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16.06.2015

19:45 Uhr

Höwedes bleibt beim FC Schalke 04

Des Weltmeisters königsblaue Liebeserklärung

Quelle:dpa

Benedikt Höwedes hätte ins Ausland wechseln und mehr Geld verdienen können. Doch der Weltmeister von Schalke 04 schob die Lockangebote beiseite. Das erhöht die Erfolgsaussichten vor allem für André Breitenreiter.

Der Kapitän will lieber für einen Verein mit einem „Herz aus Fleisch und Blut“ spielen – eine gute Nachricht für den neuen Trainer André Breitenreiter. Reuters

Benedikt Höwedes

Der Kapitän will lieber für einen Verein mit einem „Herz aus Fleisch und Blut“ spielen – eine gute Nachricht für den neuen Trainer André Breitenreiter.

GelsenkirchenGute Neuigkeiten für den FC Schalke 04: Kapitän Benedikt Höwedes bleibt auf Schalke. Das bestätigte Sportvorstand Horst Heldt am Montag bei der Vorstellung des neuen Trainers André Breitenreiter. Wenig später bekannte sich auch Kapitän Höwedes (27) auf Facebook zu den Königsblauen. Und das ist eine richtige Liebeserklärung an den Verein, für den der Weltmeister seit 14 Jahren spielt.

„Als Kapitän der Mannschaft werde ich meinen Beitrag leisten, dass wir mit einem ambitionierten Trainer, mit dem ich mich in den letzten Tagen intensiv und extrem gut ausgetauscht habe, und jungen, hungrigen Spielern eine neue Ära des FC Schalke 04 prägen“, schrieb Höwedes am Montagabend: „Ich bin dankbar für einen Verein zu spielen, dessen Herz aus Fleisch und Blut ist. Ich werde alles geben, dass wir an die gemeinsamen Erfolge anknüpfen. Es wird Zeit, dass wir Taten sprechen lassen.“

Die besten elf Spieler von Schalke 04

Tor

Zu Beginn des Jahres 2000 ließ der FC Schalke 04 seine Jahrhundertelf wählen. Bei den Torhütern machte nicht Manuel Neuer das Rennen, sondern Norbert Nigbur (Spieljahre: 1966-1976; 1979-1983), der 1974 ohne eigenen Einsatz Weltmeister geworden ist. Er besaß alle Stärken eines Schlussmanns: souveräne Strafraumbeherrschung, herausragende Reflexe und die lässigen Handbewegungen (Motto: Der geht vorbei...), wenn Schüsse haarscharf am Pfosten vorbeiflogen.

Quelle: Schalke04.de

Abwehr (1)

Er war kein begnadeter Techniker, aber Rolf Rüssmann (Spieljahre: 1969-1981) schöpfte sein Potenzial beeindruckend aus, nachdem Präsident Günter Siebert den Jugendnationalspieler nach Schalke gelockt hatte. Er war lange der Herrscher der Lüfte in beiden Strafräumen des Spielfelds. Seine 134 Erstligaspiele in Serie sind noch heute Vereinsrekord.

Abwehr (2)

Beim Abschiedsspiel 1986 huldigten ihm die Fans: „Der Wald stirbt – die Tanne steht“. Klaus Fichtel (Spieljahre: 1965-1980, 1984-1988), Spitzname „Tanne“, war über Jahrzehnte verlässlicher Abwehrchef der Königsblauen. Mit stoischem Stellungsspiel überzeugt er als 20-Jähriger bei seinem Debüt 1965 ebenso wie bei seinem letzten Einsatz 1988. Da ist Fichtel 43 Jahre und damit ältester jemals eingesetzter Spieler der Bundesligageschichte.

Abwehr (3)

Auf Kohle geboren und mit einer Technik sowie Spielwitz ausgestattet, die Fachleute in Verzückung versetzen: Schon mit 18 Jahren war Olaf Thon (Spieljahre: 1983-1988; 1994-2002) Hauptdarsteller beim legendären 6:6 im DFB-Pokal gegen die Bayern. Als er 1994 nach sechs Jahren in München nach Hause kam, wurde er zum spielerischen Dreh- und Angelpunkt einer Mannschaft, die all das verkörperte, was Schalker lieben. Thon führte die Eurofighter zum UEFA-Cup-Sieg 1997. Als Kapitän hielt er in guten wie in weniger guten Zeiten den Kopf hin.

Mittelfeld (1)

Er war das „Kampfschwein“: Ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit warf sich Marc Wilmots (Spieljahre: 1996-2000, 2002-2003) während der 90 Minuten in jedes Getümmel und erzwang Unglaubliches. Wilmots schoss 1997 entscheidende Tore auf dem Weg in die beiden UEFA-Cup-Finals gegen Inter Mailand. Und er entschied beide Endspiele: Im Parkstadion gelang ihm das 1:0-Siegtor, im Elfmeterschießen von San Siro verwandelte er den letzten Schuss – und wird damit für alle Fans unsterblich.

Mittelfeld (2)

Er war der spielintelligente Ausnahmekönner der titelsammelnden Kreiselelf: Fritz Szepan (Spieljahre: 1925-1949) fungierte mit seinem Schwager Ernst Kuzorra als Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld und war extrem torgefährlich. 223 Pflichtspieltreffer – nur Kuzorra hat häufiger für S04 getroffen.

