Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.03.2013

18:26 Uhr

Hörfunkrechte-Auktion

Sport1 stellt Fußballradio 90elf ins Abseits

VonStefan Merx

Wer brillante Fußball-Kommentatoren hören wollte, schaltete den Ton am TV aus und das Webradio 90elf ein. Dass damit jetzt Schluss ist, erzürnt Fans und Macher des Radios. Die Gewinner dagegen sind die ARD – und Sport1.

20 feste Mitarbeiter sowie 20 freie Kommentatoren sind bei 90elf betroffen, darunter auch die Reporter-Legende Manni Breuckmann. PR

20 feste Mitarbeiter sowie 20 freie Kommentatoren sind bei 90elf betroffen, darunter auch die Reporter-Legende Manni Breuckmann.

Bestürzung, Trauer, Wut: Die Fußball-Fangemeinde trauert, etwa auf Facebook, um ihr liebgewonnenes Fußballradio 90elf, das künftig Fußball nicht mehr live übertragen darf und damit vor dem Aus steht. „Fakt ist: Ab der kommenden Saison dürfen wir die Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga nicht mehr übertragen“, schreiben die Macher des Fußball-Webradios mit Sitz in Leipzig. Sport1 hat sich wie am Dienstag bekannt wurde, die Rechte per Bieterverfahren gesichert. Im Minutentakt wird seitdem auf der Pinnwand des Senders kondoliert.

„Das ist wirklich traurig [...] Hier in Mexiko war das eine der ganz wenigen Möglichkeiten, deutschen Fußball zu genießen: Kopf hoch“, meldet sich Karsten Lemke aus der Ferne. „Ein Riesenskandal“, findet Paul Werthmann. Etliche Fans machen bereits kreative Vorschläge, um das Projekt zu retten: vom Umschwenken auf die dritte Liga bis zu Übertragungen aus dem Studio statt aus dem Stadion.

„Wir erleben im Netz heute einen Candystorm – Zucker von allen Seiten“, sagt Nico Nickel, Sprecher des Senders 90elf, der 2011 den Deutschen Radiopreis als beste Innovation erhielt. Ein schwacher Trost. Zur Zukunft gibt es noch keine Aussagen. Man setze sich in Kürze zusammen, um alle Optionen in Ruhe zu durchdenken. 800.000 Nutzer hatten sich in dieser Saison die App für die mobile Nutzung heruntergeladen. Die Nettoreichweite an einem durchschnittlichen Spieltag betrug 400.000 Hörer – das ermittelte jüngst die Forschungsgruppe Medien. Befragt wurden allerdings nur Männer bis 59 Jahre.

20 feste Mitarbeiter sowie 20 freie Kommentatoren sind bei 90elf betroffen, darunter auch die Reporter-Legende Manni Breuckmann. Er äußerte sich in einem Interview ebenfalls enttäuscht: „Es ist sehr, sehr schade, dass das, was da in fünf Jahren mühsam und engagiert aufgebaut wurde, jetzt zerstört wird“, sagte Breuckmann dem Leipziger Sender „mephisto 97.6“. Ob er künftig bei Sport1, dem am Dienstag gekürten Gewinner der Hörfunkrechte-Auktion, arbeiten werde, ließ er offen.

Und sein Reporter-Kollege Günther Koch, der 90elf mitentwickelt hat, bloggt frustriert: „Am Konzept, an der Präsentation und an den Mitarbeitern kann es nicht gelegen haben! Geld regiert (auch die Fußball-) Welt. Ein Jammer ist das.“

Skurrile Fußballer-Verletzungen

Kirk Broadfoot

Seine Frühstückseier in der Mikrowelle zuzubereiten ist nicht besonders clever. Wer es nicht glaubt, kann ja mal Kirk Broadfoot von den Glasgow Rangers fragen. Der Verteidiger bezahlte seinen gefährlichen Kochversuch mit Verbrühungen im Gesicht als eines der Eier auf seinem Teller explodierte.

