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10.02.2014

11:31 Uhr

HSV in der Krise

Retter verzweifelt gesucht

Der Hamburger SV ist nach seiner sechsten Niederlage in Folge Tabellen-17., Fans gehen auf Spieler los, die Krisensitzung des Aufsichtsrats bleibt ergebnislos. Der Name Magath fällt häufiger. Noch dementiert der Klub.

Hält sich selbst im Gespräch: Felix Magath könnte 15 Monate nach seiner Entlassung als Trainer des VfL Wolfsburg zurück zum HSV gehen. dpa

Hält sich selbst im Gespräch: Felix Magath könnte 15 Monate nach seiner Entlassung als Trainer des VfL Wolfsburg zurück zum HSV gehen.

HamburgIn Hamburg reagiert das Chaos – und die Sehnsucht nach einem, der es beende möge: Felix Magath ließ Sonntagnacht sogar durchblicken, dass er zurück in den Fußball will. Der HSV könnte ihn gut brauchen. Denn der Traditionsverein, der wie kein anderer Klub seit der Gründung der Bundesliga immer erstklassig gespielt hat, steht vor dem ersten Abstieg seiner Geschichte. Und Magath ist für viele immer noch einer, der das Desaster abwenden könnte.

„Wenn mir jemand so eine Aufgabe anbieten würde, könnte ich mir Gedanken darüber machen“, sagte er am Sonntag in einem Interview mit WDR2 – und legte via Facebook nach, indem er die Führung seines ehemaligen Klubs scharf angriff:

„Beim HSV muss ab sofort auf allen Ebenen der Fußball wieder im Vordergrund stehen. Es geht jetzt nur noch um den Klassenerhalt. Es bedarf nun endlich einer Lösung im Sinne unseres Vereins", schrieb Magath auf seiner Facebookseite: „Der HSV muss Einigkeit nach innen und außen demonstrieren, ein starkes Zeichen setzen und eine Einheit werden.“ Der HSV sei „hinter undurchschaubaren Strömungen, Gruppen- und Einzelinteressen kaum noch sichtbar“.

Zur Person: Felix Magath

Persönliche Daten
  • geboren am: 26. Juli 1953
  • Geburtsort: Aschaffenburg
  • Größe: 1,74 m
Stationen als Spieler
  • 1972-1974: Viktoria Aschaffenburg
  • 1974-1976: 1. FC Saarbrücken (76 Spiele/29 Tore)
  • 1976-1986 Hamburger SV (306 Spiele/46 Tore)
Spieleinsätze und Tore
  • Bundesliga: 303 Spiele, 46 Tore
  • Länderspiele: 43 Spiele, 3 Tore
Erfolge als Spieler
  • Europameister mit Deutschland 1980
  • Vize-Weltmeister mit Deutschland 1982, 1986
  • Europapokalsieger der Landesmeister 1983 mit dem Hamburger SV
  • Europapokalsieger der Pokalsieger 1977 mit dem Hamburger SV
  • Deutscher Meister 1979, 1982 und 1983 mit dem Hamburger SV
Stationen als Trainer
  • 1992/1993: FC Bremerhaven
  • 1995 - Mai 1997: Hamburger SV
  • September 1997 - Mai 1998: 1. FC Nürnberg
  • Oktober 1998 - Mai 1999: Werder Bremen
  • Dezember 1999 - Januar 2001: Eintracht Frankfurt
  • Februar 2001 - Juni 2004: VfB Stuttgart
  • Juli 2004 - Januar 2007 Bayern München
  • Juni 2007 - Mai 2009: VfL Wolfsburg
  • Mai 2009 - März 2011: Schalke 04
  • März 2011 - 25. Oktober 2012: VfL Wolfsburg
Erfolge als Trainer
  • Deutscher Meister: 2005, 2006 (jeweils FC Bayern München), 2009 (VfL Wolfsburg)
  • DFB-Pokalsieger: 2005, 2006 (jeweils FC Bayern München)
  • Deutschlands Trainer des Jahres: 2003, 2005, 2009

Presseerklärung des VfL Wolfsburg im Wortlaut

„Der Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg und Felix Magath sind heute übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden. Felix Magath hat in einem ersten Schritt dem Aufsichtsrat gegenüber erklärt, dass ihm der Verein sehr am Herzen liegt. Er bot daher an, ihn von seinen Pflichten zu entbinden, da er nicht möchte, dass der Verein in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Aufsichtsrat bedauert, dass es zu dieser Situation gekommen ist, obwohl beide Seiten in den letzten Wochen alles versucht haben, den sportlichen Erfolg herzustellen. Da dies nicht gelungen ist, hat man sich einvernehmlich zu diesem Schritt entschlossen. Lorenz-Günther Köstner übernimmt als Interimstrainer mit sofortiger Wirkung die Leitung der Mannschaft.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Francisco Garcia-Sanz: 'Wir möchten Felix Magath ausdrücklich unseren Dank aussprechen. Er hat während seiner beiden Amtszeiten beim VfL Wolfsburg enormes Engagement gezeigt und Großes für unseren Verein, die Stadt Wolfsburg und den Sport in der gesamten Region geleistet. Der Fokus liegt jetzt auf den kommenden Partien, in denen es gilt, schnellstmöglich wieder Anschluss an das Mittelfeld der Bundesliga zu finden.'“

Fast acht Stunden hatte der Aufsichtsrat des HSV im noblen Hotel Grand Elysee getagt – ohne Ergebnis. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein Ergebnis zu verkünden“, sagte HSV-Mediendirektor Jörn Wolf später. Die Aufsichtsratsmitglieder hatten sich durch den Hintereingang aus dem Hotel gestohlen.

Kurz nach dem 0:3 gegen Hertha BSC und den heftigen Fan-Attacken auf die Bundesliga-Mannschaft mussten zunächst der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer zum 75-minütigen Rapport antreten. Alle Szenarien wurden offenbar diskutiert: Eine Ablösung von Jarchow, von Kreuzer und eben auch des glücklosen Trainers standen anscheinend zur Debatte.

Doch noch gab es offenbar keine Mehrheit der nötigen acht von elf Stimmen für Magath, der mit seinem Image als beinharter Schleifer einst den Spitznamen „Quälix“ bekam. Noch bleibt also Bert van Marwijk Trainer. Er werde am Montag beginnen, „die Mannschaft auf das Pokalspiel gegen Bayern vorzubereiten“, betonte Wolf und erklärte, eine weitere Sitzung sei nicht anberaumt worden.

Einige Hamburger Aufsichtsräte haben laut FAZ mit dem 60 Jahre alten Magath gesprochen, um ihn von einer Doppelfunktion als Trainer und Sportchef zu überzeugen. Magath bestätigt das, und auch, dass er trotz Bauchschmerzen bereit für die Aufgabe sei, sollte die nötige Mehrheit der Räte für ihn sein.

Nie zuvor war die Lage derart bedrohlich beim HSV. Unter der Führung des Niederländers van Marwijk hat der HSV sechsmal nacheinander verloren und ist als Tabellenvorletzter in akute Abstiegsnot geraten. Den Trainer beurlauben kann nur der Vorstand, der das allerdings ablehnt. Die Regel kann umgangen werden, indem der Aufsichtsrat den Vorstand mit Jarchow und Kreuzer entlässt und eine kommissarische Führung einsetzt.

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