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04.01.2011

10:55 Uhr

Hopp im Visier

DFL prüft Verkauf von Luiz Gustavo

Es hatte sich bereits angedeutet: Die DFL ermittelt gegen die TSG Hoffenheim und ihren Mäzen Dietmar Hopp wegen des Verdachts auf Verstoß gegen die 50+1 Regel. Die besagt, dass Investoren sich gefälligst nicht in die Transferpolitik der Bundesligavereine einzumischen haben – beim Fall Luiz Gustavo soll Hopp jedoch persönlich verhandelt haben.

Dietmar Hopp steht wegen seiner Beteiligung am Gustavo-Wechsel in der Kritik. Foto: SID Images/Firo SID

Dietmar Hopp steht wegen seiner Beteiligung am Gustavo-Wechsel in der Kritik. Foto: SID Images/Firo

Am Mittwoch startet bundesweit ein Kinofilm über das vermeintliche Erfolgsmodell 1 899 Hoffenheim - der Streit zwischen dem Mäzen Dietmar Hopp und Ex-Trainer Ralf Rangnick ist jedoch eher ein Schmierenstück. Zwei Tage nach der offiziellen Entlassung Rangnicks warf Hopp dem Trainer am Dienstag übertriebenen Ehrgeiz und Maßlosigkeit vor. "Entscheidend war, dass das ehrgeizige Ziel des Trainers, in der Champions League zu spielen, zu einem zu riskanten Kurs geführt hätte, so dass wir vielleicht untergegangen wären", sagte Hopp der Bild-Zeitung.

Rangnicks Forderungen führten Hoffenheim nach Ansicht Hopps also an den Rand des Ruins. Allerdings droht Hopp wegen des Transfers von Mittelfeldspieler Luiz Gustavo zu Bayern München selbst Ungemach. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) prüft den Wechsel derzeit wegen einer möglichen Verletzung der 50+1-Regel. "Die DFL steht in dieser Angelegenheit in Kontakt mit der Geschäftsführung von 1 899 Hoffenheim. Die Geschäftsführung hat uns zugesagt, den Ablauf des Transfers entsprechend zu dokumentieren", hieß es in einem Schreiben des Ligaverbandes.

Gegen Hopp steht der Vorwurf im Raum, beim Transfer von Gustavo ohne operatives Mandat entscheidend mitgewirkt zu haben. Hopp war gemeinsam mit 1 899-Manager Ernst Tanner zu Vertragsverhandlungen nach München gereist und hatte den Transfer perfekt gemacht. Allerdings wehrte sich Hopp am Dienstag vehement gegen den Eindruck, dass er gegen Liga-Statuten verstoßen habe.

Hopp widerspricht Kritik

"Der Transfer des Spielers Luiz Gustavo erfolgte in absolutem Einklang mit den Bestimmungen der 50+1-Regelung. Als Gesellschafter und Sprecher des Beirats war ich in den Verhandlungen nur deshalb dabei, weil die Bayern-Führung darum gebeten hat", sagte Hopp der Tageszeitung Die Welt (Mittwochausgabe).

FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte die Verhandlungsführung von Hopp ausdrücklich gelobt. "Unser Dank gilt noch einmal Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, der den Transfer in dieser Form ermöglichte. Ich habe selten so seriöse Verhandlungen wie mit Herrn Hopp erlebt", sagte Rummenigge.

Dieses Vorgehen stellt nach Ansicht einiger Bundesligisten eine Verletzung der 50+1-Regel dar, auch wenn nicht damit zu rechnen ist, dass Hopp auch seine Unterschrift unter den Gustavo-Vertrag gesetzt hat. Die Konkurrenz blickt dennoch mit großem Interesse auf die Vorgänge in Hoffenheim. "Die Rechte und Entscheidungsprozesse in Hoffenheim sind wohl anders organisiert, als es die Regel vorschreibt. Überall, wo ein Klub mit dem Rücken zur Wand steht oder wo es ein Modell wie Hoffenheim gibt, wird es immer Umgehungstatbestände geben", sagte Hannovers Präsident Martin Kind, der vor dem DFB-Schiedsgericht gegen die Investorenregel klagt.

Kein Mobbing gegen Rangnick

Auch Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke warnt schon seit Monaten, dass das Modell Hoffenheim die 50+1-Regel außer Kraft setzt. Bislang untersagt die Regel, dass Investoren bei den Bundesliga-Klubs eine Stimmenmehrheit haben dürfen. "Ich habe rechtzeitig warnend den Zeigefinger gehoben", sagte Watzke. Vor dem Hintergrund, dass Hoffenheim von einem milliardenschweren Mäzen finanziert wird, hatte Watzke zuletzt höhere Fernsehgelder für die Traditionsklubs gefordert.

Ungeachtet der Attacken aus der Bundesliga betonte Hopp am Dienstag, dass er Rangnick mit seinem Alleingang beim Gustavo-Transfer nicht aus dem Job mobben wollte. "Um Himmels willen! Das ist völliger Unsinn. Ich habe Rangnick einen sechsseitigen Brief mit den Gründen geschickt", erklärte Hopp. Rangnick war weder von Hopp noch von Manager Ernst Tanner über die Vertragsverhandlungen mit den Bayern wegen Gustavo informiert worden.

© SID

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