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13.08.2017

13:14 Uhr

Hoeneß zum Fall Dembélé

„Man muss als großer Verein auch mal Stärke zeigen“

Der Hick-Hack um Ousmane Dembélé geht weiter. Nach einem Krisengespräch verkündete die BVB-Spitze: Der wechselwillige Profi bleibt suspendiert. Unerwartetes Lob für den BVB gibt es vom Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß.

Dortmunds Ousmane Dembélé darf derzeit nicht mit der Mannschaft trainieren. dpa

Suspendiert

Dortmunds Ousmane Dembélé darf derzeit nicht mit der Mannschaft trainieren.

Dortmund/MünchenBorussia Dortmund wird die Suspendierung von Fußball-Profi Ousmane Dembélé „bis auf Weiteres“ aufrechthalten. Das teilte der Bundesligist am Sonntagmorgen nach einem Gespräch von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Peter Bosz mit. Das Trio hatte sich in einer Unterredung nach dem 4:0-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Verbandsligisten 1. FC Rielasingen-Arlen am Samstag auf diese gemeinsam Linie verständigt. Dort gehörte Dembélé nicht zum Kader.

„Unser Fokus liegt jetzt auf einer konzentrierten Vorbereitung der Mannschaft auf den Bundesliga-Auftakt am kommenden Wochenende in Wolfsburg“, erläuterte Zorc auf der BVB-Homepage. „Ousmane Dembélé hat selbstverständlich die Möglichkeit, ein individuelles Training abseits der Gruppe zu absolvieren.“ Darüber hinaus will sich der deutsche Pokalsieger in dem brisanten Fall zunächst „nicht weiter zum Sachverhalt äußern“, hieß es weiter.

Transfer-Theater: Aufregung beim BVB um Dembélé

Vorgeschichte

Im Jahr 2015 drohte Ousmane Dembélé seinem damaligen Klub Stade Rennes mit seinem sofortigen Karriereende. Der Grund: Ein Wechsel des damals 17-Jährigen zu Red Bull Salzburg war geplatzt.

Per SMS ausgekotzt

Am 31. August 2015 schickte er eine SMS: „Ich gehe nach Senegal. Ich bin mit dem Fußball fertig, ihr kotzt mich an", sagte Rennes-Sportdirektor Mikael Silvestre im Januar der französischen Sportzeitung L'Equipe.

2016

Dembélé machte dann jedoch weiter und wechselte ein Jahr später für 15 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Dabei sagte er sogar dem FC Barcelona ab.

9. August 2017

Der französische Nationalspieler will unbedingt zu Barcelona. Beide Vereine verhandeln, können sich aber nicht einigen.

10. August 2017: Wo ist er?

Dembélé erscheint nicht zum Training. Es kursieren über den Fernsehsender Sky Gerüchte, er sei auf dem Weg nach Barcelona.

14 Uhr: Ängstlicher Trainer

Sein Trainer Peter Bosz ist vor der Presse ratlos und ängstlich: „Wir haben versucht, ihn zu erreichen, das ist nicht gelungen. Ich hoffe, dass nichts Schlimmes passiert ist.“

Real pokert mit

Nach Angaben der dem FC Barcelona nahe stehenden Sportzeitung El Mundo Deportivo wird sich nun auch Real Madrid in den Poker um Dortmunds Ousmane Dembele einmischen, berichtet Sport1. Den Königlichen drohe das fest eingeplante Monaco-Juwel Kylian Mbappe von der Fahne zu gehen. Der Spieler wolle zu Paris Saint-Germain.

Medienhype

Nur wenige Minuten nach dem Statement des niederländischen Fußball-Lehrers Bosz, nichts über den Verbleib von Dembélé zu wissen, hatte die französischen Sportzeitung „L'Equipe“ über eine unmittelbar bevorstehende Unterschrift des 20-Jährigen beim spanischen Renommierclub berichtet.

