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07.06.2017

09:59 Uhr

Immer Ärger mit Katar

„Für eine Fußball-WM ungeeignet“

VonAstrid Dörner

Der Austragungsort der Weltmeisterschaft 2022 war von Anfang an umstritten. Die Katar-Krise lockt nun alte und neue Kritiker aus der Reserve. Dabei hat der Fußball-Weltverband Fifa eigentlich schon genug Probleme.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes denkt laut über einen WM-Boykott nach. dpa

Reinhard Grindel

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes denkt laut über einen WM-Boykott nach.

DüsseldorfDas Interview, das der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel, der Verbandseigenen Webseite gab, hatte nur drei Fragen. Doch in jeder Antwort steckte fußball-politischer Zündstoff. Grindel, der seit Mai auch im Fifa-Rat sitzt, brachte einen Boykott der Weltmeisterschaft (WM) als letzten Ausweg ins Spiel.

„Es sind noch fünf Jahre bis zum Anpfiff der WM. In dieser Zeit müssen politische Lösungen vor Boykott-Androhungen den Vorrang haben. Aber eines steht unabhängig davon fest: Grundsätzlich sollte sich die Fußballgemeinschaft weltweit darauf verständigen, dass große Turniere nicht in Ländern gespielt werden können, die aktiv den Terror unterstützen“, sagte Grindel, der auch der FIFA-Kommission für Good Governance angehört.

Nach dem Vorwurf der Terrorunterstützung wird Katar auch von deutschen Spitzenpolitikern als WM-Gastgeber mehr denn je infrage gestellt. „Die Vorwürfe wiegen zu schwer. Die Diskussion über die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Katar muss ernsthaft geführt werden“, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder der „Passauer Neuen Presse“. Es sei kaum vorstellbar, dass in einem Land, aus dem der Terrorismus massiv unterstützt wird, ein WM-Turnier ausgetragen werden kann, so der CDU-Politiker.

Fußball-WM 2022: Katar und seine Probleme

Das Problem

Fünf Millionen Dollar. Das ist die Summe, die der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohammed bin Hammam eines Berichts der britischen Zeitung „Sunday Times“ zufolge an Schmiergeldern an Offizielle des Fußball-Weltverbandes gezahlt haben soll.

Der Ermittler

Belege für den Stimmenkauf - teilweise schon ein Jahr vor dem Zuschlag für Katar im Dezember 2010 - sollen von der Zeitung an FIFA-Chefermittler Michael Garcia gehen. Der frühere FBI-Direktor untersucht die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Der Bericht

Seine Untersuchungen will er bis zum 9. Juni abgeschlossen haben. Sein ursprünglich für September 2013 vorgesehener Bericht soll dann sechs Wochen später fertig sein. Garcia bereist alle Kandidatenländer und wurde zuletzt unabhängig von den neuen Enthüllungen zu Gesprächen mit den Katarern in Oman erwartet.

Im Visier

Als FIFA-Vize und Mitglied des Exekutive gehörte der Katarer Mohammed bin Hammam zum engsten Machtzirkel des Fußball-Weltverbandes. Die Aussage des WM-Komitees, bin Hammam stünde in keiner offiziellen oder inoffiziellen Verbindung zu Katars WM-Bewerbung, ist absurd. Selber abstimmen durfte er bei der Vergabe 2010 zwar nicht, der heute 65-Jährige war aber maßgeblicher Strippenzieher.

Zweifelhafte Karriere

Als Beauftragter für das FIFA-Entwicklungsprogramm Goal verteilte er gerade in armen Ländern immer wieder legale Finanzspritzen des Weltverbandes. Gestürzt wurde bin Hammam 2011 über Bestechungsvorwürfe im Rahmen seiner Kandidatur als FIFA-Präsident gegen Amtsinhaber Joseph Blatter. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob eine lebenslange Sperre auf, später wurde bin Hammam wegen Verfehlungen in seiner Zeit als Chef der asiatischen Föderation erneut von der FIFA mit einem Bann belegt.

Ein Schatten auf der WM

Die neue Vorwürfe kommen für die FIFA zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie werden mit Sicherheit den Kongress der 209 Mitgliedsverbände am 10. und 11. Juni kurz vor dem Eröffnungsspiel in Sao Paulo beschäftigen. Auf der offiziellen Tagesordnung gibt es aber keinen Programmpunkt Katar. Blatter will den Kongress nutzen, um sich als Präsidentschaftskandidat küren zu lassen.

