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23.04.2013

16:11 Uhr

Hoeneß, Steuern und der Götze-Transfer

Von Schwarzgeld zu Schwarz-Gelb

VonAlexander Möthe

Der Transfercoup mit Mario Götze überlagert plötzlich die Steueraffäre um Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Das wirft die Frage auf, ob der Zeitpunkt wirklich purer Zufall ist. Nicht nur aus Dortmund heißt es: nein.

Entsetzen beim BVB

Götze wechselt zu den Bayern

Entsetzen beim BVB: Götze wechselt zu den Bayern

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DüsseldorfUli Hoeneß wird am Dienstagabend im Halbfinalspiel der Champions League gegen den FC Barcelona im Stadion sitzen. Hinter Bayern-Verwaltungsbeirat und Focus-Herausgeber Helmut Markwort, also dem Mann, dessen Magazin für die Veröffentlichung der Steueraffäre verantwortlich ist. Bayerns Präsident wird das bedeutsame Duell in seiner als Geschäftsmann dunkelsten Stunde konzentriert verfolgen. Denn während das eine Lebenswerk, das Image des integren Unternehmers, zu bröckeln beginnt, geht es dem anderen Lebenswerk, dem FC Bayern München, besser denn je.

Hoeneß wird sich nichts anmerken lassen. Er wird äußerlich den Fragen und Blicken der Journalisten, Fans und Offiziellen standhalten. Weil er der Präsident des FC Bayern München ist und wohl auch bleibt. Und weil der Verein in die Gegenoffensive geht.

Die Münchener beherrschen in diesen Tagen die deutsche Medienlandschaft. Doch geht die Berichterstattung über die übliche Pflichtübung hinaus, den sportbegeisterten Leser auch abseits der Fachpublikation bei der Stange zu halten. Denn das Thema, um das es geht, hat nicht nur eine sportliche Komponente.

Die Karriere des Uli Hoeneß

1952

Uli Hoeneß wird in Ulm geboren. Seine Eltern führen eine Metzgerei.

1972

Mit der Fußball-Nationalmannschaft wird er als Spieler des FC Bayern München Europameister, zwei Jahre später sogar in München Weltmeister.

1979

Mit 27 Jahren muss er seine aktive Karriere wegen eines Knorpelschadens im Knie beenden. Er wird Manager von Bayern München. Der Verein macht 12 Millionen D-Mark Umsatz.

1982

Hoeneß überlebt als einziger Passagier den Absturz eines zweimotorigen Flugzeuges bei Hannover.

1983

Mit seinem inzwischen verstorbenen Geschäftspartner Werner Weiß gründet er in Franken die Wurstfabrik Howe. Der Umsatz wird heute auf 40 Millionen Euro geschätzt. Die Firma beliefert u.a. den Discounter Aldi.

2009

Hoeneß wechselt vom Amt des Managers bei Bayern München auf den Posten des Präsidenten. Der Umsatz des Vereins liegt bei 350 Millionen Euro, und das bei einem schwarzen Ergebnis.

Alle großen Medienseiten, TV-Sender und Zeitungen hätte am heutigen Dienstag über das Halbfinale berichtet. Der Kracher FC Bayern gegen den FC Barcelona wird, soviel ist absehbar, Millionen Fans in seinen Bann ziehen. Aber dieses sportlich anspruchsvolle Duell ist nicht des Pudels Kern. Ins Gespräch gebracht wurde der Rekordmeister am Wochenende eben vom „Focus“, Aufhänger war die Selbstanzeige von Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung. Die „Süddeutsche“ verschärfte die Lage noch einmal, als sie von angeblichen privaten Darlehen des Ex-Adidas-Chefs Louis-Dreyfus berichtete.

Diese geballte Form negativer Berichterstattung ist der Verein nicht gewohnt. Gerade in diesen Wochen, da die Bayern den frühesten deutschen Meistertitel der bisherigen Bundesliga-Geschichte sowie einen souveränen Viertelfinalerfolg gegen Juventus Turin feiern konnten, lag das mediale Deutschland dem FCB sprichwörtlich zu Füßen. Es ist eine Form der Krise, die die Verantwortlichen an der Säbener Straße in dieser Form nicht kannten. Nicht, dass der Verein in der Vergangenheit mit mitunter härtester Kritik am eigenen Vorgehen nicht umgehen könnte. Nur ist dieser Fall anders: Er kratzt am Münchener Selbstverständnis, dem vielzitierten „Mia san Mia“.

Die Fallhöhe bei Hoeneß ist beträchtlich. Der Bayern-Präsident schwang sich in der Vergangenheit immer wieder zum Kritiker von undurchsichtigen Geschäftspraktiken und Steuersünden aus – von einem Standpunkt aus, der in seiner Integrität über jeglichen Zweifel erhaben war.  Das Bild in den vergangenen Tagen vom stärksten Mann der Liga war plötzlich ein anderes: Geständiger Straftäter, womöglich Empfänger von privaten Millionenzahlungen während laufender Vertragsverhandlungen, mutmaßlicher „Börsen-Zocker“. Der Verein zog Konsequenzen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 16:20 Uhr

Die "Sport-Promies" werden mit Geld vollgeschissen von Werbe-TV, GEZ-TV und von Sport-Förderung auf Steuerzahler-Kosten. Ist denen das immer noch nicht genug ?? Diese Pseudo-Promies sind "Politische Aushängeschilder" wie Nutten, die reich bezahlt sind und alles machen ..... für GELD.

spacewalker

23.04.2013, 16:49 Uhr

Mag den "Bayern" auch der Ablenkungscoup für den Moment mediale Entlastung bringt, aber für die nächsten zwei bis drei Jahre werden sie sich in den negativen Schlagzeilen wiederfinden, wenn sie sich nicht von Höneß trennen. Nach allem, was jetzt bekannt ist, wird es nicht bei einem eventuellen Steuerstrafverfahren bleiben. Es spricht einiges dafür, daß sich bei den Ermittlungen noch Anhaltspukte ergeben, um andere Verfahren einzuleiten. Bis die ganze Wahrheit auf dem Tisch liegt, wird man noch Jahre ermitteln und prozessieren. Vielleicht werden sich auch noch ein paar Politiker die Schlagzeilen mit Höneß teilen. Der Teppich wurde bisher nur ganz wenig angehoben und der Schmutz darunter wird erst allmälich ans Licht der Öffenlichkeit kommen. Nach allem was man von der bayerischen (Münchner) Staatsanwaltschaft weiß, hat Herr Höneß hier nicht mehr Nachsicht zu erwarten, als sie die Staatsanwaltschaft Hannover Herrn Wulff angedeihen läßt!

eigentorfcb

23.04.2013, 16:58 Uhr

FCB: Hoeness ein Steuerhinterzieher und BVB kurz vor dem Halbfinale offziziell einen Spieler ausspannen. Die Toten Hosen haben es getextet und hierzu alles gesagt:

http://www.dietotenhosen.de/veroeffentlichungen_songtexte.php?text=singles/bayern/bayern_single.php

Fussball ist ja schon ein kommerziell völlig überbewerteter Sport, der FCB schießt aber den Vogel ab.

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