Mittelfeld (3)

Die „linke Klebe“ war sein Markenzeichen: Mit ihr schlug Ingo Anderbrügge (Spieljahre: 1988-2000) scharfe Ecken, gefährliche Freistöße und verwandelte Elfmeter. Das war besonders wichtig, als es in seiner ersten Saison 1988/1989 galt, den Abstieg aus der Zweiten Liga (!) zu verhindern. Und es war auch fast zehn Jahre später gefragt, als die Eurofighter ihren Triumphzug über den Kontinent vollendeten und den UEFA-Cup gewannen – ohne Anderbrügges Standards undenkbar.

Mittelfeld (4)

Als Kapitän der Kreiselelf ist er der Spielführer der Vereinsgeschichte schlechthin: Ernst Kuzorra (Spieljahre: 1923-1949). Seine sportlichen Leistungen, sein Gerechtigkeitssinn und seine Identifikation mit dem Verein machten ihn schon zu Lebzeiten zu einer Legende. Kuzorra verkörpert noch heute den Mythos Schalke.

Angriff (1)

Seine Soli auf Rechtsaußen inspirierten Boulevardjournalisten zu echtem Sprachwitz. „Flankengott aus dem Kohlenpott“ tauften sie Rüdiger Abramczik (Spieljahre: 1973-1980; 1987-1988), dem es gelang, in die XXL-Fußstapfen des großen Stan Libuda zu treten. Bis Julian Draxler kam, war er viele Jahrzehnte jüngster eingesetzter Schalker Bundesligaspieler. „Abi“ konnte nichts falsch machen – und wechselte 1980 zum BVB…

Angriff (2)

Er war das Synonym für königsblaue Bundesligatore: 182-mal traf Klaus Fischer (Spieljahre: 1970-1981) in elf Jahren. 1976 wurde der Mittelstürmer Torschützenkönig. Seine Fallrückzieher gehörten zu den schönsten Treffern im Fußball überhaupt. Seine Verstrickung in den Bundesligaskandal von 1971 verhinderte eine größere Karriere in der Nationalelf, für die er 45 Länderspiele (32 Tore) bestritt. Seine zehnmonatige Pause nach einem Beinbruch im März 1980 leitete eine Talfahrt und schließlich den Abstieg ein.

Angriff (3)

Wer Stan Libuda (Spieljahre: 1962-1965; 1968-1972; 1973-1976) spielen sah, bekommt bei den Erinnerungen daran noch heute glänzende Augen: „Li-bu-da, Li-bu-da!“ Die Anfeuerung für einen einzelnen Spieler gilt einer ganzen Elf. Denn mit seinen Dribblings spielte der Rechtsaußen an guten Tagen komplette Abwehrreihen schwindlig. Seine Spielkunst riss ein ganzes Team mit und ebnete den Weg zum Pokalsieg 1972, dem ersten Titel nach 14 Jahren.

Trainer

Huub Stevens (Trainer auf Schalke: 1996-2002, 2011-2012) identifizierte sich mit Schalkes Werten und verkörperte sie. „Wir tun alles zusammen“ war sein Credo. Weil er seine Mannschaften stets „nach ihren natürlichen Fähigkeiten“ ausrichtete, ließen die Eurofighter defensivstark und diszipliniert die „Null stehen“, entschieden Spiele über Standards. Die Meister der Herzen brannten hingegen Offensivfeuerwerke ab. Huntelaar und Co. wiederum sind immer auf ein Tor mehr aus als der Gegner. Alle drei Mannschaften haben Erfolg – dank Stevens.

Wie Heldt en passant bestätigte, verzichtete Weltmeister Benedikt Höwedes auf den Gebrauch einer Vertragsklausel, die ihm einen vorzeitigen Vereinswechsel für eine festgeschriebene Ablöse von 17 Millionen Euro ermöglicht hätte. Es erhöht die Erfolgsaussichten für Breitenreiter und Heldt, dass ein Leistungsträger erhalten bleibt.

Denn allein beim Blick auf die zahlreichen Fotografen dürfte es dem 41 Jahre alten Fußball-Lehrer gedämmert haben, auf welches Abenteuer er sich eingelassen hat. Demonstrativ betrieb er Eigenwerbung: „Ich glaube nicht, dass dieser Schritt für mich zu groß ist. Auch als ich nach Paderborn kam, gab es kritische Stimmen. Da kommt einer aus der Regionalliga. Am Ende standen die zwei erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte.“

FC Schalke 04 stellt André Breitenreiter als neuen Trainer vor. ap

André Breitenbreiter, Horst Heldt

FC Schalke 04 stellt André Breitenreiter als neuen Trainer vor.

Beim schlagzeilenträchtigen Trainercasting des Revierclubs machte der Außenseiter das Rennen. Mit fast jeder Silbe versuchte Manager Horst Heldt den Eindruck zu entkräften, dass Breitenreiter nach den Absagen von Markus Weinzierl (Augsburg) und den misslungenen Verhandlungen mit Belgiens Nationalcoach Marc Wilmots nur dritte Wahl ist: „Am Ende haben sich zwei Favoriten herauskristallisiert. Weinzierl und Breitenreiter. Einer sitzt heute hier.“

Dennoch gilt die Entscheidung als mutig. Schließlich coachte Breitenreiter noch vor fünf Jahren die F-Jugend des TuS Altwarmbüchen. Auch die Stationen bei Viertligist TuS Havelse und in Paderborn prädestinierten ihn nicht gerade für ein Traineramt bei einem der deutschen Topclubs. Das kann Breitenreiter jedoch nicht schrecken: „Bisher ist es uns noch immer gelungen, das umzusetzen, was wir uns vorgenommen haben. Und die Menschen sind gleich: Egal ob in Havelse, Paderborn oder Schalke.“

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