Lars Hirschfeld

Wo gehobelt wird da fallen Daumenkuppen. Zumindest beim Frühstück des kanadischen Nationaltorhüters Lars Hirschfeld. Der schaffte es sich mit einem Käsehobel die Daumenkuppe abzuschleifen.

Alessandro Nesta

Der Weltmeister und langjährige AC-Mailand-Spieler Alessandro Nesta blieb einst wegen einer Handverletzung für vier Wochen dem Spielbetrieb fern. Bis heute hält sich das Gerücht, Nesta hätte den Sehnenriss in seinem linken Daumen seine Leidenschaft für das Zocken mit der Konsole Playstation zu verdanken. Zum einem Werbevertrag mit Sony reichte es allerdings nie.

Kasey Keller

Dem ehemalige Torwart und Kapitän von Borussia Mönchengladbach, Kasey Keller, wurde seine Leidenschaft für das Golfen zum Verhängnis. Beim Versuch seine Golfschläger aus dem Auto zu hieven schlug sich „The Wall“ mit den Schlägern die Vorderzähne aus.

Logan Bailly

Logan Bailly musste aufgrund eines privaten Fauxpas auch schon mehrere Wochen aussetzen. Eine mobile Klimaanlage krachte dem Belgier auf den rechten Mittelfuß.

Éver Banega

Auch Neuerwerb Éver Banega vom FC Valencia weiß mit Leistung im Alltag zu glänzen. Beim Tanken vergaß der argentinische Mittelfeld die Handbremse anzuziehen. Anschließend ließ er sich beim Versuch den rollendenden Wagen zu stoppen heldenhaft vom Auto überrollen. Mittlerweile dürfte Banega die Handbremse im Griff haben und wissen, dass ein gebrochener Fuß etwa nach sechs Monaten kuriert ist.

Jerome Boateng

Turbulenzen beim Flug oder Ärger mit der Boardcrew? Fakt ist: Jerome Boateng wurde im Flugzeug vom Getränkewagen einer Stewardess angefahren. Die Genesung des bereits lädierten Knies verschob sich nach dem Zusammenstoß um weitere Wochen.

Robin van Persie

Beim Sprint um einen Ball von der rechten Seite schaffte es Manchester United-Star Robin van Persie tatsächlich noch den Ball in die Mitte zu dreschen. Besser noch: Mitspieler Rafael dankte es ihm und nutzte die Vorlage zum Tor. Van Persie verabschiedete sich danach allerdings mit Karacho in den Kameragraben und zog sich dabei eine Hüftverletzung zu.

Robbie Keane

Welche Gefahr die eigene Faulheit darstellt beweist Robbie Keane. Beim Versuch seine Fernbedienung mit dem Fuß aufzuheben erlitt der Ire eine Knieverletzung - und steht damit noch nicht mal alleine da. Auch dem italienischen Torhüter Carlo Cudicini gelang das gleiche Kunststück. Ohnehin scheint dies eine Torwart-Trainingsspezialität zu sein: So zerrte sich der englische Profi David James gar die Rückenmuskulatur beim Strecken nach der Fernbedienung. Wie sich allerdings der englische Elfmetertöter David Seaman bei Programmieren des Videorecorders eine Zerrung zuzog dürfte für immer sein Geheimnis bleiben.

Paolo Diogo

Auch auf die Gefahren beim Torjubel werden Fußballspieler viel zu wenig hingewiesen. Paolo Diogo musste das auf äußerst schmerzliche Weise erfahren. Beim ausgelassenen Torjubel am Zaun blieb der Schweizer Pechvogel mit dem Ehering hängen und riss sich zwei Glieder des Fingers ab. Obendrauf gab es vom Schiedsrichter noch die gelbe Karte für übertriebenen Torjubel.

Adam Nemec

Ob mit Adam Nemec gut Kirschen essen ist wissen wir nicht. Allerdings sollte er das Pflücken lieber anderen überlassen. Beim Sturz vom heimischen Kirschbaum brach sich der 1,90 Meter große Slowake nämlich das Schlüsselbein und zwei Brustwirbel. Zudem erlitt der Stürmer eine Gehirnerschüttung.