16 Uhr: BVB reagiert

Der börsennotierte BVB gibt eine Ad-hoc-Mitteilung heraus. Darin wurden Verhandlungen mit den Katalanen bestätigt: „In diesem Gespräch haben die Vertreter des FC Barcelona ein Angebot unterbreitet, welches nicht dem außerordentlichen fußballerischen und sonstigen Stellenwert des Spielers und auch nicht der derzeitigen Marktsituation des europäischen Transfermarktes entsprach. Dieses Angebot hat der BVB abgelehnt.“

BVB lehnt Angebot ab

Ein baldiger Wechsel sei nicht zu erwarten, heißt es in der Ad-hoc: „Da bis zum heutigen Tag kein anderslautendes Angebot des FC Barcelona vorliegt, ist derzeit mit einem Transfer des Spielers zum FC Barcelona nicht zu rechnen und dieser folgerichtig aktuell nicht überwiegend wahrscheinlich.“

Die Summen

Mutmaßlich will der BVB 150 Millionen Euro für den vertraglich bis 2021 gebundenen Dembélé. Die französische Zeitung „Le Parisien“ berichtete von einer Ablösesumme von 130 Millionen Euro. In Barcelona soll er den brasilianischen Nationalspieler Neymar ersetzen, der für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro zu Paris gewechselt war.

Dembélé war nie weg

Der BVB stellt nachmittags fest, dass der Spieler in Dortmund ist. Die Reaktion: „Ousmane Dembélé hat sich offenbar bewusst zu diesem Schritt entschieden. Diese Fehlverhalten werden wir selbstverständlich sanktionieren“, sagte Sportdirektor Michael Zorc.

17 Uhr: Suspendierung

Nach Rücksprache mit Trainer Peter Bosz wurde Dembélé bis nach dem Pokalspiel am Samstag beim Sechstligisten 1. FC Rieslasingen-Arlen „vom Trainings- und Spielbetrieb suspendiert“. Außerdem erwartet ihn wegen Vertragsbruchs eine saftige Geldstrafe im sechsstelligen Bereich, wie „Bild“ vermutet. Mittlerweile wurde die Suspendierung „bis auf Weiteres“ verlängert.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat Borussia Dortmund für den Umgang mit dem Fall des wechselwilligen Fußball-Profis Ousmane Dembélé gelobt. „Man muss als großer Verein - und das ist Borussia Dortmund - auch mal Stärke zeigen“, sagte der 65 Jahre alte Hoeneß am Sonntag in der Talksendung „Wontorra“ beim Sender Sky Sport News HD. Der Präsident des deutschen Rekordmeisters findet, dass sich der BVB „bislang sehr klug“ in der Causa Dembélé verhalten habe.

Hoeneß unterstützt die BVB-Marschroute, entweder den gewünschten Preis für Dembélé zu erhalten oder den Ablauf der Transferfrist am 31. August abzuwarten. Dabei ist für den Präsidenten des FC Bayern eines entscheidend: „Nur, weil Dembélé keine Ausstiegsklausel hat, hat Borussia Dortmund das Heft des Handelns in der Hand.“

Beim FC Bayern lehne man Ausstiegsklauseln grundsätzlich ab. „Ein Vertrag bei Bayern München wird von Bayern München entschieden und sonst von niemandem“, erklärte Hoeneß.

Der 20 Jahre alte Dembélé will trotz laufenden Vertrags bis 2021 zum FC Barcelona wechseln und hatte am vergangenen Donnerstag unerlaubt das Training in Dortmund geschwänzt, wohl um seinem Wechselwillen Nachdruck zu verleihen. Daraufhin stellten die Westfalen den Offensiv-Spieler vom Trainings- und Spielbetrieb frei. Zunächst bis nach dem Pokalspiel, wie es hieß.

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Zwar gab es bereits Gespräche zwischen dem BVB und dem spanischen Topclub. Eine Einigung über die frei zu verhandelnde Ablösesumme gab es aber bisher nicht. Zuletzt soll das Angebot aus Barcelona bei 90 Millionen Euro plus Bonuszahlungen für den talentierten Franzosen gelegen haben. Der BVB schlug die Offerte aus.

Von

dpa

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