionenstadt Berlin sollte dafür mittelfristig beste Voraussetzungen haben – genau deshalb ist der Investor KKR ja bei der Hertha eingestiegen.

KKR und Hertha: So wurden die Berliner gerettet

Sommer 2011

Hertha BSC steckt finanziell und sportlich in der Misere. Der Verein denkt darüber nach, wie eine neue wirtschaftliche Basis geschaffen werden kann.

Quelle: Finanzchef Ingo Schiller auf der Spobis

Credo

Die wirtschaftliche Wende kann nachhaltig nur mit einem strategischen Investor geschafft werden.

Überschuldet

Der Verein hat damals 42 Millionen Euro Schulden bei knapp 80 Millionen Euro Umsatz. Ein ungesundes Verhältnis. Doch es geht nicht voran, weil der Verein absteigt.

September 2013

Durch den Wiederaufstieg in die Bundesliga wird Hertha wieder für Investoren attraktiver. Drei Monate lang prüft KKR ein Konzept, das im Kern eine Minderheitsbeteiligung von 9,7 Prozent vorsieht und eine Vorauszahlung auf künftige Einnahmen.

Heiligabend 2013

Am 24. Dezember kommt abends ein Anruf aus New York, dass das Investmentkomitee von KKR die Vorschläge der Hertha genehmigt hat. Zwei Wochen brütet das Hertha-Management mit KKR in einem Hotel über den Verträgen. Noch ist alles geheim.

31. Januar 2014

Öffentliche Bekanntgabe des KKR-Einstiegs. Der Investor erhält zwei Sitze im Aufsichtsrat, er kann seine Beteiligung auf ein Drittel aufstocken.

Langfristige Sicherheit

KKR wird Partner für sieben Jahre, mit einer Option für drei weitere Jahre. Dies ist ungewöhnlich lang für einen Finanzinvestor, der gerne nach einigen Jahren sein Investment mit satter Rendite wiedersehen möchte.

Akzeptanz

Die lange Laufzeit war für die Gremien der Hertha und für die Akzeptanz bei den Fans ein wichtiges Argument, glaubt Schiller.

Netzwerk

Mit den weltweiten Kontakten von KKR will Hertha auch im Ausland für sich werben.

Vorteil KKR

„Natürlich profitiert KKR von einer positiven Entwicklung“, sagte Schiller mit Blick auf eine mögliche Qualifizierung für die Champions League der Hertha am Ende der Saison 2015/16. Einen Automatismus bei der Weitergabe von Einnahmen bestritt er allerdings.

Vorteil Hertha

Ohne KKR wäre die Vertragsverlängerung mit wichtigen Spielern wie dem Innenverteidiger John Anthony Brooks nicht möglich gewesen. „Klares Ja“, sagte Schiller auf eine entsprechende Frage auf der Spobis in Düsseldorf.

KKR im Fußball?

Schiller hält es für unwahrscheinlich, dass sich KKR anderswo in der Bundesliga engagiert. Immerhin: Weitere Konzepte haben sich die Finanzinvestoren jedoch zumindest offenbar angehört.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

29.11.2016, 17:18 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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