Chavdar Yankov

Der bulgarische Mittelfeldspieler Chavdar Yankov ist vielleicht der einzige Bundesliga-Star, der trotz einer üblen Verletzung an intimer Stelle ein Tor erzielte. Sein Penisriss fiel ihm erst auf, als die Wunde blutete. Dank speziellem Gewebe-Klebeband konnte Yankov weiterspielen und sogar das Siegtor erzielen. Nach dem Abpfiff wurde sein bestes Stück mit sechs Stichen genäht.

Stefan Kuntz

Manchmal genügt ein kleiner Schritt: Für Lauterns Stefan Kuntz war das Spiel bereits vor dem Anpfiff vorbei. Beim Ausstieg aus dem Team-Bus zog sich Kuntz vor seinem Länderspieldebüt 1991 einen dreifachen Bänderriss im Knöchel zu.

Sascha Benda

„Stinker“ Sascha Benda bekam 2006 von Christian Okpala in der gemeinsamen Zeit bei den Stuttgarter Kickers die Quittung für sein ständiges Furzen. Der Nigerianer haute seinen Mitspieler aufgrund ständiger gasiger Provokation per Faustschlag um. Opkala wurde daraufhin mit sofortiger Wirkung suspendiert. Ob die Luft in der Nähe von Benda danach reiner wurde ist nicht bekannt.

Mario Gomez

Eine Verletzung reicht nicht: Den Frust über seinen Innenbandriss ließ Mario Gomez 2007 erfolgreich am Arztkoffer aus - und brach sich dabei zusätzlich die Hand.

Charles Akonnor

Das man seine Nase nicht überall reinstecken sollte weiß jetzt auch Charles Akonnor. Eine automatische Auto-Antenne bohrte sich in die Nase des sympathischen Ghanaers. Und als ob das nicht schlimm genug wäre stand das von ihm genommene blutstillende Mittel leider auf der Dopingliste. Am Ende gab es eine krankheitsbedinge Pause von vier Wochen und eine Sperre für drei Spiele.

Julio Arca

Der argentinische Verteidiger Julio Arca machte 2004 in seiner Zeit beim britischen Verein Sunderland beim Baden in der Nordsee Bekanntschaft mit einer Feuerqualle. Mit schwerem Hautausschlag ging es dann sofort ins Krankenhaus.

Jari Litmanen

Das ging ins Auge: Im Jahr 2006 schoss der Sportchef bei Malmö FF bei einer Feier der finnischen Legende Jari Litmanen beim Öffnen einer Sektflasche den Korken direkt ins Auge. Die Folge: Aufgrund einer verletzten Netzhaut musste Litmanen mehrere Monate aussetzen.

David Beckham

David Beckham durfte bereits allerhöchsten Trainerzorn kosten. Nach der Niederlage von Manchester United gegen den FC Arsenal im FA-Cup trat Trainer Sir Alex Ferguson voller Wut einen Schuh durch die Kabine. Leider kam zeitgleich Beckham um die Ecke und bekam diesen ab. Nach der erlittenen Platzwunde am Kopf gab David zuletzt in einem Interview zu, dass er immer noch Angst vor Ferguson hat.

Daniel Bierofka

Kaum zu glauben: Beim Spielen mit seinem Sohn zog sich der offensive Mittelfeld-Spieler eine Schnittverletzung an der Ferse zu. Schuld war eine Kante der Zeitungsablage unter dem Wohnzimmertisch.

Friedel Rausch

Beim Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 im Jahr 1969 wurde der damaligen Verteidiger Friedel Rausch von dem Hund eines Ordners in den Po gebissen. Die Narbe am Hintern könne man heute noch sehen, bestätigte der heutige Trainer zuletzt.

Christian Lell

Was tut Mann nicht alles für gepflegte Füße. Allerdings ist dies auch nicht ganz ungefährlich. Nach einer misslungenen Pediküre musste der Verteidiger mit einer Nagelbettentzündung am rechten großen Zeh dem Spielbetrieb fernbleiben.