Dauer-Debatte

Das Turnier am Zuckerhut selbst wird durch die Dauer-Debatte um Katar wohl keine Kratzer abbekommen. Die Erfahrung zeigt: Wenn der Ball einmal rollt, rückt der Sport in den Fokus und hohe Wellen schlägt das Thema hauptsächlich in England, Australien und Japan, die alle in den jüngsten WM-Vergaben unterlegen waren, und Deutschland.

Dilemma

Prinzipiell kann die FIFA die Austragungsrechte wieder aberkennen. Zuständig wäre der Kongress als höchste Instanz. Allerdings müssten zunächst Beweise für klare Verstöße gegen die Bewerbungsrichtlinien vorliegen. Und Katar bliebe der Rechtsweg offen. Ein juristischer Streit könnte für die FIFA lang und sehr, sehr teuer werden.

Neue Ausschreibung

Lieber heute als morgen hätte FIFA-Präsident Joseph Blatter das Problem vom Tisch. Doch eine endgültige Lösung ist nicht in Sicht. Legt der Garcia-Bericht eine Neu-Ausschreibung nahe, ist mit einem Gang durch alle Instanzen der Sport- und Zivilgerichtsbarkeit zu rechnen. Bleiben die Vorwürfe ohne Beleg und Konsequenz wird ohnehin weiter über die Katar-WM debattiert werden.

Menschenrechte

Mit Argusaugen beobachten Menschenrechtsorganisationen die umstrittenen Arbeitsbedingungen für Bau- und Gastarbeiter am Golf. Und: Noch ist nicht geklärt, wie die FIFA den durch die extreme Hitze notwendigen Winter-Termin gegen den Widerstand der Top-Ligen in Europa durchsetzen kann.

„Die aktuelle Entwicklung ist nur ein weiterer trauriger Beleg dafür, dass Katar als Austragungsort für eine Fußball-WM denkbar ungeeignet ist“, sagte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) der Zeitung „Die Welt“. In der „Saarbrücker Zeitung“ forderte Roth DFB-Präsident Reinhard Grindel auf, sich als Mitglied des FIFA-Councils für klare Kriterien bei WM-Vergaben einzusetzen.

Weltmeisterschaft 2026: Ein Trio in der Favoritenrolle als Gastgeber

Weltmeisterschaft 2026

Ein Trio in der Favoritenrolle als Gastgeber

48 Teilnehmer? Stehen ab der WM 2026 fest. Nur wo das Turnier stattfindet, entscheidet sich erst 2020. Topfavorit ist nicht nur ein Land, sondern gleich drei: USA, Kanada und Mexiko wollen gemeinsam anpacken.

Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, fordert, Katar die Ausrichtung der Fußball-WM 2022 zu entziehen, Nouripour sagte der „Heilbronner Stimme“: „Es fällt DFB-Chef Grindel etwas spät ein, dass Katar als Austragungsort einer WM mehr als zweifelhaft ist. Die WM hätte man niemals nach Katar vergeben dürfen. Sie wird auf dem Rücken vieler ausländischer Bauarbeitern ausgetragen, die unter unwürdigen Bedingungen die Stadien errichten und ausgebeutet werden. Deren Situation ist verheerend.“

Die Partei Die Linke warnt derweil vor den Konsequenzen, die eine Absage der Fußball-WM 2022 in Katar nach sich ziehen würde. Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der sportpolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, André Hahn: Angesichts des Baufortschritts bei Stadien, Straßen und Hotels „würde es bei einer Absage des WM-Turniers milliardenschwere Klagen gegen die Fifa und gegebenenfalls auch gegen jene Mitgliederverbände geben, die sich für den Entzug der WM besonders stark gemacht haben.“ Außerdem stelle sich die Frage, welches Land kurzfristig einspringen könnte.

Kommentare (1)

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Herr Metin Mert

07.06.2017, 10:28 Uhr

Der Fußball muss wieder Sauber und Transparent werden und Russland und Katar die WM entzogen werden. Da 2006 die letzte saubere WM war, sollte der Austragungsort nicht mehr rotieren sondern nur noch in Deutschland gespielt werden. Beckenbauer wird Organisationskomitee Leiter auf Lebenszeit. Niersbach FIFA Präsident, Blatter, Leiter der Ethikkommission, Dr. Armin Klümper Physio in Gesamtverantwortung und Jan Ulrich und Boris Becker Pressesprecher. Die WM wird reduziert auf 4 Mannschaften mit fixiertem Startrecht für Deutschland und Österreich. Offizielle Amtssprache wird Deutsch.

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