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29.07.2011

10:53 Uhr

Hilfe von Beratern und Bankern

Wie der BVB die Gratwanderung schaffte

VonMathias Peer

Die Dortmunder hatten einen steinigen Weg, der bis zum Meistertitel führte. Mit Hilfe von Banken und Beratern ging es vom Beihnahe-Bankrott rauf bis in die Champions League. Motor dafür war wirtschaftliche Vernunft.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA Hans-Joachim Watzke. Quelle: dpa

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA Hans-Joachim Watzke.

Während Bayern München auf dem Transfermarkt zuschlägt, geht der Titelträger den umgekehrten Weg: Borussia Dortmund hat aus dem Geschäft mit Spielerkäufen und -verkäufen bisher sogar einen Überschuss erwirtschaftet. Ein Plus von 1,65 Millionen Euro steht zu Buche - dank des Zehn-Millionen-Transfers von Nuri Sahin zu Real Madrid. Dabei hätte der BVB das Sparen gar nicht nötig: Der Klub erwartet nächste Saison 25 Millionen Euro Zusatzeinnahmen aus der Champions League. Und es könnte sogar mehr werden: Schalke 04 etwa verdiente vergangenes Jahr beim Halbfinaleinzug über 41 Millionen Euro.

Wirtschaften wie die Borussen: Das könnte zum Motto für vorbildliche Finanzplanung im oftmals schlecht gemanagten Profifußball werden. Noch 2005 stand der BVB kurz vor dem Abgrund: Teure Spielereinkäufe und horrende Gehälter hatten fast die kompletten Einnahmen aus dem Börsengang im Jahr 2000 verbraucht. Erst professionelle Hilfe machte die Wende möglich: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke setzte sich mit Roland Berger und Morgan Stanley zusammen. Die Investmentbank gab dem BVB eine Finanzspritze, die Berater stellten einen Sanierungsplan auf. Das Budget für Spieler wurde von 57 Millionen Euro pro Jahr auf 25 Millionen Euro mehr als halbiert. "Es war eine Gratwanderung: Wir wollten einerseits beachten, was wirtschaftlich machbar war, und andererseits vermeiden, dem Verein die sportliche Wettbewerbsfähigkeit zu entziehen", sagt Roland-Berger-Berater Rainer Balensiefer, der die Restrukturierung begleitete.

Kreditgeber Morgan Stanley vertraute darauf, dass sich der BVB wieder erholen würde: "Der Klub ist dank seiner Fanbasis äußerst erlösstark", sagt Oliver Kehren, Executive Director der Investmentbank. "Dennoch war klar, dass der Verein für einige Zeit mit begrenzten Budgets auskommen musste und internationale Riesentransfers nicht möglich waren." Zwar habe die Bank einen Rahmen für mögliche Transfers vorgegeben, sich dabei aber in sportliche Entscheidungen nicht eingemischt. "Dafür fehlt uns die Kompetenz", sagt Kehren. "Das ist Sache der Vereinsführung."

Und die machte nicht nur bei der Personalpolitik einen guten Job, sondern kam dabei auch mit geringen Mitteln aus. Nie wieder einen Euro Schulden machen - ein Credo, das Watzke gebetsmühlenartig wiederholte. Die Konsequenz: Vergangene Saison standen den Dortmundern nur 34 Millionen Euro für das Mannschaftsbudget zur Verfügung. "Mit diesem Betrag Meister zu werden, ist eigentlich illusorisch", sagt Watzke. "In normalen Jahren schafft man es damit nicht einmal unter die besten fünf."

Dass die Meisterschale heute im Vereinsmuseum steht, hat einen einfachen Grund: Der BVB setzte auf junge Spieler - das zahlt sich auch wirtschaftlich aus. So hat der Verein heute mit dem 19-jährigen Mario Götze einen Spieler aus der Jugend im Team, der am Transfermarkt bereits über zehn Millionen Euro wert ist. Auf den Einkauf von verwöhnten Stars will der Klub verzichten. "Die Zuschauer im Ruhrgebiet wollen in erster Linie Malocher sehen - wenn die dann auch noch kicken können, schadet das zumindest nicht", sagt Watzke.

Eine Erfolgsstrategie, die erst durch die Krise möglich wurde? Dagegen wehrt sich der Geschäftsführer vehement: "Wenn die Leute sagen, dass Not erfinderisch macht, ist das für Borussia Dortmund nicht zutreffend", sagt Watzke. "Die seit 2005 handelnden Personen hätten diese Strategie auch ohne die Beinahe-Insolvenz eingeschlagen. Und es wäre uns um einiges leichter gefallen." Mathias Peer

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