Paolo Guerrero

Zu schwer, zu schnell und einfach nur spät dran. Beim Spurt zum Abflugschalter in Richtung Peru zog sich Ex-HSV-Stürmer Paolo Guerrero einen Muskelfaserriss zu und durfte erstmal für Wochen pausieren.

Jürgen Klinsmann

Beim legendären Ausraster-Kick gegen die Sanyo-Tonne zog sich Jürgen Klinsmann, damals noch als Bayern-Spieler, eine Fleischwunde zu.

Alex Stepney
Darius Vassell

In seiner Zeit bei Aston Villa stach sich der englische Fußballballspieler Darius Vassell eine Blase an der Fußsohle auf. Mit der anschließenden Blutvergiftung hatte er nicht gerechnet.

Darren Barnard

Öfter mal Gassi gehen: Der in Deutschland geborene Waliser Nationalspieler zog sich einen Kreuzbandriss zu als er in seiner Küche ausrutschte, die seine Hündin vollgepinkelt hatte.

Allem Trübsal zum Trotz: Auch künftig wird es Radioübertragungen der Bundesliga geben – auch per Webradio und über mobile Endgeräte. Im Wettbieten um die Bundesliga-Hörfunkrechte hatte Sport1 für die größte Überraschung gesorgt – und das Leipziger Webradio 90elf mit einem höheren Gebot für die kommenden vier Spielzeiten abgelöst. Weitersenden hingegen darf die ARD auf den UKW-Frequenzen. Dabei ist zu vermuten, dass hier der Zuschlag mangels Konkurrenz zu sogar günstigeren Konditionen als bisher gegeben wurde.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat mit der erstmaligen Ausschreibung der Audioverwertungsrechte insgesamt vermutlich keine Mehreinnahmen erzielen können. Die erzielte Gesamtsumme dürfte sich nach Handelsblatt-Informationen erneut bei rund 6,8 Millionen Euro über alle Rechtepakete pro Jahr einpegeln. Marktkenner waren in den Jahren zuvor von einer Gesamtsumme in gleicher Höhe ausgegangen, die auf Basis bilateraler Verhandlungen erzielt wurde.

Nun verschieben sich die Einnahmebestandteile: Das Paket „Audio Broadcast” verbilligt sich nach unbestätigten Angaben für die ARD um rund eine Million Euro auf 5,5 Millionen Euro, während die Mobil- und Internetradiorechte („Netcast”) deutlich teurer werden als bisher. Die Rede ist in Bieterkreisen von einem hohen sechsstelligen Betrag, den Sport1 zahlt.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Prost

20.03.2013, 18:27 Uhr

Einfach das TV-Bild kommentieren und per Radio (90elf) übertragen. Und das mit jedem Spiel.

Account gelöscht!

20.03.2013, 20:41 Uhr

@prost

Mit ihrem Vorschlag würde sich 90elf ab kommender Saison strafbar machen. 90elf verweist bereits heute darauf, dass sie für manche internationale Spiele keine Rechte besitzen und deswegen eine Schaltung rechtlich nicht möglich ist. So können eben manche Spiele des Europapokals bzw Champions League nicht live kommentiert werden.

Eine Kommentieren über Fernseh schauen ist rechtlich genauso illegal wie ein unerlaubtes Kommentieren live aus dem Stadion heraus. Man muss zwingend die passenden Übertragungsrechte besitzen.

Ich persönlich finde die Entscheidung gegen 90elf wirklich traurig. 90elf macht einen hervorragenden Job. Sehr häufig habe ich mittlerweile das Spiel bei Sky geschaut, dort den Ton abgeschaltet (aufgrund unsäglicher Kommentatoren) und dann 90elf eingeschaltet. Die Lösung war für mich einfach herrlich.

Stephan

21.03.2013, 00:08 Uhr

Ja, wirklich schade und unglaublich, dass sowas reguliert wird. Also darf ich nicht über Radio ein Spiel kommentieren, noch nicht mal über einen livestream im Internet? Wahnsinn, irgendwie auch beängstigend und wütend machend.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×